Schreckliches Detail im Neugeborenen-Skandal! Ist auch ein Arzt mit suspendierter Approbation verwickelt?
In der Anklageschrift gegen 47 Verdächtige im „Neugeborenen-Banden“-Skandal in Istanbul wird der Fall eines Patienten aufgeführt, der nach einer Magenverkleinerungsoperation durch einen Arzt mit suspendierter Approbation im inzwischen geschlossenen privaten Bağcılar-Şafak-Krankenhaus verstarb.
In den abgehörten Telefonaten zu den 47 Verdächtigen – darunter 22 Inhaftierte –, gegen die Anklage erhoben wurde, weil sie in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der 112-Notrufzentrale Neugeborene in zuvor vereinbarte Privatkliniken verlegt und dort deren Tod verursacht sowie unrechtmäßige Gewinne erzielt haben sollen, kam der Tod eines Patienten nach einer Adipositas-Operation durch einen Arzt mit suspendierter Approbation ans Licht.
In der 1399-seitigen Anklageschrift der Generalstaatsanwaltschaft Bakırköy werden 197 strafbare Handlungen aufgelistet, wobei auch die Telefonate zwischen den Verdächtigen zu diesen Vorfällen dokumentiert sind.
Den Aufzeichnungen zufolge wurde neben den Gesprächen über die Todesfälle von Säuglingen deutlich, dass der Patient S.A., der am 18. Dezember 2023 im im Zuge der Ermittlungen die Lizenz entzogenen Bağcılar Özel Şafak Krankenhaus von dem Magenverkleinerungen durchführenden Dr. E.V. operiert wurde, verstarb.
In einigen Gesprächen des Verdächtigen Murat Mantuş finden sich folgende Äußerungen zu dem Vorfall:
"E.O: Bruder, gestern ist jemand nach einer Magen-OP gestorben, gestern Nachmittag. Die OP war vor zwei Tagen. Dr. E.V. hat sie gemacht.
Verdächtiger Murat Mantuş: Äh, und weiter?
E.O: Bruder, er hat vor zwei Tagen operiert, am Morgen haben sie den Patienten aus dem Krankenhaus entlassen. Nachdem der Patient nach Hause gegangen war, hat er Dr. E.V. angerufen, weil er Übelkeit und Erbrechen hatte. E.V. hat am Telefon nicht viel gemacht, meinte, das seien normale Dinge und so weiter. Danach haben sie wieder angerufen und gesagt, dass es ihm sehr schlecht geht, wir bringen ihn ins Krankenhaus, komm ins Krankenhaus usw. Als sie ihn brachten, war er schon nicht mehr bei Bewusstsein. Sie haben mit der Intervention begonnen, er hat Bescheid gegeben, dass sie jetzt intervenieren, eine Stunde später haben sie dann die Nachricht vom Tod überbracht."
Verdächtiger Murat Mantuş: E.V. operiert auf den Namen eines anderen, das Krankenhaus lässt das zu.
E.O: Genau da liegt das große Problem. Die Approbation von Dr. E.V. ist wohl suspendiert, Bruder.
Verdächtiger Murat Mantuş: Ja, sie ist suspendiert, er darf nicht operieren.
E.O: Deshalb sieht es so aus, als würde das noch eine Menge Ärger geben."
GELDANGEBOT AN EINEN ANDEREN ARZT
In der Anklageschrift wird beschrieben, wie M.K., der als stellvertretender Betriebsleiter im Bağcılar Özel Şafak Krankenhaus arbeitete, dem Allgemeinchirurgen A.F.Y. im selben Krankenhaus mitteilte, dass der Arzt E.V. einen Patienten in die Klinik bringen werde. M.K. habe A.F.Y. tausend Lira pro Fall angeboten, wenn er an der Operation teilnehme, was A.F.Y. jedoch ablehnte.
In der Anklageschrift wird festgehalten, dass M.K. mit den Worten "Komm schon, wir machen den Fall, das ist kein Problem, du machst das doch, er benutzt sowieso deinen Stempel" darauf hinwies, dass E.V. bei den von ihm durchgeführten Operationen unrechtmäßig den Stempel eines anderen Arztes verwendete. Ziel von E.V. sei es gewesen, sich bei eventuellen späteren Komplikationen aus der Verantwortung zu ziehen, indem er behaupten konnte, er selbst habe gar nicht operiert, sondern spezialisierte Allgemeinchirurgen hätten den Eingriff vorgenommen.
