Wie Recep Tayyip Erdoğan die Außenpolitik – einschließlich der Themen, die das Überleben der Türkei unmittelbar betreffen – dazu nutzt, seine eigene Basis im Inland zu festigen, und sie dabei völlig ruiniert hat, haben wir in unserem Artikel von letzter Woche zu erläutern versucht.
Während wir darauf hinwiesen, dass das Ansehen des Landes auf internationaler Ebene zunehmend schwindet, betonten wir, dass unser Reisepass fast keinen Wert mehr hat und EU-Mitgliedstaaten türkischen Bürgern nicht nur keine Visa, sondern nicht einmal Termine für Visumanträge gewähren wollen.
Die Europäer wollen nicht, dass Türken als Touristen, Studenten oder Geschäftsleute einreisen und dann als Asylbewerber im Land bleiben.
Das Antragsverfahren, das an private Unternehmen ausgelagert wurde, hat sich in eine regelrechte psychologische Folter verwandelt.
Wer das Visum beantragt und warum, interessiert sie ohnehin kaum.
Vor etwa einem Jahr konnte Korkmaz Can Sağlam, der Enkel des verstorbenen ehemaligen Unterstaatssekretärs des Außenministeriums, Korkmaz Haktanır – einem der qualifiziertesten Diplomaten, die die Türkei hervorgebracht hat –, nicht an einem Wettbewerb in Portugal teilnehmen, weil das Land ihm kein Visum erteilte.
Sowohl die türkische Botschaft in Lissabon als auch die portugiesische Botschaft in Ankara setzten sich für die Visumerteilung an Korkmaz Can Sağlam ein, doch sein Antrag wurde abgelehnt.
Dabei ist allen Kunstliebhabern bekannt, dass Korkmaz Can Sağlam ein Pianist mit internationalen Auszeichnungen ist.
Er ist also kein junger Mensch, der vor den Toren europäischer Länder darauf wartet, Asyl zu beantragen.
DAS BILD IST WIRKLICH SEHR BESORGENEREGEND!
Inwieweit ist die harte Haltung der EU, Türken keine Visa zu erteilen, gerechtfertigt, während die zunehmenden Migrationsbewegungen den alten Kontinent in seinen Grundfesten erschüttern?
Tatsächlich liegt im Hintergrund des Problems eine tiefe außenpolitische Krise.
Aus diesem Grund ist es in der heutigen Welt zu einem erheblichen Nachteil geworden, Staatsbürger der Republik Türkei zu sein.
Es ist offensichtlich, dass die Tatsache, dass die Türkei auf der Hauptroute der modernen Völkerwanderung liegt, die in den letzten 20 Jahren immer deutlicher wurde, und die List der Regierung, dies in der Außenpolitik als Hebel zu benutzen, in Verbindung mit den sich stetig verschlechternden sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen des Landes eine Reihe von Problemen mit sich gebracht hat, die nahezu unlösbar sind.
Die Jugend, die unsere Hoffnung und unsere Zukunft sein sollte, will ihre Sachen packen und dieses Land verlassen.
Während Europa, insbesondere Deutschland, diejenigen, die kommen wollen, durch ein feines Sieb prüft und sich die qualifiziertesten Arbeitskräfte aussucht, werden diejenigen, die in der Türkei bleiben wollen und sagen: „Ich lege ein paar Groschen beiseite, schaue mir Europa ein wenig an und kehre dann in mein Land zurück, um meiner Arbeit nachzugehen“, an den Konsulatstüren wie potenzielle Asylbewerber behandelt.
Das heißt, sie können nicht einmal als Touristen nach Europa reisen.
Abgesehen von denjenigen, die vor den immer härteren Lebensbedingungen im Land fliehen, versuchen Afghanen, Pakistaner, Syrer und sogar Menschen afrikanischer Herkunft, die auf die eine oder andere Weise in die Türkei gekommen sind, mit einem Pass der Republik Türkei in der Tasche nach Europa zu gelangen.
Genau hier liegt der springende Punkt.
Während wir uns fragten: „Wie konnten diese Menschen so schnell türkische Staatsbürger werden und einen Pass erhalten?“, kam vor Kurzem eine skandalöse Entwicklung an der serbisch-ungarischen Grenze ans Licht, die die Türkei unmittelbar betrifft.
Lassen Sie uns ohne Umschweife zum Punkt kommen.
Der serbische Innenminister Bratislav Gašić, der auch ehemaliger Geheimdienstchef seines Landes ist, wandte sich vor Kurzem an die türkische Botschaft in Belgrad und teilte mit, dass er ein Gespräch zu einem wichtigen Thema führen wolle.
Schnell wurde ein Termin vereinbart.
Bratislav Gašić traf sich mit dem türkischen Botschafter Hami Aksoy und forderte die Einrichtung einer gemeinsamen Taskforce zwischen Serbien und der Türkei zur Bekämpfung des Menschenhandels.
Bratislav Gašić erläuterte die Gründe für seine Forderung im Detail.
Er erklärte, dass in der Stadt Subotica an der serbisch-ungarischen Grenze afghanische Menschenhändler aktiv seien und von dort aus Menschen nach Europa schmuggelten, und berichtete, dass ein Teil von ihnen von der serbischen Polizei mit automatischen Waffen festgenommen worden sei.
Er führte die Entwicklungen in dieser Region als Argument an und deutete diplomatisch an: „Die Quelle des Problems seid ihr.“
Denn bei der Mehrheit der Mitglieder des von der serbischen Polizei ausgehobenen Schleusernetzwerks afghanischer Herkunft wurden Pässe der Republik Türkei gefunden.
