Minister sprach von 'Vereinfachung': Sogar Geografie und Chemie sollen mit 'religiösen Bezügen' unterrichtet werden!
Bildungsminister Yusuf Tekin hatte auf die Dichte und Schwierigkeit des Lehrplans hingewiesen und eine 'Vereinfachung der Unterrichtsinhalte' in Aussicht gestellt. Es wird behauptet, dass im neuen Lehrplan Fächer wie Geografie, Chemie und Biologie mit 'religiösen Bezügen' vermittelt werden sollen.
Nachdem Bildungsminister Yusuf Tekin im Dezember eine Vereinfachung des Lehrplans angekündigt hatte, ist der Inhalt des neuen Curriculums zum Gegenstand öffentlicher Debatten geworden.
Laut einem Bericht von Mustafa Bildircin von BirGün wird behauptet, dass im neuen Lehrplan in allen Fächern – von Geografie über Chemie und Geschichte bis hin zu Biologie – auf den Islam Bezug genommen werden soll und nahezu jedes Thema mit „religiösen Referenzen“ erklärt werden soll.
'TÜRKISCHE GELEHRTE' WERDEN ZU 'ISLAMISCHEN GELEHRTEN'
Die Details scheinen die Vorwürfe zu bestätigen, dass „die Bemühungen der Regierung zur religiösen Ausrichtung des Bildungswesens an Fahrt gewinnen“. Einzelheiten zu den Lehrplanänderungen, die auf Anweisung des Palastes im Bildungsbereich vorbereitet wurden, sind bekannt geworden. Es wird behauptet, dass zahlreiche Mitarbeiter des Ausschusses für Erziehung und Unterricht (Talim ve Terbiye Kurulu) des Bildungsministeriums (MEB) vor Beginn der Lehrplanarbeiten entlassen und durch neue Personen ersetzt wurden. Den Behauptungen zufolge soll in allen Fächern auf den Islam verwiesen und jedes Thema den Schülern mit religiösem Bezug vermittelt werden. Das Thema „Türkische Gelehrte“ soll in „Islamische Gelehrte“ umbenannt werden. In Biologiekursen, in denen Anatomie behandelt wird, sollen auch die islamische Perspektive und die Ansichten islamischer Gelehrter einbezogen werden. Auch im Geografieunterricht sollen die Entstehung der Erde und die Oberflächenformen den Schülern mit islamischen Referenzen gelehrt werden. In Chemie- und Geschichtskursen sollen ebenfalls die Ansichten islamischer Gelehrter Platz finden. Mit dem neuen Lehrplan soll das Gewicht der Lehrkräfte reduziert und die Schüler zur „Recherche“ angeleitet werden. Kritik von Lehrkräften, dass „die Möglichkeiten und Bedingungen der Schulen für diese Änderungen nicht geeignet seien“, werde dabei nicht berücksichtigt.
UNGLEICHHEIT WIRD SICH VERSCHÄRFEN
Im Rahmen der von Bildungsminister Yusuf Tekin angekündigten „Vereinfachung der Unterrichtsinhalte“ sollen die Schüler stärker in den Mittelpunkt rücken als die Lehrkräfte. Nach den Änderungen soll der Anteil der Schüler am Unterrichtsgeschehen bei 80 Prozent liegen, während der Einfluss der Lehrer auf 20 Prozent sinkt. Informationen zufolge soll ein System, das in den meisten europäischen Ländern angewendet wird und bei dem Schüler Präsentationen und Berichte erstellen, auch in der Türkei etabliert werden. Lehrkräfte warnen jedoch davor, dass dieses System in der Türkei, wo Probleme mit überfüllten Klassen und fehlenden Lehrmitteln bestehen, die bestehenden Ungleichheiten weiter verschärfen werde.
Nachrichtenquelle: 12punto
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