In den Gesprächen wird deutlich, dass E.V., dessen Approbation suspendiert war, Adipositas-Operationen unter dem Namen eines anderen Arztes durchführte. In Gesprächen zwischen dem stellvertretenden Betriebsleiter M.K., dem ärztlichen Direktor S.Y. und O.G. wurde vereinbart, dass der Arzt, den sie als "Dr. R." bezeichneten, so tun sollte, als hätte er die Operation von S.A. selbst durchgeführt, während E.V. lediglich als Beobachter anwesend gewesen sei.
In der Anklageschrift wird weiter ausgeführt, dass die Unterlagen zum verdächtigen Todesfall des Patienten S.A. nach der Operation an die Polizeistation Yüzyıl weitergeleitet wurden. Man habe die Kameraaufzeichnungen des Krankenhauses vom Tag des Todes angefordert, woraufhin M.K. jedoch mit "es gibt keine Kameraaufzeichnungen" geantwortet habe.
WEGGESCHAUT, WEIL ER AN DAS KRANKENHAUS ZAHLTE
In der Anklageschrift, in der davon ausgegangen wird, dass versucht wurde, die Kameraaufzeichnungen vor den Ermittlungen zu verbergen, wird betont, dass E.V., der nicht einmal die Befugnis hatte, ein Skalpell zu führen, bewusst und gewollt toleriert wurde, weil er für die Operationen an das Krankenhaus zahlte. Es sei völlig ignoriert worden, dass das Leben der Patienten, die für Adipositas-Operationen kamen, in Gefahr gebracht wurde.
In den Unterlagen zu den von Dr. E.V. durchgeführten Adipositas-Operationen sei als verantwortlicher Arzt ein Mediziner namens "Şaban" eingetragen, während E.V. so dargestellt wurde, als hätte er nicht an den Operationen teilgenommen. In der Anklageschrift heißt es: "Als Ergebnis der HTS-Analysen (Mobilfunkdaten) wurde festgestellt, dass die Person namens E.V. zum Zeitpunkt der Magenoperation des verstorbenen S.A. sowie an den Tagen davor und danach in der Nähe des Bağcılar Şafak Krankenhauses eingeloggt war, obwohl er kein Mitarbeiter des besagten Krankenhauses war."
Die von der Staatsanwaltschaft erstellte Anklageschrift enthält auch die Aussage von E.V.
E.V., der angab, seit 26 Jahren im Beruf zu sein, behauptete, dass ihm 2019 aufgrund einer Adipositas-Operation aus dem Jahr 2015 vom Gesundheitsministerium ein vorübergehendes Berufsverbot erteilt worden sei. Nach einiger Zeit sei dieses Verbot aufgrund der Pandemie vom Gesundheitsministerium wieder aufgehoben worden. Im September 2023 sei ihm jedoch aufgrund des Falles von 2015 erneut ein Berufsverbot zugestellt worden.
E.V. behauptete, in dieser Zeit nicht mehr aktiv gearbeitet zu haben. Da er über 26 Jahre Erfahrung verfüge, habe er Patienten, die ihn aufgrund seiner Expertise im Bereich Adipositas kontaktierten, an den Chirurgen Dr. Ş.C. verwiesen, dem er vertraue, und er habe sich persönlich um die Patienten gekümmert.
Er erklärte, dass er aufgrund des fortbestehenden Berufsverbots nicht aktiv an Operationen teilgenommen habe, sondern nur als Beobachter anwesend gewesen sei: "Nachdem mein Berufsverbot im September endete, habe ich mich weiterhin aktiv um die Anliegen der Patienten gekümmert und sie an die chirurgischen Fachbereiche verwiesen, denen ich vertraue, um meine Patientenpopulation nicht zu verlieren, da ich nach 26 Jahren wieder in meinen Beruf als Allgemeinchirurg zurückkehren wollte. Ich habe die Magenverkleinerungsoperation von S.A. nicht durchgeführt. Die Ermittlungen aufgrund der diesbezüglichen Beschwerden dauern an."
Nachrichtenquelle : 12punto
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