Obwohl der Tod des großen Staatsmannes Mustafa Kemal Atatürk am 10. November 1938 die gesamte Türkei in tiefe Trauer stürzte, erwies sich sein Begräbnis als einer der wohl greifbarsten Beweise für seinen Erfolg auf dem diplomatischen Parkett. Tatsächlich verwandelte das Interesse, das ausländische Staaten an Atatürks Beisetzung am 21. November zeigten, das Prinzip „Frieden in der Heimat, Frieden in der Welt“ in eine machtvolle Demonstration.
In den Tagen, als Atatürk verstarb, wurde die Welt täglich von neuen internationalen Krisen erschüttert und Europa steuerte mit voller Geschwindigkeit auf einen neuen Weltkrieg zu. Abessinien war 1936 von den Italienern besetzt worden. Der Bürgerkrieg in Spanien und die japanische Besatzung in China dauerten in vollem Gange an.
Europa war durch den revisionistischen Block, angeführt von Hitler und Mussolini, klar in zwei Lager gespalten. In jenen Tagen kamen deutsche, italienische, französische und britische Delegationen nur selten zusammen, es sei denn, es ging um die von Hitler und Mussolini provozierten Krisen.
Mit Atatürks Tod sollte diese krisengeschüttelte Atmosphäre zumindest kurzzeitig pausieren. Denn Atatürk war ein Anführer, dessen Politik sowohl von Kommunisten als auch von Faschisten und Demokraten in einer Welt, die sich rapide polarisierte, bewundert und als Vorbild genommen wurde.
Für Italien und Deutschland war Atatürk ein beispielloser Anführer, der sich mit Gewalt nahm, was ihm zustand, und der sein eigenes Schicksal selbst in die Hand nahm, ohne sich England und Frankreich zu beugen. Sowohl für Mussolini als auch für Hitler stellten die Aufhebung des Vertrags von Sèvres und die Unterzeichnung des Vertrags von Lausanne das einzige Beispiel für ihre außenpolitischen Ziele dar. Tatsächlich holten sie in den Tagen, als Atatürk verstarb, die Zugeständnisse, die sie nach dem Ersten Weltkrieg bei den Pariser Friedensverhandlungen gemacht hatten, Stück für Stück zurück.
Für England und Frankreich hingegen war Atatürk ein Symbol für den Weltfrieden. Obwohl die Türkei einst ihr Feind war, wünschten sie sich, dass auch andere Anführer genau jene Außenpolitik verfolgten, die Atatürk nach dem Unabhängigkeitskrieg eingeschlagen hatte, um eine Katastrophe wie den Ersten Weltkrieg zu verhindern.
Für Sowjetrussland war die Türkei seit 1920 ein Freund und aufgrund ihres Aufbegehrens gegen den Imperialismus auch ein Schicksalsgefährte. Das stalinistische Russland neigte selten dazu, Freundschaften mit nicht-kommunistischen Ländern zu schließen. In dieser Hinsicht nahm die Türkei eine Ausnahmestellung ein.
Atatürks Begräbnis sollte eine der letzten Veranstaltungen sein, bei denen diese Länder, die sich untereinander im Kalten Krieg befanden, auf einen gemeinsamen Nenner kamen und sich zu einem friedlichen Zweck versammelten.
Der deutsche Kreuzer Emden und das britische Schlachtschiff Malaya begleiteten zusammen mit russischen Zerstörern und Kriegsschiffen anderer Nationen die Yavuz, die Atatürks sterbliche Überreste von Istanbul nach İzmit überführte.
Auch in Ankara marschierten die Militäreinheiten dieser rivalisierenden Länder in Eintracht bei einer Parade. Soldaten der griechischen, britischen, französischen, deutschen, russischen, bulgarischen, jugoslawischen, rumänischen und iranischen Armee trugen am 21. November gemeinsam mit türkischen Soldaten Atatürks Sarg zum Ethnographischen Museum.

Zahlreiche militärische und zivile Delegationen aus unzähligen Ländern erwiesen Atatürks Sarg respektvoll die letzte Ehre. Ein solches Bild sollte sich im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs nicht noch einmal bieten.
Man kann sagen, dass Atatürks Begräbnis der Beweis für den Erfolg des Prinzips „Frieden in der Heimat, Frieden in der Welt“ war. Tatsächlich war die Türkei, wie von Atatürk erträumt, zum Zentrum des Friedens geworden. Doch dieser Erfolg sollte leider auf die Türkei beschränkt bleiben.
Mit dem Ende der Trauerfeier nahmen die Delegationen, die Atatürks Sarg Seite an Seite verabschiedet hatten, wieder ihre Plätze in den gegnerischen Lagern ein, und der Weg in den Zweiten Weltkrieg setzte sich dort fort, wo er unterbrochen worden war.
Die Türkei hingegen blieb auf dem von Atatürk vorgezeichneten Weg und verstand es, sich aus dem Krieg herauszuhalten, der ein Jahr später ausbrechen sollte.
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