Bratislav Gašić betonte, dass in den letzten 7 Tagen bei Operationen etwa 300 Personen mit einem Pass der Republik Türkei festgenommen und abgeschoben wurden, und dass sich zudem etwa 500 türkische Staatsbürger in Abschiebezentren befänden.
Er berichtete auch von kleineren bewaffneten Zusammenstößen zwischen der Schleuserbande und der serbischen Polizei.
Das ist noch nicht alles, was Bratislav Gašić zu sagen hatte.
Im Gespräch legte er noch viel brisantere Details offen.
Die serbische Polizei hat bei den Operationen zahlreiche Pässe der Republik Türkei sichergestellt, die auf andere Namen ausgestellt waren als die der Personen, bei denen sie gefunden wurden.
Es handelt sich um Pässe, die von denjenigen, die aus der Türkei kommen und in europäische Länder fliehen wollen, bei den Schleusern hinterlassen wurden, um im Zielland nicht abgeschoben zu werden.
Ein Detail entging der serbischen Polizei nicht.
Nach einer kurzen Untersuchung stellte sich heraus, dass die Pässe, die bei dieser Gruppe gefunden wurden, im September-Oktober 2023 ausgestellt worden waren.
Es ist offensichtlich, dass es sich um eine organisierte Aktivität handelt! Offenbar hat jemand gezielt daran gearbeitet, Pässe für diejenigen auszustellen, die über Serbien nach Europa fliehen wollen.
Zudem hat die serbische Polizei festgestellt, dass die Zahl der türkischen Staatsbürger, die in den letzten drei Monaten nach Subotica kamen, um in EU-Länder weiterzureisen, bei über 10.000 liegt.
Der serbische Innenminister Gašić sagte dem türkischen Botschafter sinngemäß: „Die Route führt ohnehin über euch, mein Freund. Die bewaffneten Schleuser hier sind Afghanen mit türkischen Pässen. Auch eure eigenen Bürger versuchen von hier aus zu fliehen. Wir haben so viele Pässe beschlagnahmt. Wir haben Verpflichtungen gegenüber der EU, lasst uns gemeinsam eine Taskforce gründen.“
Das Außenministerium weiß bereits, dass die EU die Balkanländer mit ähnlichen Argumenten unter Druck setzt, die Grenzsicherheit zu gewährleisten, da legale und illegale Migrantengruppen aus dem Iran, Afghanistan und dem Irak über die Türkei kommen.
Dies gilt auch für die EU-Mitglieder Bulgarien und Griechenland.
Letztendlich sandte Botschafter Hami Aksoy den Dialog mit dem serbischen Innenminister und dessen Forderung an die Türkei per Krypto-Depesche an die Zentrale, also an das Außenministerium.
Das Außenministerium informierte die zuständigen Behörden, allen voran das Innenministerium, mit einem Schreiben über das Thema und bat um eine Stellungnahme, ob eine solche Taskforce eingerichtet werden solle oder nicht, und falls ja, welchen Umfang sie haben solle.
Ob die Türkei geantwortet hat und ob diese Taskforce eingerichtet wird oder wie sie aussehen wird, ist noch nicht geklärt.
Aber unterstreichen wir noch einmal dick, wie wichtig dieses Thema ist. Dass bei afghanischen Menschenhändlern in Serbien Pässe der Republik Türkei gefunden wurden und dass die von den Flüchtlingen hinterlassenen Pässe zudem in den letzten zwei Monaten ausgestellt wurden, wirft natürlich zahlreiche Fragen auf.
Wer sich auch nur ein wenig mit aktuellen Entwicklungen befasst, weiß sehr wohl, dass der Menschenhandel eine wichtige Säule der Erpressungspolitik ist, die Recep Tayyip Erdoğan gegenüber europäischen Ländern, allen voran Deutschland, mit illegalen Migranten betreibt.
Die Regierung droht offen: „Zieh nicht die Augenbrauen hoch, sonst öffne ich die Tore für alle Asylbewerber und illegalen Migranten“, und signalisiert gleichzeitig durch das Wegsehen bei den Aktivitäten von Menschenhändlern, dass sie Europa jederzeit durch Migranten destabilisieren kann.
Während das Bild in aller Deutlichkeit vor uns liegt, ist es schwer zu sagen, ob die Türkei der Einrichtung einer gemeinsamen Taskforce, wie sie der serbische Innenminister fordert, zustimmen wird.
Sollten die zuständigen Behörden ihre Zustimmung geben, müssten auch Einheiten zur Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität in die gemeinsame Taskforce einbezogen werden, damit Ergebnisse erzielt werden können.
Zum Abschluss können wir sagen, dass dieser Skandal in Serbien nur die Spitze des Eisbergs ist.
Solange die Türkei nicht aus dem Sumpf herauskommt, in den sie geraten ist, nicht davon ablässt, Außenpolitik mit schmutzigen Spielen zu betreiben, die in dunklen Hinterzimmern ausgeheckt werden, und kurz gesagt, solange sie nicht – wie in fast allen anderen Bereichen auch – in der Diplomatie zu den Gründungsprinzipien der Republik zurückkehrt, die auf Rationalität, Wissenschaftlichkeit, Frieden und vollständiger Unabhängigkeit basieren, wird dieses Land für uns alle weiterhin ein Freiluftgefängnis bleiben.
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