In den neunziger Jahren, als ich in Amerika studierte und arbeitete, hatte Amerika noch keinen ernsthaften aktuellen Krieg erlebt.
Es war nach dem ersten Golfkrieg.
Es hatte keinen Frontenkrieg gegeben.
Die Zahl der gefallenen Soldaten war sehr gering.
Daher war das Leben schön.
Doch als ich Jahre später wieder dort war, hatte sich die Lage verändert.
Zwischendurch waren die Benzinpreise stark gestiegen, die Straßen waren in schlechtem Zustand und Brücken stürzten plötzlich ein.
Auf den Flughäfen sah ich zahnlose Redneck-Amerikaner, Spanier und Schwarze, die auf ihre aus dem Krieg zurückkehrenden Angehörigen warteten.
Während meiner Reisen war ich auch Zeuge von endlosen Friedhöfen geworden.
Friedhöfe, auf denen Tausende von Soldaten ruhen und die mit Kreuzen versehen sind.
Es gab unzählige Grabsteine mit Kreuzsymbolen.
Die Kriegswirtschaft hatte Amerika das Rückgrat gebrochen.
Vielleicht hatten sie deshalb eine Kriegspause eingelegt.
Jetzt haben sie wieder angefangen zu kämpfen.
Die Luftwaffe und ihre intelligenten Bomben sind heute viel stärker und effektiver als vor 20 Jahren.
Das gilt auch für die Landstreitkräfte.
Insbesondere das Versprechen einer Green Card, die erste Stufe zur Staatsbürgerschaft, fungiert als der wichtigste süße, aber giftige Apfel bei der Rekrutierung von Soldaten.
Die mit der Green Card versprochene Aufenthaltserlaubnis und der „American Dream“ machen es Amerika sehr leicht, Soldaten zu finden.
Obwohl es dort keinen so starken Patriotismus und keinen Märtyrerstatus wie bei uns gibt, ist das Land ziemlich geschickt darin, seine Rivalen in die Knie zu zwingen.
Dass sie Saddam, den Präsidenten des besetzten Irak, an einem Feiertagsmorgen in Bagdad hängten oder Maduro aus seinem Bett holten, ist durchaus besorgniserregend.
Sicherlich wird auch Amerika irgendwann jemand in seine Schranken weisen, aber am Horizont ist kein Kandidat in Sicht.
Solange die geliebte Green Card so viele Abnehmer findet, scheint es auch keinen Kandidaten zu geben – ich habe sogar erlebt, wie hochrangige Professoren aus Ländern wie unserem sich für eine Green Card beworben haben.
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