Mehr als zwei Jahre sind seit dem Beginn des Krieges zwischen den USA und Russland vergangen, der sich als Russland-Ukraine-Krieg tarnt und bei dem Ankara ernsthaft versucht, als Vermittler aufzutreten.
In diesem Prozess ist das von der Türkei, einem der wenigen Länder, die mit Russland im Gespräch sind, übernommene „Getreidekorridor“-Projekt gescheitert... Putin, dessen Besuch „heute oder morgen“ erwartet wurde, kam einfach nicht... Und es wurden erhebliche Fortschritte auf dem Weg zur Beteiligung der NATO am Krieg an der Seite der Ukraine erzielt.
Am 15. und 16. Juni fand in der Schweiz eine „Ukraine-Friedenskonferenz“ statt. An der Konferenz, die vollständig von der Ukraine geplant und von den USA sowie westlichen Ländern unterstützt wurde, nahmen über 90 Länder und Organisationen teil, doch Russland wurde nicht eingeladen.
Einen Monat vor der Konferenz erklärte ein türkischer diplomatischer Vertreter gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS: „Ohne die Teilnahme Russlands wird es keinen Sinn ergeben. Es wird nur Zeitverschwendung sein.“
Russland vertrat dieselbe Ansicht; zunächst sagte Außenminister Sergei Lawrow, diese Konferenz sei ein „Weg, der nirgendwohin führt“. Danach erklärte Putin: „Wir wurden nicht zur Konferenz eingeladen. Ohne Russland, ohne einen offenen und verantwortungsvollen Dialog mit uns, ist es unmöglich, eine Lösung für die Sicherheit der Ukraine und Europas zu finden.“
China teilte mit, dass es aufgrund der Nicht-Einladung Russlands nicht an der Konferenz teilnehmen werde. Während der brasilianische Präsident Silva sagte: „Ohne Russland gibt es keine Verhandlungen“, kündigte die Präsidentin der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Viola Amherd, die Teilnahme der Türkei an der Konferenz an.
AUCH IN DER NATO IST ES SO
Wir sagten ja, dass „die NATO Schritt für Schritt in den Krieg hineingezogen wird“; unmittelbar vor diesem Treffen in der Schweiz fand in Brüssel ein Treffen der NATO-Verteidigungsminister statt. Bei dem Treffen, bei dem unser Land durch Verteidigungsminister Yaşar Güler vertreten wurde, gab es eine Sondersitzung zum Thema Ukraine. Minister Güler nahm sowohl an dieser Sitzung als auch an der Unterzeichnungszeremonie für eine „Absichtserklärung“ für die Ukraine teil.
Was bedeutete das alles? Die Antwort finden wir in den Erklärungen von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg nach dem Treffen.
Stoltenberg erklärte, dass sich die Bündnisstaaten auf einen Plan geeinigt hätten, der die Führung bei der Sicherheitsunterstützung und Ausbildungskoordination für die Ukraine vorsieht, dass logistische Knotenpunkte unter der Leitung des NATO-Oberkommandos in Europa (SHAPE) auf dem US-Stützpunkt in Deutschland eingerichtet werden sollen und dass etwa 700 Mitarbeiter aus NATO- und Partnerländern an der Mission teilnehmen sollen. Er gab folgende Informationen:
"Die NATO wird die Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte in Ausbildungseinrichtungen der Bündnisstaaten beaufsichtigen. Sie wird die Ukraine durch die Planung und Koordinierung von Hilfen unterstützen, den Transfer und die Instandsetzung von Ausrüstung verwalten und die langfristige Entwicklung der ukrainischen Streitkräfte fördern... Auf diese Weise werden die NATO-Staats- und Regierungschefs diese Bemühungen auf dem Gipfel in Washington im Juli starten können, und unsere Unterstützung für die Ukraine wird auf ein solideres Fundament für die kommenden Jahre gestellt sein."
Obwohl Stoltenberg hinzufügte: „Diese Bemühungen machen die NATO nicht zu einer Konfliktpartei, aber sie werden unsere Unterstützung für das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung verstärken“, liegt die Wahrheit klar auf der Hand.
Der Teil, der uns betrifft: Es ist offensichtlich, dass Ankara als NATO-Verbündeter diesem Plan, der einen neuen Schritt bei der Einkreisung Russlands darstellt, zugestimmt hat. Wir sollten uns nicht wundern, wenn ukrainische Soldaten in Einrichtungen in unserem Land mit der Ausbildung beginnen!..
