Reaktion von İlber Ortaylı auf Ekrem İmamoğlu: 'Diese Angelegenheit ist unsere gemeinsame Verantwortung'
Der Historiker Prof. Dr. İlber Ortaylı äußerte sich zur Verhaftung des Bürgermeisters von Istanbul, Ekrem İmamoğlu, wegen Korruptionsvorwürfen: „Dies ist kein Thema einer politischen Partei, der Regierung oder der Opposition; es ist direkt eine nationale Angelegenheit. Es geht um die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen. Und diese Angelegenheit ist unsere gemeinsame Verantwortung.“
Der Bürgermeister von Istanbul, Ekrem İmamoğlu, wurde wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet und in das Gefängnis Silivri gebracht.
Auf die Verhaftung von İmamoğlu folgten zahlreiche Reaktionen aus Politik und Kunstwelt. Einer dieser Namen war Prof. Dr. İlber Ortaylı.
In einem Beitrag auf seinem Instagram-Account erinnerte Ortaylı an politische Persönlichkeiten, die in der Vergangenheit verhaftet wurden und später an die Macht kamen.
Der Beitrag von Ortaylı lautet wie folgt:
„Alle politischen Persönlichkeiten, die vor 45 Jahren während des Putsches verhaftet wurden, kamen später wieder an die Macht.
Demirel, Ecevit, Baykal… Unser Volk hat es nie vergessen, wenn die Wahlurne und die gewählten Vertreter nicht respektiert wurden; es hat bei der ersten Gelegenheit an der Wahlurne geantwortet. Die Jahre vergehen, die Methoden ändern sich nicht. Wir erleben wieder historische Tage.
Das Volk verfolgt die Stimme, die es an der Wahlurne abgegeben hat, und den Verwalter, den es gewählt hat, und sendet eine sehr klare Botschaft: Wer durch Wahlen kommt, sollte durch Wahlen gehen.
Heute ist die Gesellschaft angespannt, die Jugend ist unruhig und besorgt um die Zukunft. Das zunehmende politische Klima der Polarisierung und Unsicherheit lässt in den Köpfen der jungen Menschen die Frage ‚Was wird aus mir?‘ immer dominanter werden.
Das politische Leben des Landes ist von den Kommunen bis zur Zentralverwaltung auf einige wenige Provinzen beschränkt. Regionalismus basiert, auch wenn er gesetzeskonform erscheint, in einem nicht zu billigenden Ausmaß auf lokalen parteipolitischen Tendenzen und einem starken Nepotismus.
Was aber ist mit den jungen Menschen, die in anderen Städten leben, jahrelang studieren, Fremdsprachen lernen und sich weiterbilden? Was wird aus der Mühe, der Hoffnung und dem Recht dieser Kinder?
Die Zukunft der Jugend muss gesichert werden; die Bürokratie und das Justizsystem müssen das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen.
Dafür muss man nicht unbedingt auf große Krisen warten. Notwendige Regelungen und Reformen müssen unverzüglich umgesetzt werden.
Dieses Thema ist kein Anliegen einer politischen Partei, der Regierung oder der Opposition; es ist direkt eine nationale Angelegenheit. Es geht um die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen. Und diese Angelegenheit ist unsere gemeinsame Verantwortung.“

Nachrichtenquelle: 12punto
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