Der Informant wollte anonym bleiben, aber... Im Anklageschrift zum CHP-Parteitag wurden Zeugen und Informanten enttarnt
In der Anklageschrift zum CHP-Parteitag vom November 2023 wird für 12 Personen eine Haftstrafe von bis zu 3 Jahren sowie ein Politikverbot gefordert, während die Identitäten von Zeugen und Informanten, die anonym bleiben wollten, von der Staatsanwaltschaft offengelegt wurden. In der Anklageschrift ist Kemal Kılıçdaroğlu als „Opfer“ und Lütfi Savaş als „Kläger“ aufgeführt.
Die Generalstaatsanwaltschaft Ankara hat die Anklageschrift zu den Korruptionsermittlungen im Zusammenhang mit dem 38. Ordentlichen Parteitag der Cumhuriyet Halk Partisi (CHP) vom 4. bis 5. November 2023 fertiggestellt.
In der Anklageschrift, die Vorwürfe zum Ablauf des Parteitags enthält, wird für insgesamt 12 Personen wegen des Vorwurfs der „organisierten Bestechung und Unregelmäßigkeiten“ eine Haftstrafe von bis zu 3 Jahren sowie ein Politikverbot gefordert.
KILIÇDAROĞLU GESCHÄDIGTER, SAVAŞ KLÄGER
Wie Can Bursalı von Halk TV berichtet, wird der ehemalige CHP-Vorsitzende Kemal Kılıçdaroğlu in der Anklageschrift als „Geschädigter“ geführt. Der ehemalige Bürgermeister der Stadtverwaltung Hatay, Lütfi Savaş, der Strafanzeige erstattet hatte, tritt als „Kläger“ auf. Zu den Beschuldigten zählen prominente Namen wie Ekrem İmamoğlu, Cemil Tugay und der Bürgermeister von Beşiktaş, Rıza Akpolat.
Ein Zeuge namens Ü.D. gab in seiner Aussage vom 21. April 2025 an, er habe sich an die Staatsanwaltschaft gewandt, nachdem er bei Transaktionen in einer Wechselstube misstrauisch geworden sei. Ü.D. erklärte in seiner Aussage ausdrücklich: „Ich möchte von den Personen, die ich angezeigt habe, nicht erkannt werden; ich bitte darum, dass meine Aussage vertraulich bleibt.“ Die Staatsanwaltschaft nahm diese Aussage jedoch vollständig in die Anklageschrift auf und enthüllte damit die Identität von Ü.D.
HINWEISGEBER BAT UM ANONYMITÄT, IDENTITÄT VERÖFFENTLICHT
Ein weiterer bemerkenswerter Punkt der Anklageschrift ist die Offenlegung der Klarnamen und E-Mail-Adressen von Hinweisgebern. Eine Person namens C.A.K., die sich am 14. März 2025 an die Abteilung zur Bekämpfung von Finanzkriminalität wandte, schickte eine E-Mail mit dem Hinweis: „Ich bin C.A.K., ich bitte darum, dass mein Name geheim bleibt.“ C.A.K. äußerte: „Die CHP hat das nicht verdient. Es gibt unzählige Telefone und Geldbeträge, die an Delegierte verteilt wurden. Verwandte der Wähler wurden eingestellt.“ Die Staatsanwaltschaft nahm diese E-Mail jedoch unter Nennung des Namens des Hinweisgebers in die Anklageschrift auf.
AUCH ANDERER HINWEISGEBER NICHT GESCHÜTZT
In der Anklageschrift findet sich zudem eine weitere E-Mail eines Hinweisgebers, die am 25. März 2025 bei der Abteilung zur Bekämpfung von Finanzkriminalität einging. Eine Person, die ihren Namen nicht nannte, schrieb: „Ich bitte darum, dass mein Name geheim bleibt. Die Vorfälle in der CHP beginnen uns alle zu belasten. Ich möchte, dass Sie diese Akte gründlich prüfen.“ Die Staatsanwaltschaft führte jedoch die E-Mail-Adresse der Person in der Anklageschrift offen auf.
Es stellte sich heraus, dass die beiden genannten Hinweis-E-Mails nach der Strafanzeige von Lütfi Savaş am 25. Februar 2025 eingegangen waren.
Nachrichtenquelle : 12punto
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