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Zwei Frauen, zwei Schlüssel!

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Die Tochter des Präsidenten für religiöse Angelegenheiten (Diyanet), Feyza Erbaş, eine bekannte Persönlichkeit der religiösen High Society, verliert angeblich ständig den Schlüssel ihres Luxusautos. Sie hat sich hingesetzt und ein Gedicht über dieses große Leid geschrieben. Und nicht nur das: Sie hat es auch auf ihrem Social-Media-Account geteilt:

„Ich wünschte so sehr, ich könnte dich finden, wann immer ich will.

Dich einfach von dort, wo du bist, hervorzaubern und losfahren.

Nicht erst in meiner Tasche, dann in meinen Taschen, und wenn das nicht klappt, in der Bibliothek und im Schuhschrank suchen müssen…

Nicht angezogen vor der Tür auf die Knie fallen und mit den Rufen ‚Mein Gott, nirgendwo ist er. Wo ist er bloß, wo habe ich ihn hingelegt?‘ jeden einzelnen Schritt seit meiner Ankunft gestern zu Hause durchgehen müssen.

Das wünsche ich mir so sehr, mein lieber Schlüssel.“

*

Am selben Tag sprach eine andere Frau in den sozialen Medien über einen „Schlüssel“. In einer Straßenumfrage, die auf dem Social-Media-Kanal „Tüysüz Mikrofon“ veröffentlicht wurde, sagte eine 84-jährige Frau Folgendes:

„Ich komme nicht über die Runden. Ich habe mir 100 Lira geliehen, um Medikamente kaufen zu können. Ich suche Arbeit, um Geschirr zu spülen. Ich habe Kinder, aber sie können gerade so für sich selbst sorgen. Ich bin nicht in der Lage, meine Miete zu zahlen. Verzeihen Sie, der Duft von Pide kommt so verlockend herüber, aber ich kann es mir nicht leisten. Ich gebe Ihnen meinen Schlüssel, gehen Sie und schauen Sie in mein Haus. Sehen Sie sich den Zustand meiner Wohnung und meinen Kühlschrank an.“

*

Da haben wir es: zwei Frauen aus der heutigen Türkei, zwei Schlüssel!

Beide haben Ärger mit ihren Schlüsseln…

Die eine verliert wegen ihres schlechten Gedächtnisses ständig den Schlüssel ihres Luxusautos und schreibt darüber voller Kummer ein Gedicht.

Die andere ist 84 Jahre alt… Sie hat auch einen Schlüssel, aber es ist der Schlüssel zu einem armen Haus mit einem völlig leeren Kühlschrank… Er ist komplett leer!

Während die eine eingebildet von ihrem Luxusauto und davon erzählt, wie ihre erst 8-jährige Tochter als Touristin in 13 Länder gereist ist, kann die andere nicht einmal ihre Medikamente ohne geliehenes Geld bezahlen.

Die eine ist auf Selbstdarstellung aus, die andere hungert…

Hinter der einen steht ihr Vater, der Präsident für religiöse Angelegenheiten, der den Armen ständig Geduld predigt; die andere hat vor lauter Geduld keine Kraft mehr… Wenn man sie berührt, bricht sie in Tränen aus! Selbst in diesen letzten Tagen ihres Lebens lebt sie in der Angst, „zu verhungern“. Denn sie hat niemanden.

Die Erste kümmert sich nicht um die Lage des Landes; die andere ist das „Abbild“ dieser Lage selbst!

Die eine ist leichtfertig, die andere vom Schicksal gezeichnet…

Die eine ist sorgenfrei, die andere voller Gram…

Das Herz der einen schlägt für ihr Auto; die Sorge der anderen ist es, zu überleben und ohne auf jemanden angewiesen zu sein, leben zu können!

Das Problem der einen ist ihr verlorener Schlüssel, das der anderen ihr knurrender Magen…

*

In diesem Land kämpfen Millionen von Menschen ums Überleben.

Zehntausende Lehrer, die keine Stelle finden, mussten sich für den „Söldnerdienst“ entscheiden, um zu überleben. Die Mütter dieser Menschen finden keinen Schlaf. Denn ihre Kinder sind im Auslandseinsatz. Jeden Moment kann eine schlechte Nachricht eintreffen und ihr Heim ins Unglück stürzen…

Warum also ertragen sie diese Qual?

Nur um über die Runden zu kommen!

Die Mieten sind in die Höhe geschossen, man hat vergessen, wie Pastırma schmeckt, und in die Haushalte der Hälfte dieses Landes kommt – geschweige denn Fleisch oder Nüsse – nicht einmal mehr Käse oder Oliven…

Es ist kurz davor, dass es zu Massenselbstmorden kommt…

Unglück und Hoffnungslosigkeit sind zu unserem gesellschaftlichen Charakter geworden…

Die vergessliche Tochter des Präsidenten für religiöse Angelegenheiten, der nicht einmal den Namen Atatürks erwähnt, sorgt sich um den Schlüssel ihres Luxusautos…

Wie erbärmlich!

*

Ich warne die Schönen und die Dornen dieser religiösen High Society ausdrücklich:

In Ordnung; die Macht liegt bei euren Vätern…

Deshalb vertreibt ihr euch die Zeit mit Puderzucker; die einen mit Luxusautos, die anderen mit teuren Reisen!

Aber wenn ihr das den Menschen, die mit 84 Jahren Arbeit suchen, um Geschirr zu spülen, unter die Nase reibt…

Dann werden sie euch sehr bald diesen Puderzucker…

Diese Luxusautos…

Diese teuren Reisen unter die Nase reiben…

Denn Aufstand gegen Unterdrückung ist ein heiliges Recht!

Und mit eurer Dreistigkeit, eurer Verwöhntheit, eurer Unverschämtheit und eurem Mangel an Anstand bringt ihr die Ausübung dieses Rechts immer näher…

*

Wenn ihr eines Tages für euer heutiges Verhalten Rechenschaft ablegen müsst, dann erinnert euch an diesen Artikel!