IN DER SCHWEIZ IST ES SO
Wenn wir zur „Ukraine-Friedenskonferenz“ in der Schweiz zurückkehren; Außenminister Hakan Fidan nahm an dem Treffen teil. Unsere Medien berichteten fast live über Fidans Reise und die Botschaften, die er dort übermitteln würde.
Kurz gesagt, Minister Fidan sagte: „Diese Konferenz könnte die letzte Ausfahrt vor der Brücke sein“, „Dieser Konflikt zwischen der Ukraine und Russland könnte bald zu mehr als nur einem Krieg werden“, „Wenn Russland auch im Saal gewesen wäre, hätte dieser Gipfel ergebnisorientierter sein können.“
Während 16 Länder und Organisationen, darunter Indien, Südafrika, Indonesien, Brasilien, Libyen, Saudi-Arabien, Thailand, Mexiko und die Vereinigten Arabischen Emirate, die nach dem Gipfel veröffentlichte Abschlusserklärung nicht unterzeichneten, tat die Türkei dies.
Wie reagierte der Kreml darauf, dass die Türkei, Ungarn und Serbien, die für ihre guten Beziehungen zu Russland bekannt sind, die Erklärung unterstützten? Sprecher Dmitri Peskow begnügte sich mit der Aussage: „Dies wird die bilateralen Beziehungen nicht beeinträchtigen. Natürlich werden wir die Ansätze dieser Länder berücksichtigen. Das ist wichtig für uns. Wir werden weiterhin unsere Argumente darlegen.“
AUCH IN DER SCHWEIZ WURDE LAUSANNE VERLETZT
Bevor wir auf ein wichtiges Detail aufmerksam machen, das bei der Ukraine-Konferenz übersehen wurde bzw. übersehen werden sollte, erinnern wir kurz an folgende Informationen:
Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, dem es laut dem Vertrag von Lausanne nur unter der Bedingung gestattet ist, in unserem Land zu bleiben, dass es sich ausschließlich um die religiösen Angelegenheiten unserer griechisch-orthodoxen Bürger in Istanbul, Bozcaada und Gökçeada kümmert und sich nicht in die Politik einmischt, ist eine türkische Institution und dem Bezirksamt Fatih unterstellt. Auch der Patriarch an der Spitze, Bartholomäus, ist ein türkischer Staatsbürger.
Doch Patriarch Bartholomäus, der insbesondere während der AKP-Regierung begann, den Titel „Ökumenisch“ zu verwenden, was die Führung der 300 Millionen Orthodoxen weltweit bedeutet, eröffnete nicht nur Metropolien an vielen Orten unseres Landes, in denen kein einziger Grieche mehr lebt, sondern unterstellte sich auch viele Kirchen weltweit.
Eine davon war die Kirche der Ukraine. Im Jahr 2018, zeitgleich mit den Plänen des Imperialismus für die Ukraine, billigte er die Unabhängigkeit dieser Kirche, die zuvor dem russischen Patriarchat unterstellt war. Als wäre er ein Staatspräsident, unterzeichnete er das entsprechende Abkommen mit dem damaligen ukrainischen Präsidenten Poroschenko. Diese Entwicklung bedeutete, dass der Kampf zwischen dem Westen und Russland auch über die Religion fortgesetzt wurde. Folglich zog dies den Zorn Russlands auf sich.
Der türkische Staatsbürger Patriarch Bartholomäus äußerte sich auch nach dem Russland-Ukraine-Krieg auf jeder Plattform, an der er teilnahm, offen russlandfeindlich.
Und die Haltung von Erdoğan, dem Freund Putins? Gehen wir zurück ins Jahr 2019.
Elpidophoros, der durch die Ernennung des Patriarchats nun an der Spitze der griechisch-orthodoxen Kirche in den USA steht und dessen anti-türkische Aktivitäten wir trotz seiner türkischen Staatsbürgerschaft häufig thematisiert haben, war damals sowohl der sogenannte Metropolit von Bursa als auch der Abt der geschlossenen Theologischen Hochschule von Chalki. Übrigens hatte er eine wichtige Rolle bei der Abspaltung der ukrainischen Kirche vom griechischen Patriarchat gespielt.
