Aufsehenerregende Anklageschrift zum Anschlag in Izmir: Auch jenes Konzert war ein Ziel!
In der Anklageschrift zum Anschlag auf eine Polizeistation in Izmir-Balçova, bei dem drei Polizisten ihr Leben verloren, werden für die Angeklagten lebenslange Haftstrafen unter erschwerten Bedingungen sowie hunderte Jahre Gefängnis gefordert. Zudem wurden weitere vom Täter geplante Ziele in die Akte aufgenommen.
Die im Rahmen der Ermittlungen zum Terroranschlag erstellte Anklageschrift enthüllt Details zum Hintergrund des Angriffs, den der Gymnasiast Eren Bigül in Balçova verübte und bei dem drei Polizeibeamte getötet wurden. In der Akte wird für insgesamt 13 Verdächtige, von denen 7 inhaftiert sind, jeweils viermal lebenslange Haft unter erschwerten Bedingungen sowie bis zu 261 Jahre Gefängnis gefordert.
AUCH MUTTER UND VATER IN DER AKTE
In der Anklageschrift wird dargelegt, dass der Täter Eren Bigül unter der Vormundschaft seiner Eltern stand und diese im Hinblick auf Pflege, Aufsicht, Erziehung und den Schutz vor gesellschaftsschädlichem Verhalten als Garanten fungierten. Es wurde festgehalten, dass Bigül dank der Erleichterungen und Unterstützung durch seinen Vater Nuhver Bigül und seine Mutter A.B. die Ideologie der bewaffneten Terrororganisation IS übernahm und Mitglied der Organisation wurde.
10 TAGE LANG AUSSPÄHUNG BETRIEBEN
In der Akte wird angegeben, dass Bigül vor der Tat 10 Tage lang jeweils nachts zwischen 02.00 und 03.00 Uhr regelmäßig das Polizeirevier Salih İşgören, den Ort des Anschlags, ausspähte. Die Anklageschrift kommt zu dem Schluss, dass die Mutter und der Vater als „geistige Haupttäter (Anstifter)“ an allen von Bigül begangenen Straftaten beteiligt waren.
STAAT ALS „TAGHUT“ BEZEICHNET
In der Anklageschrift heißt es, dass Eren Bigül begann, ein Leben gemäß der IS-Ideologie zu führen, versuchte, die Ideen der Organisation in seinem Freundeskreis zu verbreiten, und die Republik Türkei als „Taghut“ (Götze/Tyrann) bezeichnete. Zudem wird in der Akte aufgeführt, dass Bigül den Schulbesuch verweigerte, weil er gegen die gemeinsame Erziehung von Männern und Frauen war, und dass er Soldaten, Polizisten, Richter, Staatsanwälte und Führungskräfte, die nicht nach der IS-Ideologie handelten, als „Ungläubige“ betrachtete und deren Tötung für notwendig hielt.
BOMBEN UND MUNITION MIT UNTERSTÜTZUNG DER FAMILIE BESCHAFFT
Die Anklageschrift besagt, dass Bigül vom IS eine professionelle Ausbildung für das Verhalten bei Terroranschlägen erhielt und den Bombenbau erlernte. Er habe mit Hilfe seiner Eltern die Materialien für den Bombenbau beschafft und vor dem Anschlag zwei identische Handgranaten hergestellt. Zudem wurde festgehalten, dass zahlreiche Patronen, die im Volksmund als „Dom-Dom-Geschosse“ bekannt sind, für die vom Vater beschaffte Schrotflinte mit Unterstützung der Eltern gekauft wurden.
SERTAB-ERENER-KONZERT WAR EINES DER ZIELE
In der Anklageschrift wird ausgeführt, dass Eren Bigül gemäß den vom IS erhaltenen Anweisungen ab Juni 2025 plante, einen Anschlag auf das Konzert von Sertab Erener auf der Messe Izmir, auf eine beliebige Bar in Balçova oder auf das Polizeirevier Salih İşgören zu verüben. Es ist zudem in der Akte vermerkt, dass er sich aufgrund der von der Organisation erteilten Anweisungen gegen die anderen Ziele entschied und den Angriff auf das Polizeirevier Salih İşgören ausführte.
Nachrichtenquelle: 12punto
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