Erschütternde Aussagen im Mordfall Can Polat aufgetaucht
Die Aussagen der im Mordfall Can Polat festgenommenen Verdächtigen zeigen, wie kriminelle Organisationen junge Menschen über soziale Medien mit Geldversprechen und Drohungen in ihr Netz ziehen. Die Verdächtigen behaupteten, Serhat Altun habe von einem Angriffsplan auf Engin Polat gesprochen, in Alaçatı Erkundungen durchgeführt, Verbindungen zur Daltonlar-Bande erwähnt und die Tatwaffe über einen Taxifahrer transportiert.
Während die Ermittlungen zum Mord an Can Polat, dem Cousin und Leibwächter von Engin Polat, der am 3. Juni im Bezirk Çeşme in Izmir getötet wurde, andauern, haben neue Aussagen in der Akte für Aufsehen gesorgt. Die Schilderungen der festgenommenen Verdächtigen belegen die Vorwürfe, dass kriminelle Organisationen über soziale Medien Kontakt zu jungen Menschen aufnehmen und diese durch Geldangebote und Drohungen zu Straftaten anstiften.
NEUE AUSSAGEN IN DER ERMITTLUNGSAKTE
Die Aussagen der Verdächtigen, die im Zusammenhang mit dem Mord an Can Polat in Çeşme-Alaçatı festgenommen wurden, sind bekannt geworden.
Nach Informationen des Journalisten İsmail Saymaz befinden sich in der Akte neben den Aussagen von Serhat Altun, der als mutmaßlicher Schütze gilt, auch die Aussagen von Ali Arıkboğa, einem der weiteren Festgenommenen.
„ICH HABE ÜBER STELLENANZEIGEN AUF INSTAGRAM KONTAKT AUFGENOMMEN“
Der 19-jährige Ali Arıkboğa erklärte in seiner Aussage, dass er in einer Zeit wirtschaftlicher Not nach Stellenanzeigen auf Instagram gesucht und dabei Kontakt zu einem Konto namens „Grandboss“ aufgenommen habe.
Arıkboğa behauptete, das Konto werde von einer Person verwaltet, die sich als „Azat“ ausgab und angab, in Spanien zu leben. Arıkboğa sagte, er habe das erste Angebot für eine bewaffnete Verletzung zunächst abgelehnt, sei dann aber mit Drohungen gegen seine Familie konfrontiert worden.
„ICH WURDE FÜR 150 TAUSEND TL BEAUFTRAGT“
In seiner Aussage gab Arıkboğa an, er sei für 150.000 TL beauftragt worden, eine Person namens „Muhtar Necat“ im Bezirk Bismil in Diyarbakır zu erschießen. Nachdem er die ihm zugestellte Waffe entgegengenommen habe, sei er zur angegebenen Adresse gefahren und habe das Feuer eröffnet.
Nach dem Vorfall sei er zum Flughafen gefahren und später nach Istanbul zurückgekehrt, so Arıkboğa.
VOM WOHNKOMPLEX ZUM HOTEL
Laut Arıkboğas Schilderung blieb er nach seiner Rückkehr nach Istanbul zunächst in seinem Haus in Sultangazi, wurde dann aber erneut weitergeleitet.
Er gab an, zunächst etwa zwei Wochen in einer Residenz in Esenyurt gelebt zu haben, bevor er in ein Hotel in Ataşehir verlegt wurde.
Dort habe er etwa einen Monat lang mit Serhat Altun im selben Zimmer gewohnt, wobei die Hotelkosten von einer Person übernommen worden seien, die Altun als „Golfo“ vorgestellt habe, so Arıkboğa.
„WIR WERDEN ENGIN POLAT ERSCHIESSEN“
Laut Arıkboğas Aussage sagte Serhat Altun zu ihm: „Wir werden Engin Polat erschießen; du wirst das Motorrad fahren, und ich werde schießen.“
Arıkboğa erklärte, Altun habe während ihres Aufenthalts die Social-Media-Beiträge von Engin und Dilan Polat genau verfolgt. Da kein Motorrad gefunden werden konnte, sei der Plan geändert worden.
