In der Türkei herrscht in den letzten Jahren eine ernsthafte Dürre. Die Staudämme, die die Städte versorgen, trocknen aus. Die unterirdischen Wasserressourcen stehen kurz vor der Erschöpfung. Während man vor 25 bis 30 Jahren beim Graben bereits in 10 oder 20 Metern Tiefe auf Wasser stieß, muss man heute an denselben Stellen mit Bohrbrunnen 250 bis 300 Meter tief bohren, um Wasser zu fördern.
Ich erinnere mich, dass wir vor etwa 35 Jahren, als ich die Wirtschaftsredaktion der Zeitung Hürriyet leitete, Berichte von US-Strategieanalysten lasen und warnende Artikel veröffentlichten. Wir schrieben und warnten: „In Zukunft wird Wasser wichtiger sein als Öl. Das Narrativ von ‚Öl und Krieg‘ wird durch ‚Wasser und Krieg‘ ersetzt werden. Aufgrund der Dürre wird es zu großen Migrationsbewegungen kommen. Die Türkei ist das riskanteste Land für den Nahen Osten, Italien für Europa…“ Was Experten für Zukunftsforschung in der Wirtschaft und Militärstrategen vor Jahren prognostiziert haben, bewahrheitet sich nun alles.
Die Wasserkrise kündigte sich lautstark an, doch die Türkei konnte leider nicht die notwendigen Maßnahmen ergreifen. Die Regierungen vor der AKP-Ära haben trotz knapper Ressourcen bedeutende Investitionen in Staudämme getätigt. Keine Regierung hat so viele Ressourcen aus Steuern, Binnenschulden und Auslandsschulden genutzt wie die AKP. Doch trotz dieser Fülle an Mitteln konnte die AKP die Risiken der zunehmenden Dürre nicht erkennen; die in der AKP-Zeit gebauten Staudämme reichten bei weitem nicht aus, um den Bedarf der wachsenden Bevölkerung zu decken.
Man kann zwar Staudämme bauen, aber damit ist es nicht getan. Man muss lernen, Wasserressourcen korrekt und effizient zu nutzen und das Grundwasser zu schützen.
Das in der Türkei genutzte Wasser verteilt sich wie folgt:
73 Prozent in der Landwirtschaft,
16 Prozent in Haushalten,
11 Prozent in der Industrie.
Während bei uns die landwirtschaftliche Wassernutzung 73 Prozent des Gesamtwassers ausmacht, liegt dieser Wert in den OECD-Ländern bei etwa 45 Prozent.
Die Türkei hat drei große Fehler begangen. Der erste war die Schließung der Dorfinstitute (Köy Enstitüleri)… Als 85 Prozent der Bevölkerung auf dem Land lebten, hatten wir eine Bildungsoffensive für die Dörfer gestartet. Zuerst mit den Volksschulen (Millet Mektepleri), dann mit den 1940 gegründeten Dorfinstituten sollte der ländlichen Bevölkerung Bildung und effiziente landwirtschaftliche Produktionsmethoden vermittelt werden. Durch die Zusammenarbeit von Großgrundbesitzern, Geistlichen und der Händlerklasse im Parlament wurden die Dorfinstitute geschlossen. Dies ist die Wurzel fast aller Probleme, die wir heute erleben.
Heute gehen Wasserressourcen durch die rücksichtslose landwirtschaftliche Bewässerung ungebildeter Bauern und willkürlich gebohrte Brunnen verloren. Während wir glauben, uns gesund zu ernähren, nehmen Krebs- und Diabeteserkrankungen aufgrund der von ungebildeten Bauern eingesetzten Pestizide zu.
Der zweite große Fehler war, die landwirtschaftliche Planung auf Eis zu legen. Seit Jahren warnen Experten für Landwirtschaft und Klima in diesem Land unter Verweis auf Beispiele aus der ganzen Welt: „Erstellen Sie eine Wasserkarte der Türkei. Planen Sie anhand dieser Wasserkarte, in welcher Region welche Produkte angebaut werden sollen.“
NOTWENDIGE MASSNAHMEN
Fachleute haben seitenlange Berichte über die Maßnahmen erstellt, die angesichts der Dürre ergriffen werden müssen. Fassen wir hier die wichtigsten Punkte zusammen.
