Die Welt tritt in eine neue Phase der digitalen Transformation ein. Die Vereinten Nationen haben einen Fahrplan angekündigt, den sie „Global Digital Compact“ (Globaler Digitalpakt) nennen. Zusammenfassend handelt es sich um einen Plan mit dem Anspruch, die digitale Kluft zu schließen, die Datenverwaltung zu regulieren, künstliche Intelligenz zu überwachen und die digitale Wirtschaft für alle zugänglich zu machen. Abgesehen davon, wie erfolgreich die UN dabei sein wird, stellt sich die eigentliche Frage: Wo steht die Türkei in diesem großen Wandel?
Die Antwort ist ernüchternd: Wir schauen wieder nur von hinten zu.
Digitale Transformation bedeutet nicht nur Konsum
In der Türkei herrscht seit Jahren ein Mentalitätsproblem: Wir halten es für eine Leistung, Technologie zu konsumieren, anstatt sie zu produzieren. Erscheint eine neue Plattform? Anstatt unsere eigene Alternative zu entwickeln, beginnen wir sofort, sie zu nutzen. Digitale Transformation bedeutet nicht nur, in jedem Viertel Glasfaser zu verlegen oder eine neue schicke App zu entwickeln. Das eigentliche Thema ist es, zu denjenigen zu gehören, die in der digitalen Welt die Regeln festlegen.
Aber was tun wir? Wir begnügen uns damit, als Endnutzer die Regeln zu befolgen, die andere aufgestellt haben. Derzeit ist in der Türkei niemand ein aktiver Akteur im Entscheidungsprozess des Globalen Digitalpakts. Wir haben weder große Technologieunternehmen noch eine institutionelle Struktur, die in dieser Angelegenheit auf globaler Ebene mitreden kann. Es geht immer nur um Regulierung, immer nur um Verbote!
Fünf kritische Bereiche, in denen die Türkei zu spät kommt
Die UN hat fünf Ziele für die digitale Zukunft festgelegt. Seien wir ehrlich: In welchem davon ist die Türkei ambitioniert?
Digitaler Zugang: Ja, das Internet ist verbreitet, aber es gibt immer noch Ungerechtigkeiten bei Geschwindigkeit, Preis und Zugang. Die Glasfaserinfrastruktur ist außerhalb der Großstädte immer noch unzureichend.
Digitale Wirtschaft: Wie viele Anreize gibt es für die Digitalisierung von KMU in der Türkei? Wie viele Unternehmen haben sich wirklich vollständig an den E-Commerce angepasst?
Datenverwaltung: Es gibt das KVKK (Gesetz zum Schutz personenbezogener Daten), aber wir haben keine Strategie für eine Datenwirtschaft im globalen Sinne. Unsere Daten fließen über Deepseek nach China; das sagen wir seit Wochen, doch das KVKK veröffentlicht lediglich Broschüren mit 4-5 Sätzen, die als Empfehlungen dienen und erklären, wie man Daten nicht an die Künstliche Intelligenz verlieren sollte.
Menschenrechte & Sicherheit: Wer bestimmt die Richtlinien der Türkei auf Social-Media-Plattformen? Wir oder die Rechtsabteilungen der Unternehmen in den USA?
Steuerung der Künstlichen Intelligenz: Während die Welt ethische Regeln für künstliche Intelligenz festlegt, diskutieren wir in der Türkei immer noch darüber, ob KI gefährlich ist oder nicht.
Chancen liegen auf dem Tisch, aber niemand greift zu
Die Türkei verfügt über einige Bereiche, in denen sie in der digitalen Welt wirklich mitreden könnte:
Spieleindustrie (Obwohl wir Unternehmen wie Peak Games und Dream Games hervorgebracht haben, hat der Staat in diesem Bereich keine klare Politik)
Verteidigungstechnologien (Bayraktar und andere Projekte haben große Fortschritte gemacht, können aber nicht auf zivile Technologien übertragen werden)
Fintech- und Blockchain-Technologien (Aufgrund der Angst vor Regulierung werden Fintech-Startups im Keim erstickt)
Ich frage nun: Warum taucht der Name der Türkei bei großen Transformationen wie dem Globalen Digitalpakt der UN nicht auf?
Weil unsere Agenda nicht darin besteht, Technologie zu produzieren, sondern Technologie zu regulieren. Sobald Innovation und Unternehmertum ins Spiel kommen, entstehen statt Unterstützung bürokratische Hürden. Das Ergebnis? Wir verpassen den globalen Zug und beklagen uns dann hinterher: „Warum liegt alles in den Händen der USA und Chinas?“
Wir müssen diesen Teufelskreis endlich durchbrechen
Damit die Türkei in der digitalen Zukunft mitreden kann, brauchen wir einen radikalen Mentalitätswandel:
Wir müssen nicht regulierend, sondern richtungsweisend sein. Wir müssen nicht durch Verbote und Steuern, sondern durch Anreize wachsen.
Wir müssen eine aktive Rolle in globalen Organisationen einnehmen. Der Name der Türkei taucht in der KI-Governance der UN nicht einmal auf.
Wir müssen Technologie exportieren, anstatt sie zu importieren. Wenn wir das nicht tun, werden wir weiterhin nur „Endnutzer“ bleiben, die die Regeln anderer befolgen.
Der Globale Digitalpakt der UN mag auf dem Papier ein Projekt sein, aber die eigentliche Frage ist, ob die Türkei hier eine Statistenrolle spielt oder zu denjenigen gehört, die die Bühne leiten. Im Moment sind wir Statisten. Aber wenn sich diese Mentalität nicht ändert, werden die Scheinwerfer niemals auf uns gerichtet sein.
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