'Zwangsverwaltung droht'-Aussage sorgt für Debatte: Könnte die Kılıçdaroğlu-Führung in der CHP wieder an die Macht kommen? Ein juristisches Chaos bahnt sich an
Die Äußerung des ehemaligen CHP-Vorsitzenden Kemal Kılıçdaroğlu vor dem Parteitag, „Wenn ich das Amt nicht annehme, kommt eine Zwangsverwaltung“, schlug wie eine Bombe ein. Der ehemalige Justizminister Hikmet Sami Türk und Rechtsexperten äußerten sich zu den Spekulationen über eine mögliche Zwangsverwaltung der CHP.
Die Aussage des ehemaligen CHP-Vorsitzenden Kemal Kılıçdaroğlu in einem Interview mit der Zeitung SÖZCÜ vor dem am 30. Juni anstehenden Parteitagsverfahren, „Wenn ich das Amt nicht annehme, kommt eine Zwangsverwaltung“, hat die politische Agenda maßgeblich bestimmt. Nach dieser Erklärung sind die Diskussionen über den Parteitagsprozess innerhalb der CHP erneut entflammt.
Nach diesen Worten kam in politischen und juristischen Kreisen die Frage auf: „Kann für politische Parteien eine Zwangsverwaltung angeordnet werden?“, woraufhin Experten diese Möglichkeit bewerteten.
„KEINE ZWANGSVERWALTUNG, NUR EIN EINBERUFUNGSGREMIUM MÖGLICH“
Der ehemalige Justizminister Prof. Dr. Hikmet Sami Türk erklärte, dass die Einsetzung einer Zwangsverwaltung für politische Parteien nach geltendem Recht rechtlich nicht möglich sei. Türk sagte: „Die Justiz kann lediglich ein Einberufungsgremium ernennen. Die Aufgabe dieses Gremiums beschränkt sich darauf, die Partei zu einem ordentlichen oder außerordentlichen Parteitag zu führen. Eine Übernahme der Parteiführung ist nicht vorgesehen.“
Türk erinnerte zudem daran, dass das Gesetz Nr. 2325, das in der Vergangenheit die Einsetzung von Zwangsverwaltern für politische Parteien ermöglichte, nach der Zeit des 12. Septembers aufgehoben wurde, und deutete damit an, dass Kılıçdaroğlus Sorgen keine gesetzliche Grundlage hätten.
Auch der ehemalige Kassationshof-Richter Ömer Faruk Eminağaoğlu wies auf einen wichtigen Punkt in dem Verfahren hin. Eminağaoğlu erklärte: „Kılıçdaroğlu ist in diesem Verfahren kein Kläger. Daher kann die derzeitige Führung selbst bei einer möglichen Entscheidung über absolute Nichtigkeit nicht ohne Gerichtsbeschluss zurückkehren.“
Eminağaoğlu betonte zudem, dass die Entscheidung des Gerichts nicht sofort vollstreckt werde, sondern zunächst die Instanzen der Berufung und Revision durchlaufen müsse, und sagte, dass die Vollstreckung erst wirksam werde, wenn das Urteil rechtskräftig sei.
„JURISTISCHES CHAOS KÖNNTE VOR DER TÜR STEHEN“
Der ehemalige Staatsanwalt Bülent Yücetürk warnte hingegen, dass der Prozess nicht nur ein juristisches, sondern auch ein politisches Chaos auslösen könnte. Yücetürk äußerte: „Wenn das Gericht den Parteitag für ungültig erklärt, kann diese Entscheidung nicht sofort umgesetzt werden. Sollte das Berufungsgericht gegenteilig entscheiden, könnte dies sowohl in der CHP als auch in der Öffentlichkeit zu großen Verwirrungen führen.“
CHP-PROVINZVORSITZENDE TREFFEN SICH IN ANKARA
Vor der Anhörung am 30. Juni hat sich auch der politische Betrieb innerhalb der CHP beschleunigt. Es wurde bekannt, dass die 81 Provinzvorsitzenden der CHP in Ankara zusammenkommen werden, um ihre offene Unterstützung für den Parteitagsprozess und die derzeitige Parteiführung zu bekunden. Nach dem Treffen wird eine gemeinsame Erklärung erwartet.
Nachrichtenquelle : 12punto
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