Die Pestizidgefahr vom Acker bis auf den Teller: Wie wirken sich Pestizide auf die Gesundheit von Kindern aus?
Während die Sorgen um Lebensmittelsicherheit und Kindergesundheit wachsen, rücken die unsichtbaren, aber schwerwiegenden Auswirkungen der in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide zunehmend in den Fokus.
Pestizide sind chemische Substanzen, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, um Schädlinge, Unkräuter und Pilze zu bekämpfen. Aufgrund ihres sich noch entwickelnden Immunsystems und Nervensystems sind Kinder weitaus anfälliger für Pestizide; diese Stoffe können bei Kindern zu Lernschwierigkeiten, Aufmerksamkeitsdefiziten und hormonellen Störungen führen.
Prof. Dr. Barış Malbora, Facharzt für Kinderhämatologie und Onkologie am Yeni Yüzyıl Üniversitesi Gaziosmanpaşa Krankenhaus, äußerte sich besorgt und erklärte, dass die Pestizidbelastung bei Kindern das Immunsystem negativ beeinflussen und mit bestimmten Krebsarten in Verbindung gebracht werden könne.

WIE KOMMEN KLEINKINDER MIT PESTIZIDEN IN KONTAKT?
Kleinkinder können auf verschiedene Weise mit Pestiziden (Agrargiften) in Kontakt kommen. Eine der häufigsten Expositionsquellen sind Pestizidrückstände in Obst, Gemüse und Getreide; insbesondere durch den Verzehr von nicht gründlich gewaschenen oder ungeschälten Produkten können Pestizide in den Körper von Kindern gelangen. Zudem können Pestizide aus dem Körper stillender Mütter über die Muttermilch auf Säuglinge übertragen werden. Pestizide können auch aus landwirtschaftlichen Flächen in das Trinkwasser gelangen; dies stellt insbesondere für Brunnen- und Quellwasser in ländlichen Regionen ein Risiko dar.
Eine Exposition über die Atemwege kann auftreten, wenn Kinder in Gebieten, in denen Pestizidsprays ausgebracht wurden, die Chemikalien in der Luft einatmen oder wenn getrocknete Pestizidrückstände durch den Wind verbreitet und eingeatmet werden. Auch der Hautkontakt ist ein bedeutender Übertragungsweg; Kinder, die mit pestizidbelastetem Spielzeug, Teppichen, Oberflächen oder Haustieren und Pflanzen in Berührung kommen, können direkt mit diesen Chemikalien in Kontakt geraten.
Insektizide und Pflanzensprays, die im Haus- und Gartenbereich verwendet werden, können die Belastung erhöhen, wenn sie für Kinder leicht zugänglich sind. Schließlich können Pestizide, die Eltern, die in der Landwirtschaft arbeiten, an ihrer Kleidung oder ihren Schuhen nach Hause tragen, indirekt auf Kinder übertragen werden. All diese Wege erhöhen die Empfindlichkeit von Kleinkindern gegenüber Pestiziden und bergen gesundheitliche Risiken.
WARUM SIND KINDER GEGENÜBER PESTIZIDEN ANFÄLLIGER?
Es gibt mehrere wichtige Gründe, warum Kinder anfälliger für Pestizide sind. Erstens ist das Körpergewicht von Kindern im Vergleich zu Erwachsenen viel geringer, sodass die gleiche Menge an Pestizidexposition eine höhere Dosiswirkung in ihrem Körper entfaltet. Zudem befinden sich die Organsysteme von Kindern, insbesondere das Nervensystem, der Hormonhaushalt und das Immunsystem, noch in der Entwicklungsphase und sind daher anfälliger für die negativen Auswirkungen von Pestiziden; diese Effekte können zu dauerhaften gesundheitlichen Problemen führen.
Darüber hinaus erhöhen verhaltensbedingte Faktoren die Exposition; zum Beispiel das häufige In-den-Mund-Nehmen der Hände und das Spielen auf dem Boden erhöhen das Risiko, dass Pestizide in den Körper gelangen. All diese Faktoren sind die Hauptgründe für die höhere Empfindlichkeit von Kindern gegenüber Pestiziden.
