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Sie haben es immer noch nicht gelernt: Das Gedicht ist nicht von Ziya Gökalp

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Präsident Tayyip Erdoğan hat bei einer Veranstaltung, bei der er mit jungen Menschen zusammentraf, erneut das Gedicht rezitiert, das 1999 als Begründung für seine Inhaftierung diente. In Dutzenden Medienhäusern, von der Anadolu Ajansı, Haberler.com, Hürriyet, Takvim, Türkiye, Sabah, Sözcü bis hin zu TGRT, wurde die Nachricht verbreitet, dass Erdoğan „beim Treffen mit jungen Menschen das Gedicht ‚Soldatengebet‘ von Ziya Gökalp gelesen habe“.

Doch das ist eine Falschinformation. Zudem haben Faktencheck-Plattformen dies bereits mehrfach thematisiert, und auch ich habe wiederholt darauf hingewiesen und gewarnt. Zuletzt hatte ich im vergangenen Februar über dieses Thema geschrieben. Dieses Gedicht, das mit den Zeilen „Die Minarette sind unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme, die Moscheen unsere Kasernen“ beginnt, stammt nicht von Ziya Gökalp, sondern ist das Gedicht „Göttliche Armee“ des Dichters M. Cevat Örnek aus Ankara. Örnek nahm dieses Gedicht in seine Bücher „7 Dağın Çiçeği“ (1966) und „Gülden Dikenden“ (1974) auf. Auf der ihm gewidmeten Webseite wird die Geschichte dieses Gedichts wie folgt erzählt:

„Während er eines Ramadan-Monats nach der Arbeit mit seinem Sohn Ümit Örnek an einer Haltestelle wartete, verglich sein Sohn die Minarette der Moschee mit Bajonetten und die Kuppeln mit Helmen. Er versprach ihm, dies zu Hause niederzuschreiben, und verfasste daraufhin dieses Gedicht.

Das Gedicht besteht lediglich aus einer Metapher und ist nicht mit religiösen oder politischen Hintergedanken beabsichtigt.“

Leider wird in den Medien seit den Jahren, in denen Erdoğan inhaftiert war, behauptet, dieses Gedicht gehöre Ziya Gökalp. Jahre sind vergangen, und es geht immer noch so weiter. Wiederholte Warnungen führen nicht dazu, dass unsere Journalistenkollegen diesen Fehler korrigieren. Einer der Gründe, warum sich dieser Fehler seit Jahren hartnäckig hält, ist die Nachlässigkeit im Journalismus, der andere ist, dass das Kommunikationspräsidium diesen Fehler in den Nachrichten auf seiner Webseite immer wieder wiederholt.

Das Kommunikationspräsidium, das angeblich ein „Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation“ gegründet hat, um gegen Falschmeldungen vorzugehen, korrigiert diesen offensichtlichen Fehler nicht. Damit führt es nicht nur die Menschen in die Irre, sondern tut auch Ziya Gökalp und M. Cevat Örnek Unrecht. Bei wem sollten wir uns darüber beschweren?