Bei Habertürk hat er zwar nicht geregnet, aber gewaltig gedonnert.
Er nahm kein Blatt vor den Mund und ließ kein gutes Haar an Tayyip Erdoğan.
Was er sagte, war harter Tobak. Es war offensichtlich, dass sich bei ihm einiges angestaut hatte.
Den CHP-Anhängern, die die Sendung verfolgten, oder den Oppositionellen im Land, die bei der letzten Wahl mit dem Gedanken „Es ist an der Zeit, diese Leute loszuwerden...“ ihr Kreuz bei der CHP gemacht haben, dürfte das wie Balsam auf der Seele getan haben.
Man muss ihm zugestehen: Er hat die Regierung und ihre Gefolgschaft in einer Sprache kritisiert, die sie verstehen.
Aber das war es auch schon...
Leider gilt, wie wir immer sagen: Mit großen Worten allein lässt sich kein Staat machen.
Auch wenn seine Rhetorik bewundernswert ist, scheint er darauf aus zu sein, in politisch äußerst gefährliche Gewässer zu segeln.
Betrachtet man seine Aussagen zu dem Verratsprozess, den sie dem Volk als „Türkei ohne Terror“ zu verkaufen versuchen, so hat er die Absicht, wissentlich und willentlich in die Falle der Regierung zu tappen.
Er ziert sich zwar noch ein wenig, aber er brennt darauf, in die Kommission einzutreten, die im Parlament gebildet werden soll.
Die CHP wolle einen positiven, konstruktiven und wohlwollenden Beitrag zu den Aufgaben leisten, die in diesem Prozess auf die Legislative zukommen.
Dabei sind die Regierung und ihr schüchterner Partner DEM nur darauf aus, der CHP zuzuwinken, um diesem Verratsprozess Legitimität zu verleihen. Schließlich hat man bei der Kommunalwahl unter dem Schlagwort „Städte-Konsens“ bereits mit den Kurden-Nationalisten kooperiert; das lässt sich im Parlament fortsetzen.
Sie kalkulieren damit, dass der Widerstand in der Bevölkerung, insbesondere im oppositionellen Lager, abebbt, wenn die CHP in den Prozess involviert wird.
Sagen wir es ohne Umschweife: Sie lassen die CHP das Land an den Abgrund führen.
Wir haben gewarnt: Sollte sich das Blatt eines Tages wenden, wird sich Tayyip Erdoğan mit den Worten „Wir wurden getäuscht, möge Gott uns vergeben“ aus der Affäre ziehen, während er selbst völlig isoliert dasteht. Danach wird er weinend versuchen, das Volk davon zu überzeugen: „Wir haben nicht mit Terroristen kooperiert.“
Doch noch schmerzlicher und gravierender ist, dass Özgür Özel die Bemühungen der Imperialisten, mit ihrem „Großen Nahostprojekt“ die Republik, den Laizismus, den Nationalstaat sowie die Einheit und Integrität des Landes zu zerstören, auf den Mangel an Demokratie in der Türkei zurückführt!
Schreiben wir es offen: Die Kurden-Nationalisten hatten nie ein solches Anliegen. Wenn sie sich wirklich darum sorgen würden, würden sie nicht offen und geheim mit der mittelalterlichen Mentalität kooperieren, die das Land im Griff hat, und sie würden nicht grünes Licht dafür geben, dass Tayyip Erdoğan lebenslang auf diesem Stuhl sitzt, nach dem Motto: „Hauptsache, du tust, was wir wollen.“
Sie wissen ganz genau, dass das Ende des Prozesses auf die Institutionalisierung eines neo-hamidischen Regimes hinausläuft, bei dem Tayyip Erdoğan zum gewählten Sultan und Kalifen der Umma wird, aber das ist ihnen völlig egal.
Nun gut, sie haben ihre eigenen Ziele... Aber was treibt die CHP an?
Die ganze Welt sieht, dass die PKK und ihr politischer Ableger DEM als nützliche Instrumente der USA im Nahen Osten den Interessen des Imperialismus dienen – hat Özgür Özel etwa den Blick verloren?
Unterstreichen wir es dick:
Gleichberechtigte und würdevolle Bürger der Republik Türkei zu sein, passt den Kurden-Nationalisten nicht in den Kram. Sie fordern offen Privilegien für ihre ethno-feudale Mentalität. So können sie ihren Herren jenseits des Atlantiks noch besser dienen.
Leider hat Özgür Özel keine prinzipielle Gegenposition zu diesem Thema.
Er vertritt eher die Haltung: „Wir widersprechen nicht im Grundsätzlichen, aber lassen Sie uns über das Verfahren diskutieren.“
Und das spielt Tayyip Erdoğan nur allzu sehr in die Hände.
Özgür Özel sagte öffentlich:
„Erdoğan ist in einem gewissen Alter, er hat seine Urteilsfähigkeit verloren, er hat seine Regierungsfähigkeit verloren, er ist von seinem Ehrgeiz zerfressen, er ist zu jemandem geworden, der seinen Verstand so weit verloren hat, dass er seine Gegner ins Gefängnis steckt, jemand, der von Demokratie keine Ahnung hat. Daher hat es keinen Sinn, jedes Wort Erdoğans überzubewerten oder zu diskutieren.“
Nun, gibt es einen Sinn darin, politisch jemandem zu folgen, der sechs Jahre älter ist als Erdoğan; von dem zudem jeder weiß, dass er seine Urteilsfähigkeit längst verloren hat; der nichts von Demokratie, Menschenrechten oder Rechtsstaatlichkeit weiß; der mit seiner mafiösen Struktur alle wichtigen Schaltstellen im Land besetzt hält und Menschen bedroht oder verprügeln lässt, wenn sie ihm nicht passen; kurzum, jemand, dessen Dienste für dunkle Kreise offensichtlich sind?
Offensichtlich misst Özgür Özel dem eine Bedeutung bei.
Natürlich ist das kein Problem von heute!
Die CHP steht seit Jahren unter dem Einfluss des „identitätspolitischen“ Klimas, das von jenseits des Atlantiks herüberweht...
Das in der Partei festgesetzte ethnisch und sektiererisch geprägte Personal treibt das Geschäft der Regierung voran, indem es so tut, als würde es Opposition betreiben, während es in einer für den Fortbestand des Landes so kritischen Frage eigentlich das Gegenteil tut.
Sie machen sich nicht einmal die Mühe, dies zu verbergen.
Özgür Özel hat es zwischen den Zeilen seiner Rede treffend formuliert:
„Das Thema, das wir als eine Türkei ohne Terror bezeichnen, scheitert an Erdoğans persönlichem Ehrgeiz und seinen Leidenschaften, an seinem zeitweiligen Zögern und seinem zeitweiligen Vorpreschen; manchmal bleibt er zurück, weil er nicht den nötigen Mut aufbringt. Denn er hat eine Vergangenheit, in der er Prozesse schlecht geführt hat. Als die Republikanische Volkspartei ihm in der Vergangenheit sagte: ‚Wir unterstützen dich, wir geben dir Kredit, aber tu das Richtige‘, antwortete er: ‚Behalt deinen Kredit und schlag ihn dir um die Ohren‘.“
Was soll man dazu noch sagen...
Die Regierung sagt offen: „Ich werde die Kurden-Nationalisten zu Miteigentümern des Landes machen, die Republik Türkei zerstören und eine islamistisch-kurdische Föderation gründen, die türkische Identität auslöschen und anstelle der Nation die Umma setzen“, aber Özgür Özel ist immer noch darauf aus, Tayyip Erdoğan Kredit zu gewähren!
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