KÖNNEN PESTIZIDE VON DER MUTTER AUF DAS KIND WÄHREND DER SCHWANGERSCHAFT UND STILLZEIT ÜBERTRAGEN WERDEN?
Pestizide können sowohl während der Schwangerschaft (im Mutterleib) als auch während der Stillzeit von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Insbesondere fettlösliche und langlebige Pestizide können die Plazenta passieren, den Fötus erreichen und über die Muttermilch auf den Säugling übergehen.
Während der Schwangerschaft gelangen einige Pestizide (z. B. Organochlorverbindungen und bestimmte Organophosphate) in den Blutkreislauf des Fötus; dies wurde mit niedrigem Geburtsgewicht, neurologischen Entwicklungsproblemen und hormonellen Störungen in Verbindung gebracht. In der Stillzeit gehen Organochlorverbindungen in die Muttermilch über und können auf den Säugling übertragen werden.

Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF betonen, dass die Vorteile des Stillens in der Regel die Risiken durch Pestizide überwiegen, ist insbesondere bei Müttern, die in der Landwirtschaft arbeiten, Vorsicht geboten.
Während Organochlorverbindungen sowohl die Plazenta als auch die Muttermilch passieren, zeigen Organophosphate eher einen Übergang über die Plazenta. Pyrethroide haben einen begrenzten Übergang, während der Übergang von Herbiziden umstritten ist.
WELCHE KRANKHEITEN UND GESUNDHEITSPROBLEME VERURSACHT PESTIZIDEXPOSITION?
Pestizidexposition kann kurz- und langfristig zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Besonders gefährdet sind sensible Gruppen wie Kinder, Schwangere, ältere Menschen und Landarbeiter. Bei einer hohen Pestiziddosis können akute Vergiftungssymptome wie Atemnot, Übelkeit, Muskelzuckungen, Bewusstlosigkeit und Hautreizungen auftreten.
Eine übermäßige Exposition kann zu tödlichen Folgen wie Atemversagen führen. Beispielsweise verursachen akute Pestizidvergiftungen bei Landarbeitern weltweit jedes Jahr Tausende von Todesfällen (Daten der WHO).
Eine niedrige, aber kontinuierliche Pestizidexposition kann langfristig zu schweren Krankheiten wie Krebs, neurologischen und hormonellen Störungen führen. Einige Pestizide wie Glyphosat und Malathion wurden von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft.
Diese Chemikalien werden mit Krebsarten wie Leukämie, Lymphomen und Hirntumoren in Verbindung gebracht. Sie stehen auch im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer, ADHS, Lernschwierigkeiten und einem niedrigeren IQ. Einige Pestizide wie Chlorpyrifos können bei Kindern neuroentwicklungsbedingte Störungen verursachen.
Einige Pestizide beeinflussen das Hormonsystem und können zu Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes, vorzeitiger Pubertät, Fruchtbarkeitsproblemen und Geburtsfehlern führen. Diese Stoffe ahmen Hormone nach und stören das Östrogen-/Testosteron-Gleichgewicht im Körper. Gleichzeitig können sie das Immunsystem schwächen und Autoimmunerkrankungen, Asthma sowie Leber- und Nierenschäden verursachen.
Kinder sind aufgrund ihrer Entwicklungsphase anfälliger für Pestizide. Entwicklungsverzögerungen, Autismus-Spektrum-Störungen und Verhaltensprobleme werden mit der Exposition im Mutterleib in Verbindung gebracht. Eine Studie der UC Berkeley zeigte, dass der IQ-Wert von Kindern, die Pestiziden ausgesetzt waren, im Durchschnitt um 7 Punkte niedriger war.
Verschiedene Pestizidarten sind mit unterschiedlichen Krankheiten verbunden. Zum Beispiel können Organophosphate (Chlorpyrifos, Malathion) Neurotoxizität und Parkinson verursachen, Organochlorverbindungen (DDT, Lindan) Krebs und hormonelle Störungen, während Herbizide wie Glyphosat zu Lymphomen führen können.

GIBT ES IN DER TÜRKEI EINEN ANSTIEG DER PESTIZIDBELASTUNG?
