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Wo äußerte Atatürk zum ersten Mal seine Gedanken zur Freiheit der Frauen?

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Mustafa Kemal befand sich wegen einer Nierenbehandlung in den Karlsbader Heilquellen.

Am Abend des 3. Juli 1918 gab er ein Abendessen für eine große Gruppe von Gästen, die aus Istanbul angereist waren. Unter ihnen befanden sich der Journalist Hüseyin Cahit Yalçın und Seniha Hanım, die Ehefrau von Cemal Pascha. Auch andere Frauen nahmen an dem Essen teil. Das Gesprächsthema war: „Die Freiheit der türkischen Frau“. Jeder sprach und äußerte seine Meinung. Als Mustafa Kemal Pascha das Wort ergriff, sagte er:

-„Unsere Frauen müssen zur Schule gehen; erst nachdem sie eine solide Bildung und ein fundiertes Verständnis erlangt haben, sollte ihnen die Freiheit gewährt werden.“

Die anwesenden Frauen entgegneten:

-„Es ist sehr schwierig, dies in unserer Gesellschaft zu verwirklichen.“

Heute erscheint uns das einfach, aber

damals hielten selbst die aufgeklärtesten Frauen des Osmanischen Reiches dies für kaum umsetzbar. Sie sagten Dinge wie: „Zuerst muss der Schleier fallen, dann der Tschador, und danach sollte der Saum des Tschadors etwas gekürzt werden“ und so weiter. Auf diese Weise könnte die Kleidung der Frauen modernisiert werden und sie könnten sich vielleicht vom schwarzen Schleier befreien. Mustafa Kemal Pascha widersprach dieser Ansicht. Er versetzte sich in die Lage der Frauen und sprach offen aus:

-„Bin ich denn kein Mensch?“, fragte er. „Ist es nicht auch mein Recht, frei zu leben, wie zivilisierte Menschen zu leben? Soll ich dafür etwa auf das Wohlwollen einer Schar von Rückständigen warten? Natürlich nicht! Sobald ich an die Macht komme, werde ich diese Angelegenheit mit einem Schlag erledigen“, sagte er.

Aus diesen Worten Mustafa Kemals ließ sich vieles herauslesen. Er war Brigadegeneral und sprach davon, eines Tages an die Macht zu kommen. Es war das Jahr 1918 und er war noch nicht in Samsun gelandet. Er würde an die Macht kommen und den Frauen ihre Freiheit als Menschenrechte gewähren. Das damalige Abendessen endete mit diesen Worten.

Es war spät geworden.

Nach dem Essen verließ er den Ort. Draußen regnete es leicht. Er kehrte ins Hotel zurück. Um 22:30 Uhr ging er auf sein Zimmer. Er schrieb die diskutierten Themen in sein Tagebuch.

Bis 23:00 Uhr las er ein Buch und legte sich schlafen. Das Buch, das er las, war das französische Werk ‚Revolte‘. ‚Revolte‘ bedeutet Aufstand. Vor dem Schlafengehen trank er ein Glas Telsenquelle-Wasser. Der Portier hatte es ihm gebracht, damit er es trinken konnte. Er legte sich ins Bett. Aber er konnte nicht schlafen. Er wälzte sich hin und her, es ging nicht, er stand auf und las weiter in seinem Buch.

Atatürk hatte seine Gedanken zur Freiheit der Frauen bereits 1914 in Sofia gegenüber seiner Geliebten Dimitriana Kovaçeva und 1916 im Armeelager südlich von Siirt/Duhan gegenüber seinem Stabschef İzzettin Çalışlar geäußert, aber vor einer öffentlichen Gemeinschaft oder Journalisten tat er dies zum ersten Mal in Karlsbad, bei jenem Abendessen.

Zum ersten Mal.

Am 3. Juli 1918.

Wir alle kennen das Leben Atatürks.

Danach führte er in der Türkei einen Krieg, gewann ihn, kam wie angekündigt an die Macht und gab den türkischen Frauen am 5. Dezember 1934 das aktive und passive Wahlrecht zurück.

Doch heute ist die Situation anders.

Der Druck von Reaktionären und reaktionären Regierungen auf Frauen nimmt zu.

Menschenrechte und Frauenrechte sollen ihnen entzogen werden. Frauen sollen wieder wie vor hundert Jahren zu Sklavinnen gemacht werden.

Atatürk hat seine Pflicht erfüllt.

Atatürk, der in seinem Leben mehr als 4.000 Bücher gelesen hatte, sechs Fremdsprachen beherrschte und Absolvent der Militärakademie war, konnte natürlich nicht auf das Wohlwollen von Schwachsinnigen, Fanatikern und Reaktionären warten, damit sich die Frauen modernisieren konnten.

Und er hat auch nicht gewartet.

Frauen, wartet auch ihr nicht.

Leistet gegen dieses Unterdrückungsregime Widerstand, so wie man es vor hundert Jahren tat.