Veto-Drohung gegen die Türkei bei EU-Verteidigungsfonds über 150 Milliarden Euro
Die Europäische Union debattiert über die Teilnahme der Türkei am neuen SAFE-Verteidigungsfonds in Höhe von 150 Milliarden Euro. Während Ankara von diesem riesigen Fonds profitieren möchte, drängt Athen darauf, der Türkei den Zugang zu verwehren, solange der Beschluss zum „Casus Belli“ (Kriegsgrund) nicht aufgehoben wird.
Die Europäische Union (EU) hat ihren neuen Verteidigungsfonds namens SAFE (Fonds für Verteidigung, Sicherheit und industrielle Zusammenarbeit) in Höhe von 150 Milliarden Euro ins Leben gerufen. Der Fonds zielt darauf ab, die gemeinsame Verteidigungskapazität Europas zu erhöhen, die heimische Produktion zu fördern und in NATO-kompatible Technologien zu investieren. Auch die Türkei möchte über diesen Fonds eine aktivere Rolle in der europäischen Verteidigungsindustrie einnehmen. Einer Teilnahme stehen jedoch sowohl technische als auch politische Hindernisse im Weg.
KLARE ANSAGE AUS GRIECHENLAND
Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hat deutlich gemacht, dass die erste Bedingung für eine Teilnahme der Türkei am SAFE-Fonds die Rücknahme der „Casus Belli“-Erklärung, also der Einstufung als Kriegsgrund, sei. Mitsotakis erklärte: „Die Türkei droht seit 30 Jahren damit, eine Ausweitung der griechischen Hoheitsgewässer als Kriegsgrund zu betrachten. Solange diese Drohung besteht, kann sie nicht von den Verteidigungsfonds der Europäischen Union profitieren.“
Der von Mitsotakis angesprochene Beschluss bezieht sich auf eine Entscheidung der Großen Nationalversammlung der Türkei (TBMM) aus dem Jahr 1995, wonach die Türkei eine Ausweitung der griechischen Hoheitsgewässer in der Ägäis über 6 Seemeilen hinaus als Kriegsgrund betrachten würde.
ZUSTIMMUNG ALLER EU-MITGLIEDER FÜR TEILNAHME ERFORDERLICH
Wie Sözcü berichtet, erfordert eine vollständige und privilegierte Teilnahme am SAFE-Fonds den Abschluss eines Sicherheitskooperationsabkommens mit der EU. Diese Abkommen unterliegen der Zustimmung aller Mitgliedstaaten. Daher stellt das Veto Griechenlands das größte Hindernis für den Zugang der Türkei zum Fonds dar. Zudem ermöglicht Artikel 16 der EU-Verordnung den „Ausschluss von Ländern, die Sicherheitsinteressen bedrohen“.
TECHNOLOGISCHES INTERESSE AN DER TÜRKEI, ABER GROSSE POLITISCHE HÜRDE
Ein weiterer Grund, warum die EU der Türkei die Türen nicht vollständig verschließen möchte, ist die Produktionsstärke der türkischen Verteidigungsindustrie. Insbesondere unbemannte Luftfahrzeuge wie die von Baykar entwickelte Bayraktar TB2 werden aufgrund ihrer NATO-Kompatibilität auch von europäischen Ländern genutzt. Länder wie Deutschland, Italien und Spanien unterstützen einen Beitrag der Türkei im Rahmen dieses Fonds. Das politische Veto Griechenlands könnte jedoch den gesamten Prozess blockieren.
Die Türkei möchte durch die Beteiligung an großen europäischen Projekten wie dem SAFE-Fonds sowohl ihre Verteidigungskooperationen vertiefen als auch wirtschaftliche Vorteile erzielen. Dieses Ziel kollidiert jedoch mit den historischen Spannungen in der Ägäis. Griechenland deutet an, dass es grünes Licht für den Fonds geben könnte, wenn die Türkei ihre „harte Haltung“ in Bezug auf Hoheitsgewässer und die Entmilitarisierung der Inseln aufweicht. Ankara ist jedoch nicht bereit, von diesen Positionen abzurücken.
WIRTSCHAFTLICHE „KEHRTWENDEN“ IN DER AUSSENPOLITIK
Während man sich fragt, ob die Türkei ihre roten Linien für den Zugang zum SAFE-Fonds lockern wird, rücken ähnliche Kehrtwenden der Vergangenheit wieder in den Fokus. Hier sind einige bemerkenswerte Wendungen in der Außenpolitik:
Von Sisi zu „mein Freund Sisi“: Die Türkei, die am schärfsten auf den Militärputsch in Ägypten 2013 reagierte, unterhielt jahrelang keine Beziehungen zu Kairo. In den letzten Jahren haben Präsident Erdoğan und Sisi jedoch mit freundschaftlichen Gesten eine neue Ära eingeleitet.
VAE und der 15. Juli: Bei dem FETÖ-Putschversuch 2016 wurden die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) beschuldigt, die Finanziers des Putsches zu sein. Heute unterzeichnen beide Länder Investitionsabkommen in Milliardenhöhe.
Fall Khashoggi geschlossen: Nach der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Konsulat in Istanbul wurde angekündigt, den Mord lückenlos aufzuklären. 2022 wurde der Fall jedoch an Saudi-Arabien übergeben. Prinz Salman wurde in Ankara mit einer offiziellen Zeremonie empfangen.
Flüchtlingspakt mit der EU: Die Türkei erhielt 6 Milliarden Euro als Gegenleistung für die Verpflichtung, Flüchtlinge im Rahmen des 2016 unterzeichneten Rückübernahmeabkommens im Land zu halten. Die versprochene Visafreiheit wurde jedoch nicht umgesetzt.
„Mavi Vatan“ (Blaue Heimat) in den Hintergrund gerückt: Für neue Handelsverhandlungen mit Europa wurde die harte Rhetorik im östlichen Mittelmeer abgemildert. Seismische Untersuchungen wurden gestoppt.
Nachrichtenquelle: 12punto
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