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Das wahre Gesicht des 1. Mai: Ein Tag, an dem nicht die Arbeit gefeiert, sondern der Lebensunterhalt hinterfragt wird

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Heute ist der 1. Mai… der Tag der Arbeit, des Schweißes und der Solidarität. Doch in diesem Jahr begehen wir den 1. Mai nicht nur im Schatten einer Feier, sondern unter dem Eindruck einer harten wirtschaftlichen Realität: In der Türkei geht es nicht mehr darum, Arbeit zu haben, sondern von der Arbeit leben zu können.

Die veröffentlichten Daten zeigen, dass der Lohn für die Arbeit nicht einmal mehr die grundlegendsten Lebenshaltungskosten deckt; die Verbindung zwischen Einkommen und Leben reißt rapide ab. Auch wenn wirtschaftliche Debatten meist um Wachstumsraten, Zinsentscheidungen und makroökonomische Indikatoren kreisen, wird das wahre Gleichgewicht des Lebens in der Küche bestimmt. Heute offenbart diese Küche ein Bild, das über bloße Zahlen hinausgeht und das Leben selbst berührt. Die Daten von TÜRK-İŞ zur Hunger- und Armutsgrenze für April 2026 stehen als konkretester und eindrucksvollster Ausdruck dieses Zustands vor uns.

HUNGER- UND ARMUTSDATEN: Der Bruch zwischen Lebenshaltungskosten und Lohn

Die Daten von TÜRK-İŞ für April 2026 legen das Bild, mit dem die Arbeitnehmerschaft in der Türkei konfrontiert ist, unmissverständlich offen. Der Mindestlohn von 28.075 TL liegt sogar unter der Hungergrenze von 34.586 TL, die lediglich die Ausgaben für Lebensmittel abbildet. Dies zeigt, dass Millionen von Arbeitnehmern in eine Spirale aus Verschuldung und Verarmung geraten, noch bevor sie ihre grundlegendsten Bedürfnisse decken können.

Die Hungergrenze, also der monatliche Betrag, den eine vierköpfige Familie für eine gesunde, ausgewogene und ausreichende Ernährung aufwenden muss, hat 34.586 TL erreicht. Rechnet man Wohnen, Transport, Bildung, Gesundheit und andere notwendige Ausgaben hinzu, steigt die Armutsgrenze auf 112.660 TL. Selbst die Mindestlebenshaltungskosten eines alleinstehenden Arbeitnehmers liegen bei 44.802 TL.

Dieses Bild verdeutlicht, dass die Schere zwischen Einkommen und Lebenshaltungskosten immer weiter auseinandergeht und das Prinzip „von der Arbeit leben“ systematisch ausgehöhlt wird. Das Problem ist längst nicht mehr das einer bestimmten Gruppe, sondern zur gemeinsamen Realität breiter Bevölkerungsschichten geworden.

Auch der Verlauf der Kücheninflation verschärft dieses Bild. Die monatliche Steigerungsrate von 5,47 % und die jährliche von 43,90 % üben einen massiven Druck auf die Ausgabenmuster insbesondere einkommensschwacher Haushalte aus. Denn Lebensmittelausgaben lassen sich nicht aufschieben; daher ist die härteste Auswirkung der Inflation direkt am Esstisch spürbar. Das resultierende Bild lässt sich in einem einzigen Satz zusammenfassen:

Millionen von Arbeitnehmern in der Türkei leben offiziell unter der Hungergrenze.

STEIGENDER LOHN, SINKENDES LEBEN: Das Problem ist nicht nur der Lohn

Der Mindestlohn stellt theoretisch das niedrigste gesetzliche Einkommen dar, das ein Arbeitnehmer für seine Arbeit erhalten kann. In der Türkei hat er diese Definition jedoch längst überschritten und ist faktisch zu einem „Referenzlohn“ geworden, der den grundlegenden Lebensstandard von Millionen Arbeitnehmern bestimmt. Daher wirkt sich jede Änderung des Mindestlohns nicht nur auf eine kleine Gruppe, sondern direkt auf einen großen Teil der Gesellschaft aus.

