Ernst & Young (EY) hat seinen Bericht veröffentlicht, in dem die größten Risiken für Telekommunikationsbetreiber aufgelistet sind. An erster Stelle der Liste stehen Privatsphäre, Sicherheit und Vertrauen. An zweiter Stelle steht die Unfähigkeit, eine ausreichende Transformation mit Technologien der neuen Generation zu vollziehen. An fünfter Stelle steht die mangelnde Anpassungsfähigkeit an geopolitische Veränderungen.
Wenn man diese drei Punkte zusammen betrachtet, wird das Bild deutlich. Telekommunikation ist heute nicht mehr nur eine Frage der Infrastruktur; es ist direkt eine Frage von Vertrauen und Souveränität.
In der Türkei stehen Türk Telekom, Turkcell und Vodafone Türkiye mit ihren 5G-Vorbereitungen, Investitionen in Rechenzentren und der Einführung von Diensten der neuen Generation im Fokus. Es wird über Glasfaserkilometer, Geschwindigkeitstests und die Anzahl der Basisstationen gesprochen. Doch wenn man sich die von EY aufgezeigte Risikokarte ansieht, drängt sich eine andere Frage auf: Sollten wir wirklich über das Wettrennen um Geschwindigkeit sprechen, während die grundlegenden Sicherheits- und Governance-Risiken so hoch sind?
Telekom-Betreiber nutzen aufgrund von Kostenvorteilen seit langem Netzwerkausrüstungen und Endbenutzer-Modems/Router aus asiatischer Produktion. Diese Geräte leiten nicht nur den Internetverkehr weiter. Sie können die Dichte der Geräte in einem Haushalt analysieren. Sie können aus Wi-Fi-Signalmustern Bewegungen ableiten. Sie können über IoT-Geräte Verhaltensdaten generieren. Sie können über Verkehrsmetadaten Profile zu Lebensgewohnheiten erstellen.
In akademischen Studien wurde gezeigt, dass Wi-Fi-Signale zur Erkennung menschlicher Bewegungen verwendet werden können. Dies ist technisch möglich. Das Problem ist nicht nur der Kommunikationsinhalt. Es geht um die indirekte Generierung von Daten über den physischen Lebensraum.
Dieses Bild deckt sich eins zu eins mit dem ersten Risikopunkt des EY-Berichts: die unzureichende Behandlung von Privatsphäre, Sicherheit und Vertrauen.
Ein weiterer bemerkenswerter Punkt im Bericht ist die Governance der Künstlichen Intelligenz. Der Anteil derjenigen, die angeben, KI-Risiken im Telekommunikationssektor effektiv zu managen, liegt bei 59 %. Der Branchendurchschnitt liegt bei 66 %. Während Telekommunikationsunternehmen über riesige Datenpools verfügen, ist dieser Wert alarmierend. Die KI-Integration beschleunigt sich. Der Verantwortungsbereich der Cybersicherheitseinheiten erweitert sich. Die Governance-Rahmenbedingungen reifen nicht im gleichen Tempo.
Geopolitische Unsicherheiten sind nicht mehr nur theoretisch. Das Konzept der digitalen Souveränität gewinnt an Bedeutung. Die Lieferkette kann nicht allein über die Kosten gesteuert werden. Die Wahl der Infrastruktur ist eine strategische Entscheidung.
Vor Jahren habe ich mich gegen diejenigen ausgesprochen, die sagten: „Vergessen Sie 4G, lassen Sie uns direkt zu 5G übergehen.“ Die Zeit hat mir recht gegeben. Jetzt sage ich dasselbe. Vergessen Sie 5G. Überstürzen Sie nichts. Konzentrieren Sie sich auf die Sicherheit. Während Amazon Web Services-Rechenzentren ins Visier genommen werden und die Fragilität der globalen Infrastruktur so deutlich geworden ist, sollte unsere Priorität nicht darin bestehen, in eine Technologie zu investieren, deren Effizienz noch nicht bewiesen ist. Unsere Priorität sollte es sein, unsere internen Kommunikationsnetze stark und zuverlässig zu machen.
Verträge können nicht von heute auf morgen gekündigt werden. Aber was getan werden kann, ist klar. Eine Diversifizierung der Lieferanten ist möglich. Es ist möglich, sich bei kritischen Netzwerkschichten alternativen Quellen zuzuwenden. Es ist möglich, dem Endbenutzer sicherheitszertifizierte Geräteoptionen anzubieten. Unabhängige Firmware-Audits und transparente Sicherheitsberichterstattung sind möglich.
Der Telekommunikationssektor wurde jahrelang über Geschwindigkeit und Preis definiert. Das neue Wettbewerbsthema lautet nun: Wem vertrauen wir?
HAUPTPUNKTE DES EY-BERICHTS
Unzureichende Behandlung von Privatsphäre, Sicherheit und Vertrauen
Unfähigkeit, eine ausreichende Transformation mit Technologien der neuen Generation zu vollziehen
Schwierigkeiten beim Management von Talenten und Unternehmenskultur
Defizite bei der Netzwerkleistung und Wertschöpfung
Mangelnde Anpassungsfähigkeit an geopolitische Veränderungen
Unzureichende Nutzung neuer Geschäftsmodelle
Mangelnde harmonische Steuerung diversifizierter Kooperationen
Unfähigkeit, schnell genug auf sich ändernde Kundenbedürfnisse zu reagieren
Ineffektives Management der Nachhaltigkeitsagenda
Begrenzung des langfristigen Wachstums aufgrund unzureichender operativer Modelle.
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