Die Geschichte von Fenerbahçe beschränkt sich nicht auf eine chronologische Auflistung von Trophäen. Diese Geschichte ist die Erzählung davon, wie ein Verein an Bedeutung gewann, wie er wuchs und wie er Widerstand leistete. Deshalb muss man bei der Betrachtung von Fenerbahçe einen viel weiteren Rahmen anlegen als nur den Blick auf die Anzeigetafel im Stadion.
Der 1907 gegründete Verein Fenerbahçe zeigte schon in seinen ersten Jahren, dass er kein gewöhnlicher Sportclub war. Die in der Spätphase des Osmanischen Reiches und in den ersten Jahren der Republik gewonnenen Istanbuler Meisterschaften machten Fenerbahçe zu einem natürlichen Zentrum, noch bevor es nationale Organisationen gab. Doch dieser Status als Zentrum lässt sich nicht allein durch sportliche Überlegenheit erklären. Fenerbahçe war ein Verein, der den Geist seiner Zeit in sich trug.
Das deutlichste Symbol dieses Geistes ist der General-Harrington-Pokal, der in den Jahren der Besatzung Istanbuls gewonnen wurde. Dieser Pokal, der nach den Siegen gegen die Mannschaften der britischen Besatzungstruppen überreicht wurde, bedeutete weit mehr als nur einen sportlichen Erfolg. Er zeigt, dass die elf Fußballer auf dem Platz in einer besetzten Stadt nicht nur Fußball spielten, sondern die Ehre einer Nation verteidigten. Genau diese Haltung liegt vielen Erfolgen in der Geschichte von Fenerbahçe zugrunde.
Die nationalen Meisterschaften, die türkischen Pokalsiege und die gebrochenen Rekorde in der Zeit nach der Republik sind die in sportliche Stabilität umgewandelte Form dieser Haltung. Die 103 Tore in der Saison 1988/89 sind nicht nur eine Statistik; sie sind ein Spiegelbild von Fenerbahçes Reflex, das Spiel und den eigenen Anspruch immer weiter nach oben zu schrauben. Auch die erreichten Viertel- und Halbfinals in Europa sind die Fortsetzung derselben Linie: Nicht dort stehen zu bleiben, wo andere sagen: „Bis hierhin und nicht weiter“. Schauen Sie sich alte Yeşilçam-Filme an: Der prächtigste Verein war immer Fenerbahçe. Es wurden Filme über Fenerbahçe gedreht, unzählige Lieder geschrieben und Gedichte verfasst. Fenerbahçe war schon immer ein Verein, der an der Seite der Republik Türkei stand und Atatürk-nah war; das kann niemand leugnen.
Einer der schärfsten Wendepunkte in der Geschichte von Fenerbahçe war jedoch die Amtsübernahme von Aziz Yıldırım im Jahr 1998. An jenem Tag wechselte der Verein nicht nur seinen Präsidenten; er änderte seine Perspektive.
Die Ära Aziz Yıldırım war eine Zeit, in der Fenerbahçe die Definition eines „großen Vereins“ neu schrieb. Es herrschte ein Verständnis vor, das das Stadion mit eigenen Mitteln renovierte, den Ausbau der Infrastruktur nicht als Option, sondern als Notwendigkeit betrachtete und die Nachwuchsarbeit sowie die Organisation in den Mittelpunkt stellte. Die im Fußball gewonnenen Meisterschaften sind natürlich wichtig, aber das eigentliche Vermächtnis dieser Ära ist, dass Fenerbahçe davon befreit wurde, nur vom Fußball abhängig zu sein.
Im Basketball wurde eine Struktur aufgebaut, die an der europäischen Spitze mitspielte. Der Frauenbasketball wurde in Europa zu einer Marke. Im Volleyball und in den olympischen Disziplinen wurde Kontinuität erreicht. Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis einer Vision, die die Anforderungen eines Sportvereins kennt und in diese investiert. Aziz Yıldırım positionierte Fenerbahçe nicht wie einen Mehrspartenverein, sondern wie ein Mehrsparten-Kraftzentrum.
Doch kommen wir zum Komplott vom 3. Juli:
In dieser Zeit wies Fenerbahçe den Satz „Das reicht unter türkischen Bedingungen“ völlig zurück. Anstatt sich nach jeder Niederlage in Europa zurückzuziehen, setzte man sich noch größere Ziele. Große Budgets wurden kritisiert, harte Entscheidungen diskutiert. Doch wenn man heute zurückblickt, ist eines klar: Fenerbahçe ist in der Ära Aziz Yıldırım gewachsen. Wirtschaftlich, sportlich und mental. Sie haben den Verein, der einen Börsenwert von fast 1 Milliarde Euro hatte, zerschlagen. An jenem Morgen erwachte die Türkei mit einer Fußball-Operation. Festnahmen, Schlagzeilen, Vorverurteilungen… Noch bevor die Prozesse begannen, waren die Urteile bereits gefällt. Fenerbahçe wurde für schuldig erklärt, das Recht auf Verteidigung von Anfang an beschnitten. Die auf dem Platz gewonnene Meisterschaft wurde am grünen Tisch infrage gestellt; der Ruf des Vereins wurde noch vor den juristischen Verfahren zum Ziel erklärt.