Obwohl es in den letzten Jahren nominelle Erhöhungen des Mindestlohns gab, ist der reale Gegenwert dieser Erhöhungen gegenüber den Lebenshaltungskosten entscheidend. Zum heutigen Zeitpunkt ist offensichtlich, dass das Tempo der Lohnerhöhungen hinter den Preisen für Grundbedürfnisse zurückbleibt. So lag der Anstieg der Hungergrenze im letzten Jahr bei etwa 44 %, während die Mindestlohnerhöhung auf 27 % begrenzt blieb. Die Differenz von etwa 17 Prozentpunkten ist mehr als ein statistisches Detail; sie drückt den direkten Verfall des Lebensstandards aus.

Der aktuelle Mindestlohn von 28.075 TL deckt lediglich etwa 81 % der reinen Lebensmittelausgaben einer vierköpfigen Familie. Das bedeutet, dass ein Arbeitnehmer trotz Vollzeitarbeit nicht einmal die grundlegendsten Bedürfnisse seiner Familie vollständig decken kann. Somit hat sich der Mindestlohn von einer „Existenzsicherung“ entfernt und wandelt sich zunehmend zu einer „Unzulänglichkeitsschwelle“.

Die strukturelle Dimension des Problems zeigt sich in der Verbreitung des Mindestlohns. In der Türkei ist der Mindestlohn kein außergewöhnliches Lohnniveau mehr, sondern ein Einkommensband, das sich dem Durchschnitt annähert. Dass ein erheblicher Teil der Arbeitnehmer ein Einkommen auf oder nahe dem Mindestlohn erzielt, zeigt, dass die Mittelschicht schrumpft und sich die Lohnverteilung im unteren Bereich konzentriert.

Dieses Bild deutet nicht nur auf eine individuelle Einkommensschwäche hin, sondern auf ein breiteres Problem der Wirtschaftsstruktur. Denn in einer Wirtschaft, in der die Löhne niedrig bleiben, schwächt sich die Binnennachfrage ab, die Verschuldung der Haushalte steigt und das soziale Wohlfahrtsgleichgewicht gerät aus den Fugen. Folglich lässt sich die Mindestlohndebatte heute nicht mehr auf die Frage „Wie stark muss er erhöht werden?“ reduzieren. Das eigentliche Problem ist, warum die Löhne systematisch hinter den Lebenshaltungskosten zurückbleiben und warum der Anteil der Arbeit am Produktionsergebnis stetig sinkt.

DIE MATHEMATIK DES LEBENS IST GESTÖRT: Mangelwirtschaft selbst im individuellen Leben

Einer der auffälligsten Aspekte des Bildes ist, dass sich das Problem nicht nur auf die Familienebene beschränkt. Die Berechnung der Lebenshaltungskosten eines alleinstehenden Arbeitnehmers zeigt deutlich, dass das aktuelle Lohnniveau selbst für eine alleinlebende Person nicht nachhaltig ist.

Während die Mindestlebenshaltungskosten eines alleinstehenden Arbeitnehmers im April 2026 auf 44.802 TL berechnet wurden, liegt der Netto-Mindestlohn bei 28.075 TL. Dies bedeutet bereits zu Monatsbeginn eine Lücke von etwa 16.727 TL. Mit anderen Worten: Selbst eine alleinlebende Person kann ihr Leben nicht allein durch ihre Arbeit finanzieren.

Die Frage, wie diese Lücke geschlossen wird, konfrontiert uns mit einer ebenso sozialen wie wirtschaftlichen Realität. In der Praxis wird diese Differenz meist durch drei Methoden ausgeglichen: Verschuldung, Verzicht auf Konsum und die Suche nach Nebeneinkünften. Kreditkarten, Konsumentenkredite und aufgeschobene Zahlungen erhöhen die Verschuldung, während Einsparungen bei Ernährung, Gesundheit und sozialen Ausgaben die Lebensqualität direkt senken. Andererseits verlängern informelle oder unsichere Nebenjobs die Arbeitszeit des Einzelnen, ohne jedoch dessen Wohlstand zu erhöhen.

Keine dieser Methoden ist jedoch eine dauerhafte Lösung. Denn hier geht es nicht nur um das Haushaltsgleichgewicht, sondern um die Nachhaltigkeit des Lebens. Ein menschenwürdiges Leben beinhaltet nicht nur das bloße Überleben, sondern auch ausgewogene Ernährung, gesundes Wohnen, die Teilhabe am sozialen Leben und die Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung. Das aktuelle Lohnniveau schließt einen erheblichen Teil dieser Bereiche systematisch aus. Daher drückt das resultierende Bild weit mehr aus als nur eine individuelle „Einkommenslücke“. Dass selbst ein alleinlebender Arbeitnehmer seine Lebenshaltungskosten nicht decken kann, ist einer der klarsten Indikatoren dafür, wie tiefgreifend und strukturell das Problem der Lohnstruktur ist.