Arıkboğa sagte, er habe nach Altuns Abreise nach Izmir am 1. Juni aus den sozialen Medien vom Mord an Can Polat erfahren und erst später eine Verbindung zu dem Vorfall hergestellt.
BEHAUPTUNG, ER SEI „MITGLIED DER DALTONLAR“
Auch die Aussage des 21-jährigen Eray Can Yılmaz, eines weiteren im Rahmen der Ermittlungen festgenommenen Verdächtigen, ist Teil der Akte.
Yılmaz behauptete, Serhat Altun habe ihm nach seiner Ankunft in Çeşme erzählt, dass er Mitglied der kriminellen Organisation Daltonlar sei.
In seiner Aussage gab Yılmaz an, Altun habe erzählt, er sei der Organisation beigetreten, um Geld zu verdienen, und habe zudem von Angriffsplänen auf bestimmte Unterhaltungslokale gesprochen.
VORWURF DER BEDROHUNG EINES FREUNDES MIT EINER WAFFE
Laut Yılmaz habe Altun in der Unterkunft, in der sie wohnten, seine Waffe gezogen, sie seinem Freund an den Nacken gehalten und gedroht, sowohl ihn als auch seine Familie zu töten, falls er über das Besprochene sprechen sollte.
In der Aussage wurde zudem behauptet, Altun habe auf seinem Telefon Aufnahmen eines früheren bewaffneten Angriffs gezeigt, den er selbst verübt habe.
Yılmaz berichtete auch, dass Altun die Social-Media-Konten von Dilan Polat häufig kontrollierte und mit verschiedenen Personen Nachrichten austauschte.
BEHAUPTUNG DER ERKUNDUNG IM HOTEL
Laut Yılmaz' Aussage habe Altun das Hotel in Alaçatı, in dem Engin und Dilan Polat übernachteten, aufgesucht, um Erkundungen durchzuführen.
Es wird behauptet, Altun habe verlangt, dass ein Foto des Fahrzeugs vor dem Hotel gemacht und ihm geschickt werde, und später von einem bewaffneten Angriffsplan auf das Ehepaar Polat gesprochen habe.
Den Informationen in der Ermittlungsakte zufolge verließ Altun am Tag des Vorfalls die Unterkunft, wobei er seine Waffe und seine Kleidung mitnahm.
AUCH DIE AUSSAGE DES TAXIFAHRERS IN DER AKTE
Die dritte im Dossier genannte Person ist der Taxifahrer İbrahim Halil Calban.
Calban erklärte in seiner Aussage, er sei nach einem Anruf von einer ausländischen Nummer losgefahren, um eine Person abzuholen, die nach Ataşehir gebracht werden sollte, habe dabei jedoch eine Tüte übergeben bekommen.
Calban behauptete, er habe nicht gewusst, was sich in der Tüte befand, habe sie an die angegebene Adresse geliefert und habe ansonsten keinerlei Verbindung zu dem Vorfall.
SAYMAZ: „KRIMINELLE ORGANISATIONEN SIND JETZT EINE EINNAHMEQUELLE“
Der Journalist İsmail Saymaz wies in seinem Artikel darauf hin, dass das Profil der vier im Rahmen der Ermittlungen festgenommenen Verdächtigen bemerkenswert sei.
Saymaz betonte, dass die Mehrheit der Festgenommenen aus jungen Menschen bestehe, die in Armut lebten, ihre Ausbildung abgebrochen hätten und keiner geregelten Arbeit nachgingen. Er wies darauf hin, dass kriminelle Organisationen über soziale Medien leicht Schützen rekrutieren könnten.
Nachrichtenquelle: 12punto
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