Genau diese Person gab damals auf die Frage: „Wie ist die Haltung Ankaras, das auch enge Beziehungen zu Moskau pflegt, zu diesen Entwicklungen?“ folgende Antwort:
„Im Gegensatz zu den Ländern, die von Russland beeinflusst werden, ist die Haltung der Türkei anders. Putin hat Präsident Erdoğan zweimal gebeten, in der Frage der ukrainischen Kirche einzugreifen. Einmal 2008, das andere Mal 2018. Beide Male weigerte sich Erdoğan, in unser Patriarchat einzugreifen. Er reagierte in der Art: ‚Wir leben in einem laizistischen Staat in der Türkei, die Angelegenheiten des Patriarchats sind religiöse Angelegenheiten. Der Staat mischt sich nicht in religiöse Angelegenheiten ein, das Patriarchat ist ein unabhängiges Patriarchat.‘ Wir schätzen das sehr.“
In demselben Interview bewertete Elpidophoros die „Beziehungen zu Ankara“ wie folgt: „Nicht nur das Patriarchat, alle Minderheiten erleben im Vergleich zur vorherigen Regierung ein goldenes Zeitalter. In der Vergangenheit waren wir oft Zielscheiben... aber der Staat verfolgt diese Haltung nicht mehr und setzt sie nicht um. Die Haltung der Institutionen hat sich geändert.“
WEN VERTRAH DER EINZIGE 'RELIGIÖSE FÜHRER' AUF DER KONFERENZ?
Ja, „die Haltung der Institutionen hat sich geändert“... Und was für eine Änderung!..
Schauen wir uns für das jüngste Beispiel das Detail bei der Ukraine-Konferenz in der Schweiz an. Der einzige „religiöse Führer“, der an dem Treffen teilnahm, war der Ökumenische Patriarch Bartholomäus.
Er wurde einen Monat zuvor zunächst vom Schweizer Präsidenten und danach offiziell vom ukrainischen Präsidenten Selenskyj eingeladen.
Stellen Sie sich vor; sowohl der Außenminister der Republik Türkei, Hakan Fidan, als auch der türkische Staatsbürger Bartholomäus sind dort... Fidan hielt eine Rede, und Bartholomäus auch... Bartholomäus erklärte unter seinem Titel „Ökumenisch“, wie er der ukrainischen Kirche die Unabhängigkeit verlieh...
Unsere erste Frage: Wen, was oder welches Land könnte Bartholomäus wohl vertreten haben, als er zur Konferenz eingeladen wurde?!
Fahren wir fort; Bartholomäus hielt auf der Konferenz nicht nur eine Rede; er traf sich mit vielen Persönlichkeiten, allen voran Selenskyj, dem französischen Präsidenten Macron und dem griechischen Ministerpräsidenten Mitsotakis.
Während Selenskyj in seinem Beitrag zum Treffen dem „Ökumenischen Patriarchen für seine Bemühungen zur Entwicklung und Stärkung der Orthodoxie in der Ukraine“ dankte, wurde beim Treffen zwischen Mitsotakis und Bartholomäus berichtet, dass „die Zufriedenheit über die Dynamik bezüglich der Wiedereröffnung der Theologischen Hochschule von Chalki zum Ausdruck gebracht wurde“ und zudem das „geplante Istanbul-Besuch von Mitsotakis in der kommenden Zeit bezüglich der Themen Patriarchat und griechische Minderheit in der Türkei“ erörtert wurde.
Da die „Ökumenizität“ und die Beziehungen Schulter an Schulter mit Griechenland für Ankara mittlerweile als alltäglich gelten, stellen wir dazu keine Fragen und berichten stattdessen von der historischen (!) Blitzentwicklung.
Eine der Personen, die Bartholomäus auf der Konferenz traf, war Außenminister Hakan Fidan!..
Der Außenminister trifft sich in der Schweiz mit unserem Staatsbürger, der das dem Bezirksamt Fatih unterstellte Patriarchat leitet, ist das nicht schön?!
Das ist unsere zweite Frage: Was haben sie wohl besprochen? Könnte Minister Fidan Bartholomäus gefragt haben: „Was suchen Sie hier?“ oder „Wenn Sie schon kommen wollten, hätten Sie es sagen sollen, dann wären wir zusammen gekommen.“?!
Müyesser YILDIZ
19. Juni 2024
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