Ob die Worte, die dem Propheten zugeschrieben werden, tatsächlich von ihm stammen, werden wir wohl nie mit Sicherheit wissen, doch wir können uns ein fundiertes Urteil über jene Personen bilden, die ihm nahegestanden haben sollen. Einer dieser Namen ist zweifellos der erste Kalif Abu Bakr. Er stand dem Propheten fast von Anfang an zur Seite und behielt seinen Platz auf diesem Weg bis zum Tod des Propheten bei. Wie gesagt, es ist nicht bekannt, wie wahrheitsgetreu diese Überlieferungen sind, doch es wird berichtet, dass der Prophet über ihn sagte: „Der Tugendhafteste der Umma ist Abu Bakr.“ An einer anderen Stelle heißt es zudem, der Prophet habe sich an Abu Bakr gewandt und gesagt: „Du bist derjenige, den Allah vor dem Höllenfeuer befreit hat.“ Dies wird zumindest so überliefert.
Wie sehr diese Aussagen der historischen Realität entsprechen, ist umstritten, doch man kann mit Sicherheit sagen, dass es Tausende von Menschen gibt, die diese Überlieferungen für wahr halten. Stellen wir also die Frage: Wurde der Sohn des Tugendhaftesten der Umma von Muslimen bei lebendigem Leib verbrannt?
Sollen wir die Geschichte ein wenig zurückspulen, um unsere Frage zu beantworten? Die Mutter von Muhammad, einem der Kinder von Abu Bakr, war Asma bint Umays. Nach dem Tod ihres Mannes Abu Bakr heiratete sie Ali ibn Abi Talib. Zu diesem Zeitpunkt soll Muhammad ibn Abu Bakr drei Jahre alt gewesen sein.
Daher wächst Muhammad, der Sohn von Abu Bakr, unter der Lehre von Ali ibn Abi Talib auf, wächst in dessen Haus auf und führt sein Leben fortan als dessen Gefährte. Eines der markantesten Ereignisse im Leben Muhammads ereignet sich während des Widerstandsprozesses gegen Kalif Uthman. So ist Muhammad auch zugegen, als das Haus von Kalif Uthman belagert wird. Mehr noch: Der Name Muhammads fällt unter jenen, die in das Haus von Uthman eindrangen. Kurz darauf wird Uthman ohnehin ermordet.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass Muhammad zugleich der Bruder von Aischa, einer der Ehefrauen des Propheten, ist. In der Schlacht von Basra (Kamelschlacht) stehen sich die beiden Geschwister gegenüber. Während Aischa quasi die Rolle der Armeekommandantin gegen Ali übernommen hatte, stand Muhammad an der Seite Alis. Letztlich endet die Schlacht mit dem Tod Tausender Menschen, und Muhammad wird die Aufgabe übertragen, seine Schwester Aischa vom Schlachtfeld wegzubringen.
Muhammad ist in jenen Tagen erst Mitte 20; dennoch hat er den Tod Tausender Muslime miterlebt. Zudem befanden sich unter denjenigen, die die Schwerter gegeneinander erhoben, Bekannte und sogar Verwandte. Die Muslime durchleben schmerzvolle Jahre, in denen dunkle Wolken nicht weichen und Trauer sowie Klagen in den Straßen tief empfunden werden. Mitten in diesen Jahren findet sich Muhammad als Gouverneur in Ägypten wieder. Es vergeht nicht viel Zeit, bis es in der heutigen Region nördlich der Stadt Raqqa in Syrien zur Schlacht von Siffin kommt. Die Parteien der Schlacht sind Ali und Muawiya. Historischen Aufzeichnungen zufolge füllten Zehntausende Menschen die Ebene von Siffin. Es schien, als würden Himmel und Erde unter dem Klirren der Schwerter erzittern. Muhammad ist natürlich auch dort und an der Seite Alis.
Das Ende der Schlacht ist bekannt; obwohl innerhalb weniger Stunden Zehntausende Menschen ihr Leben ließen und bis zu diesem Moment der Koran keine Rolle spielte, rief die Seite Muawiyas plötzlich: „Der Koran soll zwischen uns entscheiden.“ Nach verschiedenen Diskussionen wurde dieser Vorschlag angenommen und die islamische Welt in einen blinden Abgrund gestoßen. Hinter der Schiedsrichterentscheidung stand ein Name, den wir später noch oft hören sollten: Amr ibn al-As.
Kehren wir zu Muhammad ibn Abi Bakr zurück. Er ist als Gouverneur für das ägyptische Territorium verantwortlich. Nach Siffin kehrt Muhammad ibn Abi Bakr nach Ägypten zurück und versucht, sein Amt weiterzuführen. In dieser Zeit stehen die Truppen Muawiyas mit all ihrer Angriffskraft der Front Alis gegenüber, und Ägypten ist eine der Fronten, an denen gekämpft wird. Sie erinnern sich an die Schiedsrichterentscheidung von Siffin: Genau jener Amr ibn al-As, dem nachgesagt wird, diese Entscheidung herbeigeführt zu haben, zieht auf Befehl Muawiyas mit einer Armee in Richtung Ägypten. Wieder einmal stehen blutige Tage bevor. Die Kämpfe gehen dort weiter, wo sie aufgehört hatten. Zunächst werden 2000 Anhänger Alis niedergemetzelt. Daraufhin kommt es zu einer Auflösung in Alis Front, und Muawiya ibn Hudayj, einer der Kommandeure Amrs, stellt Muhammad in einer Höhle.
Einigen Überlieferungen zufolge steht vor Muawiya der Sohn des „Besten der Umma“. Was wird Muawiya tun? Überlieferungen zufolge findet zwischen ihnen folgendes Gespräch statt:
Muawiya ibn Hudayj:
Weißt du, was ich mit dir tun werde? Ich werde dich in ein Eselfell einwickeln und bei lebendigem Leib verbrennen.
Muhammad antwortete:
Es mag sein. Vielen Freunden Gottes wurde Ähnliches angetan. Ich bitte Gott, dass Er das Feuer, in dem du mich verbrennen willst, für mich so kühl und friedlich macht, wie Er es für Abraham (Halil Ibrahim) tat, und dass Er dieses Feuer für dich und deine Gefährten so gestaltet, wie Er es mit Nimrod und seinen Leuten tat. Ich bitte Gott, dass Er dich, die zuvor Genannten, deinen Anführer Muawiya und – auf Amr ibn al-As deutend – diesen in das lodernde Feuer wirft und die Flammen des Feuers immer dann neu entfacht, wenn sie zu erlöschen drohen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die historischen Quellen zwar voneinander abweichen, Muhammad jedoch an jenem Tag dort getötet und verbrannt wurde.
Amr, der Stratege Muawiyas? Amr, der in den Schlachten von Uhud und am Graben das Kommando der mekkanischen Front gegen die Muslime innehatte und kurz vor der Eroberung Mekkas zum Islam konvertierte (!), blieb bis zu seinem Tod Gouverneur von Ägypten.
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