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Ist Atatürks Berlin-Anekdote wahr?

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Sie kennen sicher die Anekdote über die Gerechtigkeit mit dem Titel: „Es gibt Richter in Berlin!“

Es wird erzählt, dass „der preußische König Friedrich II. im 18. Jahrhundert auf einem Grundstück in der Nähe von Potsdam ein Schloss errichten wollte, den Müller, dem das Land gehörte, dazu zwingen wollte, es zu verkaufen, und die Richter in Berlin daraufhin ein gerechtes Urteil fällten und dies untersagten“.

Der König habe den Müller zu sich zitiert, gefragt: „Weißt du eigentlich, wer ich bin?“, die Angelegenheit habe sich zugespitzt, es sei zu Sturheit und schließlich zu einem Gerichtsverfahren gekommen, in dem sich König Friedrich und der Müller namens Graveniz gegenüberstanden, woraufhin der Müller dem König mit dem Satz „Es gibt Richter in Berlin“ geantwortet habe, und so weiter.

So lautet die Legende.

Und das Ende dieser Geschichte wird in der Türkei oft mit Atatürks Deutschlandbesuch im Jahr 1917 verknüpft.

Die Wahrheit sieht jedoch so aus:

Im Dezember 1917 stattete das Osmanische Reich dem deutschen Kaiser Wilhelm II. einen Gegenbesuch ab. Da Sultan Mehmed V. Reşad erkrankt war, wurde der Thronfolger Vahdettin entsandt, und Brigadegeneral Mustafa Kemal nahm als Militärattaché an dieser Reise teil.

Sie besuchten verschiedene Orte in der Region, einschließlich der französischen Front, reisten dann nach Berlin und hielten am 31. Dezember 1917 um 10:00 Uhr im Hotel Adlon nach Abschluss der Besuche eine große Pressekonferenz ab.

Bei dieser Pressekonferenz befand sich Atatürk direkt an der Seite von Vahdettin. Tatsächlich blieb Atatürk nach der Pressekonferenz mit Vahdettin unter vier Augen und gab ihm Ratschläge, was angesichts des schlechten Zustands des Osmanischen Reiches zu tun sei. Dieser Besuch wird im Buch „Atatürks Deutschland- und Österreichreisen“ von Mehmet Önder ausführlich behandelt.

An jenem Nachmittag stattete die osmanische Delegation der Ehefrau des deutschen Prinzen Waldemar, der im Potsdamer Schloss des deutschen Kaisers 20 km nordwestlich von Berlin wohnte, einen höflichen Abschiedsbesuch ab. Nachdem dort ein Kaffee getrunken worden war, besichtigte man gegen Abend das erwähnte Schloss Sanssouci, das von König Friedrich erbaut worden war.

Diese Reise fand im Rahmen einer Delegationsreise statt.

In Sunay Akıns Buch „Geyikli Park“ findet sich jedoch die Behauptung, dass Mustafa Kemal nach diesem Schloss zur Mühle von Sanssouci gegangen sei, und zwar allein.

Diese Behauptung wurde mit den Worten niedergeschrieben: „Jahre später reist eine osmanische Delegation nach Berlin; sie wohnen in einem Hotel. Nur einer von ihnen kennt diese Geschichte. Denn er ist ein Intellektueller; er liest Bücher. In der Silvesternacht sagt er zu den anderen Delegationsmitgliedern: 'Potsdam ist ganz in der Nähe; lasst uns diese Mühle ansehen, die ein Symbol der Gerechtigkeit ist.' Aber niemand interessiert sich dafür. Doch er steht auf, geht allein hin und betrachtet diese Mühle, das Symbol der Gerechtigkeit in Berlin, lange Zeit. Dieser wunderbare Mensch ist niemand anderes als Mustafa Kemal.“

Es gibt jedoch drei Quellen zu dieser Reise.

Die erste ist das Buch „Atatürks Deutschland- und Österreichreisen“ von Mehmet Önder, und in diesem Buch gibt es keine Information darüber, dass Atatürk die Mühle allein besucht hätte.

Die zweite Quelle ist „Atatürks Leben“ von Enver Behnan Şapolyo (Zafer Gazetesi, 1954, Seite 153). In dieser Publikation wird die Reise zwar erwähnt, aber auch hier gibt es keinen Hinweis darauf, dass Atatürk allein dorthin gegangen wäre.

Auch im dritten Buch, das diese Reise detailliert beschreibt, „Die letzten Tage des osmanischen Palastes“ von Başmabeyn Lütfi Simavi (erschienen im Hürriyet-Verlag), findet sich keine Information darüber, dass Atatürk diese Mühle allein besucht hätte. Die Aussage von Başmabeyn Lütfi Bey zu diesem Thema lautet lediglich: „Sie besichtigten das Schloss Sanssouci.“

Die Information, dass er allein dorthin gegangen sei, steht dort nicht.

Daraus wird abgeleitet, dass der Satz „Gerechtigkeit ist das Fundament des Staates“ aus diesem Ereignis stamme. Das wird immer weiter ausgeschmückt. Aber auch das stimmt nicht.

Zudem ist die historische Korrektheit dieser König-Müller-Anekdote zweifelhaft, und der Müller wird hier heldenhaft überhöht.

Zunächst einmal müssen wir sagen: Atatürk braucht solche Märchenhelden nicht.

Er ist selbst ein Held.

Aber Atatürk ist kein Mann, der zum Gegenstand von Legenden gemacht werden sollte. Atatürk ist real. Er ist ein Mann der Fakten. Er hat den Imperialismus durch Kampf gestoppt. Er hat die Theorie durch die Gründung eines Staates in die Realität umgesetzt. Mit seinen Gedanken und Worten hat er Licht auf den Weltfrieden und die Menschheitsgeschichte geworfen.

Dieser Aspekt Atatürks sollte behandelt und hervorgehoben werden.

Andernfalls ist es gegenüber Atatürk ungerecht, ihn durch Geschichten und Märchen, die nicht auf Fakten beruhen, beliebt machen zu wollen. Man sollte beispielsweise seine Syrienpolitik erklären. Seine Nahostpolitik sollte erklärt werden. Der Balkanpakt und der Saadabad-Pakt sollten erklärt werden. Diese Dinge sollten erzählt werden.

Außen- und Innenpolitik sollten erläutert werden. Sein Verständnis von Freiheit, Staat und Demokratie sollte thematisiert werden.

Seine Wirtschaftspolitik und seine ökonomischen Analysen, die bis heute wegweisend sind, sollten als Vorbild dienen.

Atatürk ist ein Revolutionär. Er ist ein Mann der Tat und ein Philosoph, der unsere Zeit erhellt.

Er ist ein Ausweg für die heutigen Probleme.

Bitte, tun Sie das nicht.

Reduzieren Sie diesen großen Menschen nicht auf die Märchen des westlichen Imperialismus.