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Vor dem NATO-Gipfel: Özgür Özel schreibt für die Financial Times: 'Erdoğan ist nicht mehr so beliebt wie früher'

Die 33. Beratungs- und Bewertungssitzung der AKP fand dieses Jahr erstmals in Sapanca statt. Während Wirtschaft und Renten die Themen waren, die von Abgeordneten und MKYK-Mitgliedern am häufigsten angesprochen wurden, sah sich Finanzminister Mehmet Şimşek mit zahlreichen Fragen konfrontiert. Verkehrsminister Abdülkadir Uraloğlu stand hingegen im Fokus der Forderungen zu Infrastrukturinvestitionen.

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Vor dem NATO-Gipfel: Özgür Özel schreibt für die Financial Times: 'Erdoğan ist nicht mehr so beliebt wie früher'

Vor dem NATO-Gipfel, der am 7. und 8. Juli in Ankara stattfinden wird, hat der Vorsitzende der Republikanischen Volkspartei (CHP), Özgür Özel, in einem Gastbeitrag für die britische Zeitung Financial Times seine Einschätzungen zur Innenpolitik, Wirtschaft und Außenpolitik der Türkei dargelegt.

Die Zeitung stellte Özgür Özel in der Autorenvorstellung als „Vorsitzenden der Republikanischen Volkspartei (CHP), der wichtigsten Oppositionspartei der Türkei“, vor.

Behauptung: „Erdoğan wird den Gipfel als Machtdemonstration nutzen“

In dem Artikel behauptet Özel, dass Präsident Recep Tayyip Erdoğan den NATO-Gipfel als internationale Machtdemonstration nutzen werde, und argumentiert, dass dieses Bild die verschiedenen Probleme in der Türkei verschleiere.

Özel warf der Regierung vor, die Realitäten des Landes vor der internationalen Öffentlichkeit zu verbergen, und erklärte, dass neben friedlichen Demonstranten auch Anwälte, Journalisten und Akademiker inhaftiert würden.

Dies stelle nicht nur für die Türkei, sondern auch für die NATO-Verbündeten, insbesondere in Europa, ein Risiko dar.

„Strategische Macht überdeckt eine dunklere Realität“

Özel betonte, dass die strategische Bedeutung der Türkei aufgrund ihrer Lage am Schwarzen Meer, ihrer Nachbarschaft zu Syrien, dem Irak und dem Iran, ihrer kritischen Rolle für die europäische Sicherheit und ihrer Stellung als eine der größten Armeen der NATO unbestreitbar sei. Dennoch gebe es ein anderes Bild hinsichtlich der inneren Dynamiken des Landes.

Unter Hinweis auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten erklärte Özel, dass die Debatten über offizielle Inflationsdaten anhielten. Er behauptete, die Inflation liege bei über 30 Prozent, das Verbrauchervertrauen sei schwach und Millionen Menschen fühlten sich im Vergleich zu den Vorjahren ärmer, unsicherer und hoffnungsloser.

Özel wies zudem darauf hin, dass die Türkei die höchste Gefängnispopulation Europas habe, was ein Indikator für die Staatsführung sei.

„Erdoğan ist nicht mehr so beliebt wie früher“

In dem Artikel ging der CHP-Vorsitzende auch auf die Kommunalwahlen 2024 ein und erklärte, dass die AK-Partei bei den Wahlen erhebliche Stimmenverluste erlitten habe, während die CHP zur stärksten politischen Kraft in der Kommunalverwaltung aufgestiegen sei.

Dieses Ergebnis sei durch einen Politikansatz erzielt worden, der die Probleme von Rentnern, Hochschulabsolventen, einkommensschwachen Familien und Bürgern mit wirtschaftlichen Sorgen in den Mittelpunkt stelle, so Özel. Man habe sowohl die CHP-Wähler als auch diejenigen erreicht, die zuvor für die AK-Partei gestimmt hatten.

Özel behauptete, Präsident Erdoğan nutze stattdessen die Möglichkeiten des Staates und der Justiz anstelle von demokratischem Wettbewerb.

Betonung von İmamoğlu und dem CHP-Parteitag

Özgür Özel ging auch auf die laufenden Verfahren gegen den Bürgermeister von Istanbul und CHP-Präsidentschaftskandidaten Ekrem İmamoğlu ein.

Unter Verweis auf die Ermittlungen gegen die Stadtverwaltung von Istanbul (İBB) und Spionagevorwürfe erklärte Özel, dass auch der CHP-Parteitag durch eine Gerichtsentscheidung annulliert worden sei. Er behauptete, er selbst sei seines Amtes als Vorsitzender enthoben worden und der ehemalige Vorsitzende, der zuvor gegen Präsident Erdoğan angetreten war, sei wieder eingesetzt worden.

„Er versucht, eine ihm loyale Opposition zu schaffen“

Özel argumentierte, dass Präsident Erdoğan darauf abziele, eine ihm loyale Opposition zu schaffen, und behauptete, dies sei ein Oppositionsmodell, das zwar an Wahlen teilnehme, die Regierung aber nicht bedrohe.

Der CHP-Chef zog hierbei Vergleiche zu Russland und Belarus und erklärte, dass eine Türkei ohne demokratischen Wettbewerb und Rechtsstaatlichkeit kein vorhersehbarer und zuverlässiger Partner sein könne.

Özel behauptete zudem, dass die Außenpolitik zu einem Instrument zur Sicherung des Machterhalts der Regierung in der Innenpolitik werden könne, und argumentierte, dass die nationalen Interessen der Türkei nicht hinter die politische Zukunft einer einzelnen Person gestellt werden dürften.

„Risiko sozialer und politischer Unruhen könnte steigen“

Özel erklärte, dass der Verlust des Glaubens der Bürger an einen Wandel durch Wahlen zu Hoffnungslosigkeit und Wut führen werde. Sollte dies mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Armut einhergehen, werde das Risiko sozialer und politischer Unruhen steigen.

Ein solcher Prozess, so Özel, werde sich nicht nur auf die Türkei beschränken, sondern auch Auswirkungen auf die europäische Sicherheit, kritische Energieleitungen, den Nahen Osten und die Südflanke der NATO haben.

„Das türkische Volk wird über die Zukunft der Türkei entscheiden“

Im letzten Teil seines Artikels betonte Özel, dass die Verbündeten der Türkei nicht die Aufgabe hätten, die politische Zukunft des Landes zu bestimmen, und erklärte, dass Demokraten in der Türkei keine ausländische Einmischung forderten.

Versuche, Gesellschaften durch äußere Eingriffe umzugestalten, hätten in der Vergangenheit zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt, so Özel, der betonte, dass ein Wandel in der Türkei nur durch den Willen des Volkes geschehen könne.

Özel erklärte, dass die Bürger trotz des Drucks zur Wahl gingen, an Demonstrationen teilnähmen und ihren Wunsch nach Wandel auf demokratischem Wege zum Ausdruck brächten, und schloss seinen Artikel mit einer Einschätzung zum NATO-Gipfel.

Özel behauptete, Präsident Erdoğan werde sich auf dem Gipfel als unverzichtbarer Anführer präsentieren, argumentierte jedoch, dass die strategische Bedeutung keines Landes durch die Schwächung seiner Demokratie zunehme.


Nachrichtenquelle: 12punto