Man kommt nicht umhin, die primitiven Bewässerungstechniken der Landwirte zu erwähnen. Überwiegend wird die Flutbewässerung praktiziert. Der Landwirt bohrt einen Brunnen auf seinem Feld, lässt das Wasser laufen und geht. Das Bohren von Brunnen muss unbedingt verhindert und auf Tröpfchenbewässerung (oder Beregnung) umgestellt werden. Um die Verdunstung in den Bewässerungskanälen zu verhindern, sollten die Kanäle mit Solarpaneelen abgedeckt und den Landwirten kostenloser Strom zur Verfügung gestellt werden. (China macht das bereits.)
Verlassen Sie sich nicht auf die Einsparungen, die Menschen zu Hause beim Zähneputzen erzielen könnten. Der städtische Verbrauch liegt bei 16 Prozent. Ich habe zwei verschiedene KI-Einheiten befragt. Die gemeinsamen Daten aus ihren Internetrecherchen zeigen: Es gibt etwa 30 Prozent Leitungsverluste bei der städtischen Nutzung. (Besonders im letzten Jahr haben wir oft Nachrichten über Rohrbrüche im Wassernetz von Muğla nach Bodrum gelesen.) Das bedeutet, dass hier Investitionen erforderlich sind.
In vielen organisierten Industriegebieten gibt es immer noch keine Wasseraufbereitung und Wiederverwendung.
Das Wasser aus städtischen Kläranlagen sollte für die Bewässerung von Gärten und Straßen genutzt werden. Insbesondere in Küstenstädten sollte man davon abkommen, das Abwasser nach einer sogenannten Tiefenentsorgung ins Meer zu leiten, und stattdessen auf die Bewässerung von Grünflächen umstellen. (Oder wird das Abwasser, das als ‚geklärt‘ bezeichnet wird, gar nicht wirklich gereinigt, sondern einfach ins Meer gekippt?) Die Regenwassernutzung darf keinesfalls vernachlässigt werden.
Diese Fehler ziehen sich über Jahre hin. Während der AKP-Regierung setzten sie sich jedoch noch verschärft fort. Insbesondere die Baugenehmigungen und Bergbaukonzessionen in der Nähe von landwirtschaftlichen Flächen und Wasserquellen während der AKP-Zeit stellen eine große Bedrohung dar. Dies war der dritte große Fehler.
Die Hunderte von kleinen Wasserkraftwerken und Staudämmen, die die AKP insbesondere am Schwarzen Meer gebaut oder bauen lassen hat, waren keine Investitionen zur effizienten Nutzung von Wasserressourcen, sondern darauf ausgerichtet, diese zu vernichten.
Das während der AKP-Zeit verabschiedete Gesetz über die Metropolregionen hat der Landwirtschaft einen weiteren Schlag versetzt. Die Zahl der Dörfer, die bei etwa 50.000 lag, ist auf 20.000 gesunken. Heute gibt es in fast allen Dörfern mindestens zwei Imame und Muezzine. Die Schulen in den Dörfern sind geschlossen. Dabei hätte es in den Dörfern Schulen und Lehrer geben müssen; in jedem Dorf hätte mindestens ein Agraringenieur und ein Tierarzt beschäftigt werden müssen.
Im Staat gibt es eine Aufgabenverteilung. Die Zentralregierung und die staatliche Wasserbehörde (DSİ) bauen die Staudämme und Anlagen zur Wasserversorgung der Städte, während die Kommunen die Verteilung und Aufbereitung des Wassers übernehmen. Wir beobachten in vielen Bereichen: Die AKP verhängt ein wirtschaftliches Embargo gegen Bezirke, Provinzen und Metropolen, in denen sie nicht gewonnen hat. Abgesehen davon, dass sie notwendige Investitionen unterlässt, beschlagnahmt sie die Ressourcen der Kommunen und drangsaliert sie.
Obendrein erleben wir, dass die staatliche Wohnungsbaubehörde TOKİ im Wassereinzugsgebiet Sazlıdere und in der Umgebung des Terkos-Sees den Bau von Wohnanlagen mit voller Kraft vorantreibt. Ich weiß nicht, ob es unter diesen Umständen noch einen Sinn hat, Vorschläge für eine korrekte und effiziente Nutzung der Wasserressourcen zu machen, damit die Städte nicht ohne Wasser bleiben.
Wie es in einem Gedicht des großen türkischen Dichters Fuzuli aus dem 16. Jahrhundert heißt:
„Wenn ich spreche, hat es keine Wirkung, schweige ich, ist mein Herz nicht im Reinen.“
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