Husam Zomlot, der Botschafter der Palästinensischen Autonomiebehörde in Großbritannien, fragte den Moderator im BBC-Fernsehen: „Sie laden uns ein, wenn Israelis sterben. Haben Sie mich eingeladen, als in den letzten zwei Monaten mehr als 200 Palästinenser getötet wurden?“ Diese Frage erschüttert jeden Journalisten, dessen Gewissen noch nicht abgestumpft ist.
Botschafter Zomlot hat das Problem aus einem wesentlichen Blickwinkel betrachtet. Das Leben israelischer Zivilisten ist genauso wertvoll wie das Leben palästinensischer Zivilisten. Doch in den US-amerikanischen und europäischen Medien wurde das Geschehen in Gaza meist nicht mit gleichen Maßstäben gemessen. Während man den Fokus darauf legte, dass Hamas-Kämpfer Zivilisten – ob Frauen oder Kinder – ins Visier nahmen, billigte man stillschweigend, dass die israelische Armee Bomben auf Zivilisten in Gaza regnen ließ und diese vertrieb.
US-Präsident Biden konnte ignorieren, dass Dutzende palästinensische Kinder durch israelische Bomben ihr Leben verloren, und stattdessen behaupten, „dass er Fotos von Babys gesehen habe, denen von der Hamas der Kopf abgeschnitten wurde“. Zwar wurde dies später vom Weißen Haus dementiert, doch eine große Lüge war bereits aus höchster Stelle an die Öffentlichkeit gelangt.
Leider gab es auch in der Türkei Menschen, die die unverhältnismäßige Gewalt Israels für gerechtfertigt hielten und unterstützten.Doch unsere Medien rückten vor allem den Staatsterror in den Vordergrund, dem palästinensische Zivilisten ausgesetzt sind. Auch in den sozialen Medien war dies der vorherrschende Trend. Der Autor Sevan Nişanyan rechtfertigte sogar die Tötung von über 200 Zivilisten durch Hamas-Kämpfer auf dem Festival, indem er sagte: „Direkt gegenüber diesem Konzentrationslager ein Rockfestival veranstalten zu wollen, ist ein extremes Maß an Dreistigkeit und Niederträchtigkeit. Meiner Meinung nach verdient jeder, der sich auf so etwas einlässt, alles, was ihm widerfährt.“ Natürlich gab es auch andere Extremisten, die ihn unterstützten.
Dass die jahrelange Verwandlung Gazas in einen riesigen Käfig, die Missachtung der Menschenrechte und die systematische Gewalt bei den Palästinensern großen Hass erzeugen, ist verständlich. Doch Verständnis sollte nicht bedeuten, die Gewalt der Hamas gegen Zivilisten zu akzeptieren.
Wenn man beginnt, die Gewalt einer Seite gegen Zivilisten zu rechtfertigen, wird man zum Werkzeug des Propagandakrieges. Falsche Fotos und Bilder werden in Umlauf gebracht; während die Morde der einen Seite verurteilt werden, kann man bei der anderen Seite die Massaker ignorieren. Wenn es um Israel und Gaza geht, können diejenigen, die sich gegen die Tötung von Zivilisten auf beiden Seiten aussprechen, bei Morden in der Türkei mit zweierlei Maß messen.
Eines der aktuellsten Beispiele ist die Haltung der Mainstream-Medien zum Bombenanschlag am Bahnhof von Ankara am 10. Oktober. Die Gedenkfeiern zum 8. Jahrestag des Massakers, bei dem 103 Menschen ihr Leben verloren, schafften es in den Mainstream-Medien nicht einmal in die Nachrichten. Doch dieselben Medien berichteten ausführlich über den Jahrestag der Kobanê-Ereignisse, bei denen 50 Menschen starben; sie gedachten des damals getöteten 16-jährigen Yasin Börü. Das war gut so, aber war das Leben des 9-jährigen Veysel, der beim Bahnhofs-Massaker in Ankara getötet wurde, weniger wert?

Das zweite Beispiel ist die Haltung der regierungsnahen Medien zum Verbot von Gaza-Demonstrationen in europäischen Ländern. Sie reagierten empört auf die dortigen Verbote, erwähnten aber diese Woche mit keinem Wort das Verbot der Demonstration der „Samstagsmütter“.
Dieser Doppelmoral ist wohl das Ergebnis des moralischen Verfalls im Journalismus unseres Landes.
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ERKAN BAŞ’ UNGERECHTFERTIGTE BESCHWERDE
Der Vorsitzende der TİP, Erkan Baş, der aus Protest gegen die Nichtfreilassung des Abgeordneten Can Atalay von Hatay nach Ankara marschierte, beklagte sich über die Medien, nahm jedoch die Zeitung Sözcü ausdrücklich aus:
„Die Medien ignorieren unseren Marsch. Nur Sözcü berichtet täglich über unsere Aktivitäten. Ich danke Ihnen für diese Unterstützung im Sinne der Information der Öffentlichkeit.“
Als ich diese Worte von Baş in der Sözcü-Ausgabe vom 11. Oktober las, habe ich sofort im Archiv nachgesehen. Sözcü hatte den Beginn des Marsches am 2. Oktober auf der Titelseite angekündigt;
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