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Die Decke ist weg, der Streit ist vorbei

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Letzte Woche schrieb ich in dieser Kolumne, dass „die sozialen Medien WhatsApp den Rang ablaufen“. Vielleicht war ich etwas voreilig. Der Zusammenbruch dauert zwar noch an, aber die Richtung hat sich leicht geändert. Denn das zweite Signal, das diese Woche eintraf, kam von Jack Dorsey. Ja, der Gründer von Twitter. Doch diesmal tritt er als einer der Begründer der Dezentralisierung auf die Bühne.

Seit Jahren sage ich voraus, dass dezentrale Strukturen in unser Leben treten werden. Jetzt beginnen wir, die ersten Auswirkungen zu sehen. Dorseys neues Social-Media-Projekt ist eigentlich keine klassische Plattform; es ist eine Netzwerkinfrastruktur, die über Bluetooth funktioniert und nur die Kommunikation mit physisch in der Nähe befindlichen Personen ermöglicht. Es gibt kein Zentrum, keinen Server und keine Möglichkeit zur Zensur. Die ersten Versionen der auf einem „Peer-to-Peer“-Protokoll basierenden Software befinden sich derzeit in der Testphase. Aber eines ist bereits klar: Wir sprechen nicht mehr von einer Plattform, sondern von einem Kommunikationsprotokoll.

Was bedeutet das? Es bedeutet Folgendes: All die Bemühungen der Staaten, Inhalte in sozialen Medien zu zensieren, werden bald kaum noch einen Sinn ergeben. Denn diese neuen Social-Media-Strukturen entfernen sich längst davon, von außen erreichbar zu sein. Das heißt, der Inhalt lebt nicht mehr in einem Zentrum, sondern im Netzwerk selbst.

Ich sage es schon seit Jahren: Wir sollten diese Dinge nicht „soziale Medien“ nennen. Diese Strukturen sind keine Medien mehr, sondern eine Kommunikationsinfrastruktur. Es ist treffender, sie so zu betrachten. Denn wir sind keine Zuschauer oder Follower mehr, sondern nur noch Teil der Knotenpunkte (Nodes). Wir alle sind ein bisschen Sender und ein bisschen Netzwerkanbieter.

Ich habe dieses Thema vor Jahren meinen Studenten in meinen MIS-Vorlesungen an der Okan-Universität erklärt. Ich habe immer wieder gesagt, dass sich die Zentralisierung auflösen wird, dass sich die Machtverteilung auf die Individuen verlagern wird und dass die Freiheit die traditionellen Zensurmechanismen durchbrechen wird. Wer sich erinnert, wird jetzt viel klarer verstehen, was ich damit meinte. Ich habe diese Prognose auch vor Jahren in meinen Artikeln bei Bloomberg Businessweek geteilt. Wer neugierig ist, kann sie in den Archiven finden.

An dem Punkt, an dem wir heute stehen, ist der Übergang der sozialen Medien zu einer widerstandsfähigeren, freieren und unzensierbaren Struktur nicht nur eine technologische, sondern auch eine politische und soziologische Revolution. Für Strukturen, die mit bürokratischer Trägheit „Inhaltskontrolle“ betreiben, ist es ein klägliches Ende: Ein weiteres Spielzeug wurde ihnen aus der Hand genommen.

Ja, die Decke ist weg. Der Streit ist vorbei.

Aber eine neue Geschichte beginnt. Wenn Sie in einer Entscheidungsposition sind, sorgen Sie dafür, dass Menschen um Sie herum sind, die diesen Prozess im Voraus erkannt haben. Denn die nächsten zehn Jahre werden eine der nebligsten und unsichersten Reisen sein, die wir je erlebt haben.

Doch durch den Nebel dringt eine Idee. Eine Kugel vielleicht nicht, aber eine Idee dringt durch. Und manchmal reicht allein diese Idee aus: damit ein System zusammenbricht.