Hallo,
ihr freien Geister, ihr freien Gewissen, ihr wunderbaren Menschen.
Wir blicken weiter durch den Spiegel der Kunst…
Was uns heute im Spiegel der Kunst erscheint, ist: Schönheit…
Liebe Leserschaft, ihr fragt euch sicher innerlich, murmelt es vor euch hin oder schreit es vielleicht sogar heraus: Gibt es überhaupt noch etwas Schönes? Was soll das für eine Schönheit sein, Herr Dozent…
Was für eine Schönheit das sein soll, liebe Leserschaft? Natürlich eure eigene Schönheit.
Sorgt ihr euch jetzt etwa, ob mich, Dozent Abidin, hier über euch lustig mache?
Ich möchte, dass wir über das Schöne sprechen, über die Wissenschaft des Schönen, also über unsere gemeinsame Geschichte, kurzum: über eure Schönheit, damit wir alle gemeinsam schöner werden.
Fragt ihr euch nun, woher diese Geschichte über die Schönheit kommt? Woher sollte sie schon kommen, liebe Leserschaft, natürlich aus der pragmatischen Natur von uns Menschen. Habt ihr jemals gesehen, dass der Mensch etwas beobachtet, darüber nachdenkt oder praktiziert, das ihm nicht von Nutzen ist?
Ich kann bei meinem Wort schwören: Ich habe das noch nie gesehen…
Gehen wir also an den Anfang der Geschichte zurück und schauen wir mal, was da alles passiert ist…
Habt ihr euch das jemals gefragt?
Dass unsere Vorfahren, bevor sie ihre eigenen Gesichter in stillen Gewässern sahen, die Gesichter und die physische Präsenz ihrer Artgenossen sahen. Sich selbst in einem anderen zu sehen, ist das nicht seltsam? Haben sie sich wohl über das, was sie im anderen sahen, Gedanken über ihre eigene Ontologie gemacht…
Ich weiß, das sind seltsame Fragen, aber man muss sie wohl stellen, sozusagen als eine kleine Schönheit für unseren Geist…
Bevor ihr es sagt: Ich fasse mich kurz und komme zum Punkt, meine Damen und Herren.
Ihr fragt euch, was passierte, als sie es sahen? Schönheit wurde zur Konzeptualisierung der visuellen Kodierung all dessen, was sie ineinander sahen, um die biologische evolutionäre Entwicklung bestmöglich fortzusetzen. So will es die Evolutionsbiologie. Mein Verstand stimmt dieser Theorie zu, aber natürlich nur bis zu einem gewissen Punkt. Wenn ihr fragt, bis wohin mein Verstand zustimmt, dann sage ich es euch sofort, damit ihr nicht im Ungewissen bleibt: Bis zu dem Punkt, an dem menschliche Gemeinschaften begannen, Kultur zu schaffen.
Also: vor der Kultur die Evolutionsbiologie, danach die Kulturanthropologie.
Lassen Sie uns mit der evolutionär-biologischen Theorie dort fortfahren, wo wir aufgehört haben. Frauen und Männer betrachteten einander. Warum sie einander betrachteten? Warum wohl? Natürlich, um zu sehen, ob sie gesund sind, um zu verstehen, ob es Probleme bei der Fortpflanzung und Fruchtbarkeit geben könnte.
Hinsichtlich des Fortbestands der Art und der Nachkommenschaft wurde alles, was sie im Gesicht und am Körper sahen, zu symbolischen Indikatoren, die es zu entschlüsseln galt. Aus Sicht des weiblichen oder männlichen Geschlechts, aufgrund einer vielleicht nie schriftlich fixierten, aber de facto bestehenden existenziellen stillschweigenden Übereinkunft, machten Frauen und Männer für die Partnerwahl die harmonische Ganzheit, die sie im Kontext von Symmetrie und Proportion ineinander sahen, zur notwendigen Bedingung für die Paarung, um den Fortbestand genetisch starker Linien zu sichern.
Das bedeutet: Die Symmetrie und Proportion, die wir im Gesicht und generell am Körper suchen, wurden nicht zum Gegenstand des Schönen an sich, sondern zu Kriterien für die Sicherung gesunder Generationen. Doch als Kulturen entstanden, fungierten Symmetrie und Proportion innerhalb dieser Ganzheit als Geburtshelfer für die technische Entstehung des Begriffs „Schönheit“.
Was aber war Symmetrie und Proportion aus Sicht der Evolutionsbiologie?
Symmetrie: Eine makellose Symmetrie im Gesicht und am Körper zeigt, dass das Lebewesen während seines Wachstumsprozesses genetisch stark und resistent gegen Parasiten/Krankheiten war.
Taille-Hüft-Verhältnis: Das ideale Taille-Hüft-Verhältnis bei Frauen steht in direktem Zusammenhang mit hoher Fruchtbarkeit und hormoneller Gesundheit.
Durchschnittliche Gesichtszüge: Gesichtszüge zu haben, die eher dem Durchschnitt der Population entsprechen als extremen Ausprägungen (Durchschnittseffekt), deutet evolutionär auf den „sichersten“ und gesündesten Genpool hin.
Was wir heute als Schönheit verherrlichen, war ein Entdeckungsprozess, den unsere weiblichen und männlichen Vorfahren im evolutionären Fluss vollzogen haben, um das Bestehen genetisch robuster Generationen zu ermöglichen.
Sagt ihr jetzt: „So oder so, Herr Dozent Abidin, du wolltest uns das Schöne im Spiegel der Kunst erklären, hast uns aber Evolutionsbiologie erzählt?“
Liebe Leserschaft, haben wir das erzählt, und war es etwa schlecht? Es war gut. Es war sehr gut.
Vergesst nicht, dass im Universum alles miteinander verbunden ist, und in dieser Verbundenheit sind der Mensch und sein historischer Fluss miteinander verwoben.
Daher werden wir in dieser Kette der Verbundenheit auch über das Schöne aus kultureller und künstlerischer Sicht sprechen, keine Sorge, meine Damen und Herren.
Außerdem macht es Freude, die Zusammenhänge zu entschlüsseln, und es lässt euch mit eurem kognitiven Potenzial, das ihr durch das evolutionäre Erbe erhalten habt, eins werden. Wie glücklich können sich diejenigen schätzen, die sagen: „Ich kann denken“.
Ihr wunderbaren Menschen, liebe Leserinnen und Leser, denkt bis zum nächsten Beitrag einmal darüber nach: Was ist eigentlich Schönheit?
Falls wir euch ein wenig verwirrt haben, so verzeiht uns.
Bis zu unserem nächsten Treffen, macht es erst einmal gut. Jetzt und immer: Atmet mit der Kunst, bleibt bei der Kunst.
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