KÜCHENINFLATION: Das leiseste, aber härteste Gesicht der Krise

Die Küche ist der Bereich, in dem die Wirtschaftskrise am wenigsten sichtbar, aber am tiefsten spürbar ist. Denn Lebensmittel sind ein Ausgabenposten, der nicht aufgeschoben werden kann und nur begrenzt substituierbar ist. Daher schlägt sich jede Preiserhöhung direkt auf den Lebensstandard nieder. Laut den Daten von TÜRK-İŞ für April 2026 ist die Kücheninflation monatlich um 5,47 % gestiegen. Im Vormonat lag dieser Wert bei 1,32 %. Der jährliche Anstieg hat 43,90 % erreicht. Diese Daten deuten nicht nur auf ein hohes Inflationsniveau hin, sondern auch auf einen erneut beschleunigten Trend bei den Lebensmittelpreisen.

Noch wichtiger ist, dass die Auswirkungen dieses Anstiegs auf das Haushaltsbudget schwerer wiegen als die allgemeine Inflation. Denn einkommensschwache Schichten müssen einen viel größeren Teil ihres Einkommens für Lebensmittel aufwenden. Daher ist der Anstieg der Lebensmittelpreise für diese Gruppen nicht nur eine Preisbewegung, sondern bedeutet direkt eine Verengung des Lebensraums.

Die Preise für Grundnahrungsmittel im April 2026 verdeutlichen diesen Druck. Während der Preis für 200 Gramm Brot in Ankara um 14,50 % auf 17,50 TL stieg, wurden der durchschnittliche Obstpreis auf 131,50 TL pro Kilogramm und der Gemüsepreis auf 94,30 TL berechnet. Diese Niveaus zeigen, dass eine gesunde und ausgewogene Ernährung immer kostspieliger wird.

An diesem Punkt tritt ein wichtiger Bruch auf: Wenn die Preise steigen, müssen die Haushalte nicht nur weniger konsumieren; sie weichen auch auf Produkte mit geringerem Nährwert aus. Der Rückgang des Konsums von Fleisch, Milch und frischen Lebensmitteln senkt langfristig die Ernährungsqualität und hat dauerhafte Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit. Daher ist die Lebensmittelinflation nicht nur ein wirtschaftlicher Indikator. Sie ist auch eine Frage der Lebensqualität und der öffentlichen Gesundheit. Diese Verengung, die am Esstisch beginnt, zieht mit der Zeit das allgemeine Niveau des gesellschaftlichen Wohlstands nach unten. Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Kücheninflation ist das leiseste, aber härteste Gesicht der Krise. Denn ihre Wirkung ist nicht in Statistiken, sondern direkt im Leben spürbar.

DIE GEMEINSAME LEBENSREALITÄT VON MILLIONEN: Ein gesellschaftliches, kein individuelles Problem

Der entscheidende Faktor, der die Mindestlohndebatte von einer individuellen Einkommensfrage abhebt, ist die Größe der Gruppe, die mit einem Einkommen nahe diesem Niveau lebt. Denn je verbreiteter der Mindestlohn in einer Wirtschaft ist, desto stärker ist die Lohnstruktur des Landes auf die Basis gedrückt.

Laut DİSK-AR-Daten wird die Zahl derer, die in der Türkei unter oder knapp über dem Mindestlohn arbeiten, also in der „Nachbarschaft des Mindestlohns“, in Millionen ausgedrückt. Innerhalb der Beschäftigten im Privatsektor nähert sich dieser Anteil etwa 50 %. Aktuellere Einschätzungen zeigen, dass der Anteil derer, die zum Mindestlohn oder darunter arbeiten, über 46 % liegt, wobei dieser Anteil bei weiblichen Arbeitnehmern noch deutlich höher ist.

Diese Daten zeigen, dass der Mindestlohn kein außergewöhnlicher Basislohn mehr ist, sondern in das Zentrum des Lohnsystems gerückt ist. Mit anderen Worten: Die Lohnverteilung in der Türkei hat sich nicht von oben nach unten, sondern in eine Struktur verwandelt, die sich unten konzentriert.

