Wichtige Warnung der Türkischen Psychiatrie-Gesellschaft nach dem Tod von Nihal Candan
Nach dem Tod von Nihal Candan infolge von Anorexia nervosa hat die Türkische Psychiatrie-Gesellschaft eine Erklärung veröffentlicht, um das Bewusstsein für Essstörungen in der Gesellschaft zu schärfen.
Die Türkische Psychiatrie-Gesellschaft (TPD) hat nach dem jüngsten traurigen Verlust darauf aufmerksam gemacht, dass das gesellschaftliche Bewusstsein für Anorexia nervosa und Essstörungen gestärkt werden muss. In der Erklärung des Verbandes wurde betont, dass Essstörungen durch Früherkennung und eine ganzheitliche Behandlung geheilt werden können, die Krankheit jedoch oft missverstanden werde, was zu einer verzögerten Diagnose führe.
In der Erklärung hieß es: „Essstörungen sind psychische Erkrankungen, die, insbesondere wenn sie frühzeitig erkannt werden, durch einen ganzheitlichen Behandlungsprozess unter Einbeziehung der Psychiatrie und bei Bedarf anderer medizinischer Fachbereiche geheilt werden können. Da die Krankheit jedoch oft als ‚persönliche Entscheidung‘ oder ‚vorübergehende ästhetische Sorge‘ wahrgenommen wird, verzögert sich die Diagnose. Wir hoffen, dass das Bewusstsein für Essstörungen zunimmt und gesellschaftliche Mythen durch korrekte und wissenschaftliche Informationen ersetzt werden. Wir möchten betonen, dass dieses Bewusstsein eine wichtige Rolle dabei spielt, Menschen mit Essstörungen frühzeitig an medizinische Dienste zu verweisen.“
In der schriftlichen Erklärung der Arbeitsgruppe für Essstörungen der Türkischen Psychiatrie-Gesellschaft wurde darauf hingewiesen, dass auf die Privatsphäre der Patienten und auf falsche Informationen in den Medien geachtet werden müsse. Zudem wurde daran erinnert, dass eine frühzeitige Diagnose für die Behandlung der Krankheit von entscheidender Bedeutung ist.
In der Erklärung wurde weiter ausgeführt:
„Nach einem traurigen und frühen Verlust, der in den letzten Tagen in der Öffentlichkeit bekannt wurde, sind viele Kommentare, Nachrichten und Beiträge über Essstörungen und insbesondere Anorexia nervosa aufgekommen. Zunächst einmal sprechen wir der Familie und den Angehörigen unserer verstorbenen Mitbürgerin unser Beileid aus und wünschen ihnen viel Kraft. Wir möchten daran erinnern, dass in solch sensiblen Zeiten bei der in den Medien verwendeten Sprache sowohl auf das Andenken der verstorbenen Person als auch auf die Privatsphäre von Personen, die mit ähnlichen Schwierigkeiten kämpfen, Rücksicht genommen werden muss. Diese Erklärung wurde erstellt, um korrekte Informationen über diese in der Gesellschaft oft missverstandene Krankheit zu teilen, stigmatisierende Einstellungen zu verhindern und das Bewusstsein für den Behandlungsprozess zu schärfen.“
WAS IST ANOREXIA NERVOSA?
In der Erklärung wurde darauf hingewiesen, dass Anorexia nervosa nicht nur auf Gewichtsverlust oder den Wunsch nach einer Diät beschränkt ist, sondern eine lebensbedrohliche psychische Erkrankung darstellt, die bei Nichtbehandlung zu schwerwiegenden Störungen der Körperwahrnehmung, des Essverhaltens und der Gedanken über das Gewicht führt. Es wurde betont, dass es lebenswichtig ist, bei Anzeichen einer Essstörung unverzüglich einen Facharzt für Psychiatrie aufzusuchen.
DIE VERANTWORTUNG DER MEDIEN UND SOZIALEN MEDIEN
Es wurde darauf aufmerksam gemacht, dass Essstörungen in der Gesellschaft oft fälschlicherweise als „Mangel an Willenskraft“, „Schönheitswahn“ oder „ein Problem, das nur junge Frauen betrifft“ wahrgenommen werden. Tatsächlich kann diese Krankheit jedoch Menschen jeden Alters, Geschlechts und sozioökonomischen Hintergrunds betreffen. Es wurde erklärt, dass Medien und Social-Media-Plattformen eine sorgfältige Sprache bei Nachrichten und Inhalten über Essstörungen verwenden sollten, da die Verbreitung persönlicher Gesundheitsdaten und spekulativer Details sowohl den Einzelnen schaden als auch die Krankheit auslösen könne.
Darüber hinaus wurde darauf hingewiesen, dass die in den sozialen Medien häufig anzutreffende Wahrnehmung eines „idealen Körpers“ und Inhalte, die Schlankheit verherrlichen, negative Auswirkungen insbesondere auf junge Menschen haben und zur Entwicklung von Essstörungen beitragen können. Es wurde daran erinnert, dass Plattformbetreiber und Content-Ersteller hierbei eine Verantwortung tragen.
Es wurde betont, dass die frühzeitige Erkennung von Essstörungen und die Überweisung zur Behandlung den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen. Ein gesteigertes Bewusstsein in der Gesellschaft, das auf korrekten und wissenschaftlichen Informationen basiert, werde es Menschen mit Essstörungen ermöglichen, früher Zugang zu medizinischen Leistungen zu erhalten.
WAS WAR PASSIERT?
Nihal Candan, die aufgrund ihrer Anorexia nervosa auf 23 Kilogramm abgemagert war, erlitt vor kurzem einen zweiten Herzstillstand. Trotz aller medizinischen Bemühungen verstarb Candan.
Nachrichtenquelle: 12punto
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