Der Pestizideinsatz in der Türkei ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Laut Daten des türkischen Statistikinstituts (TÜİK) stieg der Einsatz landwirtschaftlicher Pestizide von 45.000 Tonnen im Jahr 2010 auf 63.000 Tonnen im Jahr 2023. Zu den am häufigsten verwendeten Mitteln gehören glyphosathaltige Herbizide, Fungizide und Insektizide. Parallel zu diesem Anstieg werden häufig Rückstände über den Grenzwerten in Lebensmitteln festgestellt; insbesondere Warnungen vor Pestizidrückständen in Erdbeeren, Weintrauben, Paprika und Blattgemüse fallen auf.
Die Zunahme von Krebsfällen in landwirtschaftlichen Regionen und das Auftreten neurologischer Auswirkungen wie Aufmerksamkeitsdefizite und Lernschwierigkeiten bei Kindern verstärken die Sorgen über die gesundheitlichen Auswirkungen der Pestizidbelastung.
Saisonale Landarbeiter sind aufgrund mangelnder Ausbildung und Schutzausrüstung die am stärksten gefährdete Gruppe. Jedes Jahr suchen Hunderte von Arbeitern wegen Pestizidvergiftungen Krankenhäuser auf. Die Ausbreitung der industriellen Landwirtschaft, mangelnde Kontrollen und der unbewusste Einsatz von Pestiziden durch Landwirte verschärfen dieses Bild. Obwohl einige Pestizide in der Türkei verboten sind, ist der Anteil des ökologischen Landbaus immer noch gering. Experten weisen darauf hin, dass strengere Kontrollen, die Förderung des ökologischen Landbaus und Maßnahmen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit erforderlich sind, um die Pestizidbelastung zu verringern.
WAS KANN GETAN WERDEN, UM DIE PESTIZIDBELASTUNG ZU VERRINGERN?
Um die Pestizidbelastung zu verringern, ist insbesondere bei der Lebensmittelauswahl Vorsicht geboten. Bei Produkten mit hohem Rückstandsrisiko wie Erdbeeren, Spinat und Äpfeln sollte nach Möglichkeit auf Bio-Produkte zurückgegriffen werden; Obst und Gemüse sollten gründlich gewaschen, in Wasser mit Natron oder Essig eingelegt oder geschält verzehrt werden. Auch die Bevorzugung saisonaler, lokaler Produkte verringert das Risiko. Anstelle von chemischen Insektiziden können im Haushalt natürliche Lösungen verwendet werden; Stoffe wie Lavendel, Minzöl oder Borax können wirksame und sichere Wege gegen Schädlinge sein.
Da Kinder und Schwangere anfälliger für Pestizide sind, sollten besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden; insbesondere Babynahrung sollte biologisch gewählt und behandelte Gebiete gemieden werden. Landarbeiter sollten Schutzausrüstung tragen und Trinkwasserquellen sollten regelmäßig durch Analysen kontrolliert werden. Auf gesellschaftlicher Ebene müssen Bio-Märkte unterstützt, von den Kommunen pestizidfreie Landwirtschaftsprojekte gefordert und die Kontrollen des Landwirtschaftsministeriums genau verfolgt werden.
DIE 5 WIRKSAMSTEN MASSNAHMEN ZUM SCHUTZ VOR PESTIZIDEN
1. Konsumieren Sie Bio-Lebensmittel.
2. Waschen Sie Obst und Gemüse mit Natron-/Essigwasser oder schälen Sie es vor dem Verzehr.
3. Verwenden Sie zu Hause natürliche Methoden anstelle von chemischen Insektiziden.
4. Wenn Sie in der Landwirtschaft arbeiten, tragen Sie Schutzausrüstung (Maske, Handschuhe).
5. Lassen Sie Ihre Wasserquellen testen und verwenden Sie Filteranlagen.
Denken Sie daran: Auch wenn es nicht möglich ist, Pestiziden vollständig aus dem Weg zu gehen, können Sie die Belastung um bis zu 90 % reduzieren. Mit kleinen Änderungen können Sie langfristige Gesundheitsrisiken vermeiden.
Nachrichtenquelle: 12punto
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