Die makroökonomischen Folgen dieser Situation sind ebenfalls sehr deutlich. Die auf Mindestlohnniveau konzentrierte Einkommensstruktur begrenzt die Konsumkapazität der Haushalte, schwächt die Binnennachfrage und verhindert, dass sich Wirtschaftswachstum in gesellschaftlichen Wohlstand verwandelt. Gleichzeitig erhöht sie die Verschuldung der Haushalte und vertieft die Anfälligkeit.

Daher ist das Mindestlohnproblem nicht nur ein Thema der „Arbeitskosten“. Dieses Thema steht in direktem Zusammenhang mit der Einkommensverteilung, dem Binnennachfragegleichgewicht, der sozialen Wohlfahrt und der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit. In einer Wirtschaft, in der die Lohnstruktur auf die Basis gedrückt ist, ist das Problem nicht mehr nur eine individuelle Schwierigkeit beim Lebensunterhalt, sondern wandelt sich zu einem Bereich struktureller gesellschaftlicher Fragilität.

STILLER ZUSAMMENBRUCH DER KAUFKRAFT: Nicht der Wert des Geldes, sondern der Wert des Lebens sinkt

In wirtschaftlichen Debatten konzentriert man sich oft auf den nominellen Anstieg der Einkommen. Entscheidend ist jedoch, wie viele Waren und Dienstleistungen mit diesem Einkommen gekauft werden können. Daher ist nicht die Höhe des Verdienstes das eigentliche Problem, sondern das Niveau der Kaufkraft. Das grundlegende Problem in der Türkei der letzten Jahre ist, dass nominelle Einkommenssteigerungen durch Preiserhöhungen schnell aufgezehrt werden. Die Löhne steigen, aber da die Lebenshaltungskosten viel schneller steigen, sinkt die Kaufkraft. Dies verhindert, dass sich das Einkommenswachstum in einen realen Wohlstandszuwachs verwandelt.

Diese Diskrepanz zwischen Einkommen und Preisen ist kein technisches wirtschaftliches Detail, sondern ein Verlust, der direkt im täglichen Leben spürbar ist. Denn das Haushaltsbudget wird nicht in Statistiken, sondern im Supermarkt, bei der Miete und bei den Rechnungen geformt. An diesem Punkt ist die grundlegende Wahrheit: Es geht nicht mehr darum, wie viel man verdient, sondern wofür dieser Verdienst reicht. Wenn mit demselben Einkommen weniger Waren und Dienstleistungen gekauft werden können, bedeutet das, dass das Wirtschaftswachstum keinen gesellschaftlichen Wohlstand produziert.

Die Schwächung der Kaufkraft verändert nicht nur das Konsumverhalten; sie beeinflusst auch direkt die Lebensqualität, die Sparfähigkeit und das Vertrauen in die Zukunft. Daher bedeutet der reale Einkommensverlust eine ebenso soziale wie wirtschaftliche Erosion. Wenn Geld an Wert verliert, sinkt eigentlich nicht nur die Zahl, sondern auch der Lebensstandard. Auch wenn dieser Rückgang in Statistiken wie ein kleiner Unterschied erscheinen mag, verwandelt er sich in breiten Bevölkerungsschichten in einen großen Verlust an Lebensqualität.

UNGERECHTIGKEIT BEI DER EINKOMMENSVERTEILUNG: Wachstum ist da, aber keine Teilhabe

Die tatsächliche Leistung einer Wirtschaft lässt sich nicht nur an Wachstumsraten messen. Entscheidend ist, wie das erwirtschaftete Einkommen in der Gesellschaft verteilt wird. Denn wenn Wachstum nicht gerecht verteilt wird, verwandelt es sich nicht in gesellschaftlichen Wohlstand; im Gegenteil, es macht bestehende Ungleichheiten noch sichtbarer.

Die Indikatoren zur Einkommensverteilung in der Türkei zeigen in dieser Hinsicht ein bemerkenswertes Bild. Während der Anteil der untersten 20 % der Einkommensgruppe am Gesamteinkommen sehr begrenzt bleibt (6 %), erzielen die obersten 20 % fast die Hälfte des Einkommens. Diese Struktur zeigt, dass die Einkommenskonzentration in den oberen Einkommensgruppen deutlich zunimmt.