Derjenige, der in diesem Prozess den härtesten Schlag erhielt, war der damalige Präsident Aziz Yıldırım. Er wurde verhaftet. Er wurde allein gelassen. Tagelang, monatelang, jahrelang wurde er in der Öffentlichkeit gelyncht. Aber er machte keinen Rückzieher. Er sagte nicht: „Ich verteidige diesen Verein“; er sagte: „Dieser Verein verteidigt sich selbst“ und „das Land geht verloren“. Genau das ist der Wendepunkt des 3. Juli. Und die großartigen Fans von Fenerbahçe ließen Aziz Yıldırım nicht allein; die Bestände im Fenerium waren ausverkauft, die Fans leisteten jede erdenkliche Unterstützung, um dem Verein beizustehen – auch das ist ein Zeichen des Widerstandsgeistes, der aus jener Zeit geblieben ist.
Denn von diesem Tag an ging es nicht mehr um den juristischen Verlauf eines Verfahrens. Es ging darum, ob Fenerbahçe kapitulieren würde oder nicht. Die Republik Türkei hat dies am 15. Juli gesehen, leider war es da schon zu spät.
Sportlich war der Preis hoch. Ausschluss aus europäischen Wettbewerben, auseinanderfallende Kader, wirtschaftliche Verluste… Aber der eigentliche Preis lag im Verborgenen: im Kampf um den Ruf. Fenerbahçe wurde in Europa bestraft, noch bevor das Urteil feststand; die Unschuldsvermutung wurde ignoriert. Dies war ein Schlag nicht nur gegen Fenerbahçe, sondern gegen den türkischen Sport.
Doch die Geschichte von Fenerbahçe ist nicht die Geschichte eines Vereins, der in Krisenzeiten schrumpft. Der Prozess vom 3. Juli brachte den in den Genen des Vereins verankerten Widerstandsreflex wieder zum Vorschein. Genau wie die Fußballer, die vor Jahren im besetzten Istanbul auf den Platz gingen, um für den General-Harrington-Pokal zu spielen, wurde der Kampf diesmal außerhalb des Platzes geführt.
Die Tribünen blieben nicht leer. Die Gemeinschaft zerfiel nicht. In jedem Moment, in dem gesagt wurde „Es reicht“, ging Fenerbahçe einen Schritt weiter. Klagen wurden eingereicht, Dokumente gesammelt, internationale Rechtswege beschritten. Es war nicht einfach. Es dauerte Jahre. Aber am Ende gelang es der Wahrheit, sich aus dem Lärm zu befreien.
Heute ist klar, dass der Prozess vom 3. Juli Fenerbahçe keine Schuldzuweisung, sondern ein Erbe der Rechtswidrigkeit hinterlassen hat. Gerichtsurteile, wiederaufgenommene Verfahren, aufgehobene Urteile… All das zeigte, wie voreilig und wie rücksichtslos die Schlagzeilen jener Zeit waren.
Denn der 3. Juli ist, jenseits von Präsidenten, Managern und Fußballern, die Zeit, in der ein Verein seine eigene Ehre verteidigte.
Der 3. Juli hat Fenerbahçe nicht geschwächt.
Im Gegenteil, er hat ihn in seiner Identität gestärkt.
Dass Fenerbahçe heute als ein Verein bekannt ist, der „nicht leicht kapituliert“, liegt an den Spuren jener Jahre. Deshalb wird der 3. Juli nicht als dunkler Tag, sondern als Beginn eines langen Kampfes in Erinnerung bleiben.
Manche Daten werden mit verlorenen Pokalen in Verbindung gebracht.
Andere mit gewonnenen Siegen.
Der 3. Juli aber wurde in der Geschichte von Fenerbahçe zum Namen für folgendes:
Ein Verein, der nicht kapituliert.
Und vielleicht der kritischste Punkt… Es wurde eine Haltung aufgebaut, die selbst in den schwierigsten Zeiten keinen Rückzieher macht. Als der Druck zunahm und die Einsamkeit tiefer wurde, war Fenerbahçes Reflex nicht der Rückzug, sondern der Widerstand. Dieser Reflex wurde in die Gene des Vereins eingeprägt. Genau wie der Geist, den die Fenerbahçe-Anhänger vor Jahren beim Gewinn des Harrington-Pokals auf den Platz trugen.
Betrachtet man heute die historischen Erfolge von Fenerbahçe, so ist eine Linie deutlich zu erkennen:
Ein Verein, der in den Besatzungsjahren Widerstand leistete,
in den Jahren der Republik für Stabilität sorgte,
und in der Ära Aziz Yıldırım seinen Anspruch institutionalisierte…
Manche Pokale stehen in der Vitrine.
Manche Erfolge sind saisonale Freuden.
Aber die historischen Erfolge von Fenerbahçe erzählen von der Identität eines Vereins.
Und diese Identität ist der Fan, der das gestreifte Trikot trägt, das seit dem General-Harrington-Pokal bis heute für Atatürk-Treue, Laizismus und den Kampf für die eigenen Rechte steht.
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