Fatih Altaylı wirft nach Urteilsverkündung Akten in die Luft und verlässt den Saal: Journalisten und Politiker reagieren auf Haftstrafe
Gegen den Journalisten Fatih Altaylı, der wegen des Vorwurfs der Bedrohung des Präsidenten inhaftiert ist, wurde eine Haftstrafe von 4 Jahren und 2 Monaten verhängt; zudem wurde die Fortdauer der Untersuchungshaft angeordnet. Die Entscheidung löste bei Politikern und Journalisten scharfe Kritik aus. Berichten zufolge warf Altaylı nach der Urteilsverkündung seine Notizen und Akten in die Luft, bevor er den Gerichtssaal verließ.
Der Journalist Fatih Altaylı, der seit 258 Tagen wegen des Vorwurfs der „Bedrohung des Präsidenten“ im Silivri-Gefängnis inhaftiert ist, erschien heute zum zweiten Mal vor Gericht. Altaylı, der einen Freispruch gefordert hatte, wurde zu 4 Jahren und 2 Monaten Haft verurteilt. Zudem wurde die Fortdauer seiner Inhaftierung angeordnet.
„ER WARF AKTEN UND NOTIZEN IN DIE LUFT UND VERLIESS DEN SAAL“
Nach Angaben des Journalisten İsmail Saymaz warf Fatih Altaylı nach der Urteilsverkündung seine Akten und Notizen in die Luft und verließ den Saal.
Fatih Altaylı, elindeki dosyayı ve notları havaya fırlatarak, salondan ayrıldı.
— İsmail Saymaz (@ismailsaymaz) November 26, 2025
Die gegen Altaylı verhängte Haftstrafe löste in den sozialen Medien eine Welle der Empörung aus.
„IN DIESEM LAND IST ES UNMÖGLICH, VON RECHT UND GERECHTIGKEIT ZU SPRECHEN“
Der Journalist Murat Ağrıel reagierte wie folgt auf das Urteil gegen Fatih Altaylı:
„Was Fatih Altaylı gesagt hat, ist eigentlich sehr klar, offen und eindeutig. Man sagt: ‚Vor Gericht wird die Wahrheit schon ans Licht kommen‘; aber anstatt dass die Wahrheit ans Licht kommt, erlebt man etwas noch Schlimmeres. In diesem Land muss man den Verstand verloren haben, um nicht verrückt zu werden.“
Der Journalist Barış Pehlivan:
„Wäre Fatih Altaylı kein einflussreicher Journalist, sondern das Kind eines AKP-Mitglieds, eines wichtigen Bürokraten oder gar des Vorsitzenden des Roten Halbmonds; würde er mit Gold schmuggeln oder ein Drogenbaron sein, wäre er nicht verhaftet worden und hätte diese Strafe nicht erhalten. Das ist keine Gerechtigkeit, kein Recht, kein Gewissen. Es ist etwas anderes, etwas ganz anderes. Journalisten zahlen diese Preise für euch und zahlen sie weiterhin. Was tut ihr?“
Der Journalist Timur Soykan äußerte sich zum Urteil gegen Fatih Altaylı wie folgt:
„Fatih Altaylı wurde ohne jegliche Straftat, allein aufgrund von Unterstellungen, zu 4 Jahren und 2 Monaten Haft verurteilt. In diesem Land ist es unmöglich, von Recht und Gerechtigkeit zu sprechen. Die Ungerechtigkeit verwandelt sich jeden Tag in Folter.“
„EINE EINSCHÜCHTERUNG GEGENÜBER ALLEN JOURNALISTEN“
Die Entscheidung gegen Altaylı fand auch in der politischen Welt ein Echo.
CHP-Vizevorsitzende Gökçe Gökçen: „Dieses Urteil ist eine neue Stufe, um die Stimme des Volkes zum Schweigen zu bringen und ihm die Luft zum Atmen zu nehmen. Es ist eine Einschüchterung gegenüber allen Journalisten. Fatih Altaylı ist nicht allein.“
Gökhan Günaydın (CHP): „Dieses Urteil ist ein Indikator dafür, wie schnell sich die Türkei vom Rechtsstaat entfernt. Es ist eine Einschüchterung der freien Presse durch den Fall Altaylı.“
Sera Kadıgil (TİP-Sprecherin): „Der Straftatbestand der Bedrohung hat bestimmte materielle Elemente. Dass man aus einer völlig zusammenhanglosen Äußerung von Fatih Altaylı in einer Sendung eine ‚Bedrohung‘ konstruiert und dafür auch noch 4 Jahre und 2 Monate Haft verhängt, ist eine große Leistung(!), würde ich sagen, aber es wäre absurd zu erwarten, dass das Istanbuler Gericht, das sich nicht einmal um die Verfassung schert, die materiellen Elemente einer Straftat prüft. Fatih Altaylı wurde wegen einer einzigen Straftat festgenommen, wegen derselben Straftat inhaftiert und wegen derselben Straftat ‚verurteilt‘. Und diese Straftat ist weder Bedrohung noch Beleidigung, sondern das in keinem Gesetz existierende Verbrechen, ‚kein Palast-Speichellecker zu sein und hohe Einschaltquoten zu haben‘!“
Ali Mahir Başarır (CHP): „Wenn legitime Macht Angst vor Gedanken hat, ist ihre Legitimität fragwürdig geworden! Das heute gegen Fatih Altaylı verhängte Urteil von 4 Jahren und 2 Monaten Haft ist das Ergebnis dieser Angst!“
Azmi Karamahmutoğlu (Sprecher der Zafer-Partei): „Schämt euch. Schande über eure Qualen und eure Ungerechtigkeit.“
REAKTION SEINES ANWALTS
Fatih Altaylıs Anwalt Metin Sinan Aslan widersprach nach der Anhörung den im Plädoyer angeführten Präzedenzfällen.
Aslan erklärte: „Die Staatsanwaltschaft hat die Akten der Piloten, die am 15. Juli in ihre Flugzeuge stiegen und das Präsidialamt angriffen, als Präzedenzfall vorgelegt. Was hat das mit diesem Fall zu tun?“
Nachrichtenquelle: 12punto
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