Noch eindrucksvoller ist die Tiefe der Kluft zwischen den untersten und obersten Einkommensschichten. Der Unterschied zwischen dem Anteil der untersten 10 % am Einkommen und dem Anteil der obersten 10 % deutet jenseits wirtschaftlicher Größen auf eine strukturelle Ungleichheit hin. Dies zeigt, dass die Einkommensverteilung nicht nur unausgewogen, sondern zu einer geschichteten Struktur geworden ist.

Aus der Sicht der Lohnempfänger wird das Bild noch klarer. Während der Anteil der Arbeitseinkommen am Gesamteinkommen begrenzt bleibt, bewegen sich die Gewichte der Kapital- und Unternehmenseinkommen auf einem höheren Niveau. Dieses Gleichgewicht zeigt, dass der aus der Produktion erzielte Wert nicht ausreichend zugunsten der Arbeit reflektiert wird.

Das grundlegende Ergebnis in diesem Rahmen ist: Die Wirtschaft mag wachsen, das Nationaleinkommen mag steigen, aber wenn dieses Wachstum nicht gerecht verteilt wird, spiegelt es sich nicht im Leben breiter Bevölkerungsschichten wider. Im Gegenteil, die Wahrnehmung von Wohlstand schrumpft und die Verbindung zwischen Wirtschaftswachstum und gesellschaftlicher Erfahrung schwächt sich ab.

Daher ist die Frage nicht nur, „wie stark wir gewachsen sind“, sondern „wer an diesem Wachstum teilhat“. Wenn die Teilhabe nicht gerecht ist, bleibt das Wachstum ein statistischer Erfolg und verwandelt sich nicht in einen gesellschaftlichen Gewinn.

NACHHALTIGE WIRTSCHAFT: Ohne Gerechtigkeit gibt es keine Stabilität

Eine nachhaltige Wirtschaft ist nicht nur die Summe aus Wachstumsraten, Haushaltsgleichgewichten oder Exportzahlen. Echte Nachhaltigkeit steht in direktem Zusammenhang damit, wie diese Produktion in der Gesellschaft verteilt wird, ebenso wie mit der Produktion selbst. Daher ist wirtschaftliche Stabilität eher eine Frage des sozialen Gleichgewichts als ein technisches Gleichgewicht.

Das grundlegende Problem, mit dem die türkische Wirtschaft heute konfrontiert ist, wird in einem dreifachen Spannungsfeld geformt: niedrige Reallöhne, hohe Inflation und eine verzerrte Einkommensverteilung. Wenn diese drei Strukturen gleichzeitig existieren, verwandelt sich das Wirtschaftswachstum selbst bei vorhandenem Wachstum nicht in Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten.

In einer Wirtschaftsstruktur, in der die Löhne nicht gegen die Inflation geschützt sind, die Kaufkraft ständig sinkt und die Einkommensverteilung gestört ist, wird der Begriff der Nachhaltigkeit zu einem rein theoretischen Rahmen. Denn das Wirtschaftssystem wird unfähig, die Lebensstandards breiter Massen zu tragen.

Daher sind für eine nachhaltige Wirtschaftsstruktur drei Grundachsen entscheidend. Erstens der Schutz der Löhne vor der Inflation und eine faire Teilhabe der Arbeit am Wachstum. Zweitens eine Transformation der Produktionsstruktur von niedriger zu hoher Wertschöpfung auf Basis von Produktivität. Drittens die Gestaltung sozialpolitischer Maßnahmen in einem Rahmen, der mit der Wirtschaftspolitik kompatibel ist und sich gegenseitig ergänzt.

Wenn diese drei Bereiche nicht gemeinsam betrachtet werden, verwandelt sich das Wirtschaftswachstum in eine fragile Struktur. Die Binnennachfrage schwächt sich ab, die Produktion verliert ihre Nachhaltigkeit und das soziale Gleichgewicht gerät zunehmend aus den Fugen. Dies erzeugt nicht nur eine wirtschaftliche Verlangsamung, sondern auch ein Feld gesellschaftlicher Spannungen.

Daher ist eine nachhaltige Wirtschaft ein Begriff, der nicht nur durch technische Indikatoren, sondern erst durch soziale Gerechtigkeit an Bedeutung gewinnt. Wo es keine Gerechtigkeit gibt, ist eine dauerhafte Stabilität nicht möglich.

