Bahçelis Äußerungen zum 'Status von Öcalan' sorgen für Unruhe hinter den Kulissen: Entsteht ein neuer Meinungsunterschied in der Cumhur-Allianz?
Die Äußerungen des MHP-Vorsitzenden Bahçeli zum Status von Öcalan haben im Regierungslager für Unbehagen gesorgt, während in den MHP-Kreisen die Forderungen nach gesetzlichen Regelungen zunehmen.
Die Erklärungen des MHP-Vorsitzenden Devlet Bahçeli, wonach es ein „Statusproblem“ beim Anführer der Terrororganisation PKK, Abdullah Öcalan, gebe, haben in den politischen Kulissen von Ankara für erhebliche Diskussionen gesorgt.
Nach Bahçelis Worten lösten die Debatten über den rechtlichen Status von Öcalan in der Regierungspartei AKP Unbehagen aus, während auf Seiten der MHP betont wurde, dass in diesem Prozess ein neuer Schritt unternommen werden müsse.
MHP-Chef Bahçeli behauptete in seiner Rede vor der Fraktionssitzung seiner Partei im türkischen Parlament, dass es ein Statusproblem bei dem PKK-Terrorführer Abdullah Öcalan gebe. Mit dieser Aussage hat Bahçeli die Debatte auf eine neue Ebene gehoben.
Bahçelis Worte lauteten: „Wie soll das Statusproblem der Gründungsführung der PKK behandelt werden? Wenn es ein solches Problem gibt, und unserer Meinung nach gibt es das, wie soll die Lösung aussehen? Wie soll die Statuslücke von Imralı, die einem terrorfreien Türkiye dient, geschlossen werden?“ Diese Erklärungen fanden in der Cumhuriyet und anderen Medien ein breites Echo.
MHP-KULISSEN: „ÖCALANS STATUS MUSS DEFINIERT WERDEN“
Dem Bericht von Merve Kılıç aus der Cumhuriyet zufolge geben der MHP nahestehende Quellen an, dass sie Bahçelis Worte nicht als symbolischen Vorstoß betrachten. Vielmehr drückten sie aus, dass Bahçelis Vorstoß darauf abziele, politischen Druck für einen gesetzlichen Regelungsprozess aufzubauen, der auch Öcalan einbeziehe.
In den MHP-Kulissen wird die Ansicht geäußert: „Wenn im Parlament ein Rahmen für ein ‚terrorfreies Türkiye‘ gezeichnet werden soll, wenn die Aufrufe der PKK zur Waffenabgabe auf eine rechtliche Grundlage gestellt werden sollen und der Prozess institutionalisiert werden soll, dann muss in diesem Rahmen auch der Status von Öcalan klar definiert werden.“ Zudem argumentieren einige MHP-Mitglieder, dass Bahçelis Vorstoß ein bewusster und strategischer Schritt sei und die Rolle in Imralı geklärt werden müsse.
AUCH DIE DEM-PARTEI BETONT DEN „STATUS“
Kurz nach Bahçelis Rede machte auch die Ko-Vorsitzende der DEM-Partei, Tülay Hatimoğulları, in der Fraktionssitzung ihrer Partei eine ähnliche Erklärung.
Hatimoğulları erklärte, dass für einen dauerhaften Frieden der Status von Abdullah Öcalan durch eine gesetzliche Regelung anerkannt und rechtlich abgesichert werden müsse. Die Betonung des „Status“ durch zwei verschiedene politische Akteure am selben Tag warf in den Kulissen die Frage auf: „Wird ein neuer Verhandlungsboden vorbereitet?“ Die Sprecherin der DEM-Partei, Ayşegül Doğan, kündigte an, dass sie am 27. Februar eine neue Nachricht von Öcalan zum Prozess erwarten und dass rechtliche sowie administrative Hindernisse beseitigt werden müssten.
Allerdings wurden diese Erklärungen von Bahçeli im AKP-Lager nicht wohlwollend aufgenommen. In den AKP-Kulissen wird die Ansicht vertreten, dass Bahçeli den Prozess erschwere, indem er Abdullah Öcalan explizit beim Namen nenne.
Der AKP nahestehende Quellen verweisen auf die Sensibilität der Öffentlichkeit und kommentieren: „Es ist nicht richtig, einen Namen in das Zentrum des Prozesses zu stellen. Dass das Thema Öcalan in den Vordergrund rückt, verengt den gesellschaftlichen Boden. Solche Äußerungen können den Prozess beschädigen.“ Zudem wird darauf hingewiesen, dass es bisher keine Erklärung der AKP-Führung über die Vorbereitung einer konkreten gesetzlichen Regelung unter dem Titel „Status“ gebe.
EIN NEUER DISSENS IN DER CUMHUR-ALLIANZ?
Bahçelis Vorstoß hat das Potenzial, einen neuen Dissens in der Cumhur-Allianz zu erzeugen.
Während in den Kulissen kommentiert wird, dass „die MHP die AKP zu einem gesetzlichen Schritt zwingt“, steht im AKP-Lager die Sorge im Vordergrund, dass „die Nennung des Namens Öcalan politische Kosten verursacht“. Dass die MHP von der Regierung einen konkreten Schritt in dieser Angelegenheit fordert, könnte die Spannungen innerhalb der Allianz weiter vertiefen.
Nachrichtenquelle : 12punto
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