Verdeckte Amnestie für 55.000 Personen... Details der neuen Strafvollzugsregelung bekannt: Auch diese Straftaten sind abgedeckt
Mit der vom Justizministerium ausgearbeiteten neuen Strafvollzugsregelung werden etwa 55.000 Häftlinge, die wegen Straftaten verurteilt wurden, die bis zum 31. Juli 2023 begangen wurden, aus der Haft entlassen. Auch Mord, sexueller Missbrauch, Betrug und Drogendelikte fallen unter diese Regelung. Hier sind die Details...
Der Entwurf der neuen Strafvollzugsregelung, die Teil des neuen Justizpakets ist, an dem das Justizministerium arbeitet und dem es den letzten Schliff gegeben hat, ist an die Öffentlichkeit gelangt. Die Regelung, die der Großen Nationalversammlung der Türkei (TBMM) vorgelegt werden soll, bringt eine „verdeckte Amnestie“ für etwa 55.000 Häftlinge mit sich. Obwohl die Regelung in der Öffentlichkeit als „Teilamnestie“ bezeichnet wird, sorgt sie für Diskussionen, da sie auch schwere Straftaten umfasst.
AUCH MORD UND SEXUALDELIKTE EINGESCHLOSSEN
Dem bekannt gewordenen Entwurf zufolge werden von der Strafvollzugsregelung, die zu Entlassungen führen wird, nicht nur einfache Delikte, sondern auch schwere Straftaten profitieren, die das öffentliche Gewissen zutiefst erschüttert haben. Zu diesen Straftaten gehören vorsätzliche Tötung (Mord), vorsätzliche Körperverletzung, sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch von Kindern, Betrug, Diebstahl, Raub, Bestechung und Drogenhandel.
WER 12 JAHRE HAFT ERHÄLT, KOMMT NACH 9 MONATEN FREI
Die neue Regelung verkürzt die im Gefängnis zu verbüßende Zeit erheblich. So könnte ein Häftling, der zu 12 Jahren Haft verurteilt wurde, nach Anrechnung guter Führung und der neuen Strafvollzugsberechnung bereits nach nur 9 Monaten Haft entlassen werden. Mit dieser Regelung wird der Weg für die Freilassung von Häftlingen geebnet, die ein Achtel ihrer Strafe verbüßt haben.
GILT FÜR STRAFTATEN VOR DEM 31. JULI 2023
Ein weiteres wichtiges Detail des Justizpakets, das eine Strafminderung vorsieht, ist der Zeitraum, den es abdeckt. Dem Entwurf zufolge gilt die neue Regelung für Straftaten, die am oder vor dem 31. Juli 2023 begangen wurden. Straftaten, die nach diesem Datum begangen wurden, können vorerst nicht von dieser Amnestie profitieren.
RECHT AUF VORZEITIGEN WECHSEL IN DEN OFFENEN VOLLZUG
Die Regelung bringt nicht nur eine vorzeitige Entlassung, sondern auch eine Lockerung des Gefängnisregimes mit sich. Demnach können Häftlinge ihr Recht auf den Wechsel vom geschlossenen in den offenen Vollzug 3 Jahre früher in Anspruch nehmen. Diese Änderung zielt darauf ab, die Anzahl der Häftlinge in geschlossenen Anstalten zu verringern.
Ein weiterer Punkt im Justizpaket betrifft kranke und behinderte Häftlinge. In der aktuellen Praxis konnten kranke oder behinderte Menschen mit einer Haftstrafe von bis zu 5 Jahren ihre Strafe zu Hause verbüßen. Mit der neuen Regelung wird diese Grenze auf 10 Jahre angehoben. Dadurch wird für mehr kranke und behinderte Häftlinge die Möglichkeit des Hausarrests geschaffen.
STRAFE FÜR DIE GRÜNDUNG EINER KRIMINELLEN VEREINIGUNG WIRD ERHÖHT
Das Paket enthält nicht nur Strafminderungen, sondern auch Strafverschärfungen für bestimmte Delikte. Um insbesondere die Abschreckung gegenüber kriminellen Vereinigungen zu erhöhen, wird die Strafe für die Tat „Gründung und Leitung einer Organisation zum Zwecke der Begehung von Straftaten“ angehoben. Die Obergrenze für diese Straftat wird von 8 auf 10 Jahre erhöht.
Dass die neue Strafvollzugsregelung insbesondere schwere Straftaten wie Sexualdelikte, Kindesmissbrauch und Mord umfasst, hat in der Öffentlichkeit zu Diskussionen geführt.
Nachrichtenquelle : 12punto
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