FAZIT: Der 1. Mai ist keine Erinnerung, sondern eine Warnung!

Heute ist der 1. Mai… der Tag der Arbeit, des Schweißes und der Solidarität. Doch in diesem Jahr hat sich der 1. Mai über eine klassische Feier oder ein Gedenken hinaus in eine kraftvolle Warnung verwandelt, die an die Notwendigkeit erinnert, den Punkt, an dem die Arbeit in der Türkei angelangt ist, neu zu überdenken.

Die Daten von TÜRK-İŞ für April 2026 legen diese Wahrheit in aller Deutlichkeit offen. In einem Bild, in dem die Hungergrenze 34.586 TL, die Armutsgrenze 112.660 TL und die Lebenshaltungskosten eines alleinstehenden Arbeitnehmers 44.802 TL erreicht haben, bleibt der Netto-Mindestlohn bei 28.075 TL. Diese Daten zeigen, dass die Beziehung zwischen Lohn und Lebenshaltungskosten nicht mehr in einem nachhaltigen Gleichgewicht steht.

Dieser Bruch ist kein rein technischer Wirtschaftsdatensatz; es ist eine Realität, die das Leben selbst berührt. Für breite Bevölkerungsschichten hat sich heute die grundlegende Frage geändert: Nicht mehr „Wie komme ich über die Runden?“, sondern „Wie überlebe ich?“

An diesem Punkt stellt sich zwangsläufig die eigentliche Frage: Welches Gleichgewicht produziert das Wirtschaftssystem, wenn ein Vollzeit arbeitender Mensch für seine Arbeit nicht einmal die grundlegenden Lebenshaltungskosten decken kann?

Die historische Bedeutung des 1. Mai muss genau hier wieder in Erinnerung gerufen werden. Der 1. Mai ist nicht nur ein Tag des Gedenkens an die Arbeit; es ist ein Tag, um den Lohn für die Arbeit, das Recht darauf und den Platz der Arbeit in der sozialen Gerechtigkeit zu hinterfragen. Denn wahrer Wohlstand ist nicht nur durch das Produktionsvolumen möglich, sondern durch die gerechte Verteilung des erwirtschafteten Wertes.

Das heute entstandene Bild zeigt, dass die Löhne real gesunken sind und die Krise des Lebensunterhalts von einer Ausnahme zu einer dauerhaften gesellschaftlichen Realität geworden ist. Dass sich der Mindestlohn faktisch dem durchschnittlichen Lohnniveau annähert, zeigt deutlich, dass das Problem nicht individuell, sondern strukturell ist.

Daher ist das Problem nicht nur das Lohnniveau. Das Problem zeigt sich in der Einkommensverteilung, der Produktionsstruktur, der Inflationsbekämpfung und im gesamten Verständnis wirtschaftlicher Gerechtigkeit. Heute erinnert uns der 1. Mai wieder einmal an dieselbe Wahrheit:

Es geht nicht nur darum zu arbeiten, sondern durch Arbeit menschenwürdig leben zu können.

Die Wirtschaft mag wachsen, die Zahlen mögen steigen. Aber wenn die Arbeit nicht davon leben kann, bleibt dieses Wachstum unvollständig. Deshalb ruft der 1. Mai auch in diesem Jahr wie jedes Jahr dazu auf:

Wahrer Wohlstand ist nicht nur durch Produktion möglich, sondern durch die gerechte Verteilung des erwirtschafteten Wertes.

Arbeit ist der höchste Wert. Alle Arbeitnehmer, die das Leben mit ihrem Schweiß und ihrer Arbeit erschaffen, verdienen den höchsten Respekt.

Wir wünschen allen Arbeitern und Werktätigen einen frohen 1. Mai, den Tag der Arbeit und Solidarität. Für eine gerechtere, gleichere und menschlichere Ordnung; in der Hoffnung auf eine Zukunft, in der Ungleichheiten abnehmen und Chancen zunehmen…

Hand in Hand, Schulter an Schulter für „weder Unterdrücker noch Unterdrückte; eine menschliche, gerechte Ordnung“.

Wir wünschen allen Arbeitern und Werktätigen einen frohen Feiertag.

Es lebe der 1. Mai!