Im Israel-Hamas-Krieg hat die islamische Welt Israel weitgehend verurteilt und sich hinter Palästina gestellt. Die einzige Partei jedoch, die eine nennenswerte Reaktion in die Tat umsetzte, waren die Huthi, eine schiitische Gruppe, die den Westen des Jemen kontrolliert. Die Huthi beschlossen nach dem Raketeneinschlag auf dem Parkplatz des Al-Ahli-Krankenhauses am 17. Oktober einzugreifen. Seit dem 19. Oktober führten sie Angriffe auf den Süden Israels durch und ab dem 19. November nahmen sie den mit Israel verbundenen Seehandel im Roten Meer ins Visier.
Die Huthi, die 2004 einen Aufstand gegen die jemenitische Regierung begannen, ließen diesen 2014 in einen Bürgerkrieg eskalieren. Der jemenitische Staat konnte die vom Iran unterstützten Huthi nicht in den Griff bekommen. Die Huthi eroberten die Hauptstadt Sanaa und begannen, in das Landesinnere des Jemen vorzustoßen. Als feststand, dass die jemenitische Armee die Huthi nicht aufhalten konnte, griff Saudi-Arabien ein und bildete mit Unterstützung der USA eine Koalition aus arabischen Staaten gegen die Huthi. Obwohl man anfangs davon ausging, dass die Huthi schnell besiegt würden, bewahrheitete sich diese Prognose nicht. Die Koalition stoppte zwar den Vormarsch der Huthi, konnte aber das von ihnen besetzte Gebiet nicht zurückerobern. Der 2014 begonnene Bürgerkrieg dauert bis heute an.
Die Huthi führten ihre Angriffe, die direkt auf Israel abzielten, mit Langstreckenraketen und unbemannten Luftfahrzeugen (Drohnen) durch. Diese Angriffe waren nicht erfolgreich. Die überwiegende Mehrheit der abgefeuerten Raketen und Drohnen wurde von israelischen Streitkräften und der US-Marine in der Luft abgeschossen. Die verbleibenden Geschosse verfehlten ihre Ziele und schlugen an unbedeutenden Orten ein.
Bei den Angriffen auf den Seehandel kann man jedoch von einem Teilerfolg sprechen. Seit dem 19. November haben die Huthi bei ihren Angriffen zwei Schiffe geentert und eines davon entführt. Ihre weiteren Angriffe führten sie mit Raketen und Drohnen durch und beschädigten dabei elf Schiffe. Unter den angegriffenen Schiffen befanden sich auch solche, die keinerlei Verbindung zu Israel hatten. Wie sehr der von den Huthi geführte Wirtschaftskrieg gegen den Seehandel Israel schadet, ist derzeit unklar, und es scheint, als habe er keinen sichtbaren Einfluss auf den Verlauf des Krieges in Gaza. Sie haben jedoch den Seehandel im südlichen Roten Meer nahezu vollständig zum Erliegen gebracht. Dies bedeutet, dass das Rote Meer für die Schifffahrt weitgehend gesperrt ist.
Reedereien haben davon abgesehen, den Suezkanal zu nutzen, und ihre Routen um das südliche Afrika verlegt. Dies bedeutet eine Verlängerung der Schiffsrouten um bis zu 6000 Seemeilen. Diese Entwicklung hat zu enormen finanziellen Verlusten und Kettenreaktionen bei den Lieferverzögerungen geführt. Tesla und Volvo haben aufgrund von Teilemangel die Produktion in ihren Werken zeitweise unterbrochen. Da die längeren Fahrtzeiten der Schiffe die Frachtraten in die Höhe getrieben haben, sind mit Ausnahme der Reedereien, deren Gewinne gestiegen sind, alle Akteure, die direkt oder indirekt mit dem Seehandel im Roten Meer verbunden sind, geschädigt.
Die Huthi verfügen eigentlich nicht über eine nennenswerte Angriffskraft. Obwohl sie im zehnjährigen Bürgerkrieg gegen die von Saudi-Arabien geführte Koalition einen unerwarteten Widerstand geleistet haben, ist ihre Angriffskapazität sehr begrenzt. Dennoch fungiert ihre geografische Lage als einzigartiger Kraftmultiplikator für einen Wirtschaftskrieg auf See. Die Bab-el-Mandeb-Straße zwischen dem Jemen und Dschibuti ist das einzige Ein- und Ausgangstor zum Roten Meer im Süden. Schiffe, die den Suezkanal nutzen, um vom Indischen Ozean ins Mittelmeer zu gelangen oder vom Mittelmeer in den Indischen Ozean zu fahren, müssen diesen Engpass passieren und zwangsläufig an der jemenitischen Küste vorbeifahren. Das macht sie zu einem sehr leichten Ziel. Die Raketen, die die Huthi aus dem Iran erhalten haben, besitzen keine nennenswerte Zerstörungskraft, und bisher konnten sie noch kein Schiff versenken. Da ihr Ziel jedoch „Abschreckung“ ist, muss die abgefeuerte Munition nicht einmal das Schiff treffen. Es reicht aus, das Ziel zu bedrängen. Die Huthi sind in der Lage, unter Nutzung des geostrategischen Vorteils ihrer Region eine begrenztere Version des Wirtschaftskrieges zu führen, den die Deutschen im Ersten und Zweiten Weltkrieg mit U-Booten betrieben haben.
Mit ihrem Wirtschaftskrieg haben die Huthi sogar den Unmut von China und Russland auf sich gezogen, die meist gegen Israel und Amerika stehen. Dass eine Reaktion Israels und seiner Verbündeten auf die Huthi-Angriffe folgen würde, war unvermeidlich, und die lang erwartete Antwort kam am 12. Januar von den USA und Großbritannien. Seit dem 12. Januar führen die USA und Großbritannien Luft- und Marschflugkörperangriffe auf militärische Ziele der Huthi durch. Die Ziele beschränken sich derzeit auf Waffen und Radaranlagen, die den Seehandel bedrohen. Das derzeitige Ziel der USA und Großbritanniens besteht lediglich darin, die Huthi abzuschrecken und ihre Angriffskapazitäten zu zerstören. Doch die Huthi zeigten, dass sie nicht nur nicht zurückweichen, sondern den Krieg eskalieren wollen, indem sie ab dem 14. Januar neben Handelsschiffen auch amerikanische und britische Kriegsschiffe ins Visier nahmen (alle abgefeuerten Raketen wurden abgeschossen, bevor sie die Kriegsschiffe erreichten).
Derzeit deuten alle Zeichen darauf hin, dass sich die Konflikte im Jemen weiter verschärfen werden. Dass das Rote Meer für die Schifffahrt gesperrt bleibt, ist kein akzeptabler Zustand und ein Problem, das so schnell wie möglich gelöst werden muss. Es scheint, als hätten die Huthi nicht die Absicht, einen Schritt zurückzuweichen, solange Israel den Krieg in Gaza nicht beendet. Es wird angenommen, dass die Huthi, die seit zehn Jahren einer weitaus stärkeren Koalition widerstehen, nicht allein durch Luftangriffe gestoppt werden können, was eine Bodenoperation erforderlich machen würde. Angesichts der Entschlossenheit und Kampfkraft der Huthi könnte jedoch eine Bodenoperation der USA im Jemen neue Probleme in der Region heraufbeschwören.
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