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Was bedeutet die US-Flagge im Mittelmeer?

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Nachdem Israel ein Krankenhaus in Gaza bombardiert und 478 Menschen – Babys, Kinder und Frauen – massakriert hat, ist die „Umma auf den Beinen“, wie es in den regierungsnahen Medien heißt. Was hat unser Staat getan?

Erdoğan rief die gesamte Menschheit zum Handeln auf, bezeichnete das Grauen als einen „Angriff, der einem Völkermord gleichkommt“ und verurteilte die Täter. Zudem betonte er, dass diejenigen, die mit ihren Erklärungen Öl ins Feuer gießen, ebenso für das Massaker verantwortlich seien wie die Täter selbst.

Für Erdoğan, von dem man normalerweise erwartet, dass er Himmel und Erde in Bewegung setzt, sind das doch sehr gemäßigte Worte!..

Auch andere unserer Amtsträger reagierten. So sagte beispielsweise der Parlamentspräsident Numan Kurtulmuş,

dass sie zwar „der Strafe der Geschichte entkommen mögen, aber nicht dem Zorn Gottes“. Dies war seine Aussage. Doch während all dies geschah, ereignete sich im Mittelmeer etwas anderes.

Verteidigungsminister Yaşar Güler bezeichnete die Lage als „den Punkt, an dem die Menschlichkeit endet“.

Die sechs Parteien in der Großen Nationalversammlung der Türkei, die selbst bei den wichtigsten Themen kaum noch zu einem gemeinsamen Handeln fähig sind, veröffentlichten eine Erklärung, in der sie „die Parlamente der Welt sowie die internationale Gemeinschaft und Organisationen dazu aufriefen, Haltung zu zeigen und Initiativen zu ergreifen, um diese Grausamkeit zu stoppen“ aufriefen.

Der ehemalige Justizminister und stellvertretende Parlamentspräsident Bekir Bozdağ sowie der amtierende Justizminister Yılmaz Tunç erklärten, dass die Handlungen Israels sowohl ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit als auch ein Kriegsverbrechen darstellten; dennoch wurde, selbst wenn nur auf dem Papier, keine unserer Staatsanwaltschaften aktiv.

Schließlich wurde eine dreitägige nationale Trauer ausgerufen.

Außenminister Hakan Fidan nahm vorgestern am Treffen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit teil. Während die „Umma auf den Beinen war“ – als ob er den Zustand unseres Staates beschreiben wollte – äußerte er Folgendes:

„Bisher haben wir uns bei dringenden Angelegenheiten getroffen, verurteilt und sind wieder auseinandergegangen. Damit das Ziel erreicht wird, dürfen wir es diesmal nicht dabei belassen.“

WEM HAT DER ISRAELISCHE VERTEIDIGUNGSMINISTER GEANTWORTET?

Nach Beginn des Krieges durch den Angriff der Hamas am 7. Oktober entsandten die USA zur Unterstützung Israels ihren größten Flugzeugträger, die USS Gerald R. Ford. Jenes Schiff, mit dem wir kürzlich im östlichen Mittelmeer eine gemeinsame Übung durchgeführt haben und auf dem Erdoğans Schwiegersohn Selçuk Bayraktar zu Gast war.

Anschließend schickte auch Großbritannien Schiffe der Royal Navy zur Unterstützung Israels in das östliche Mittelmeer. schickte.

Zuletzt Es wird berichtet, dass die USS Mount Whitney, das Kommando- und Kontrollschiff der 6. US-Flotte, ausgelaufen ist. Dieses Schiff hatte im August im Hafen von Sarayburnu in Istanbul angelegt; der US-Botschafter Jeffrey Flake organisierte an Bord eine Pressetour für die türkischen Medien und erklärte: „Der Besuch [des Schiffes] ist eine Gelegenheit, unsere tiefe militärische Partnerschaft mit der Türkei weiter zu stärken, um zur Schaffung einer sicheren und wohlhabenden Region beizutragen.“

Darüber hinaus gaben die Amerikaner auf diesem Schiff einen Empfang für hochrangige Beamte und Angehörige der türkischen Streitkräfte.

Erinnern wir uns nun daran, was Erdoğan nach dem Auslaufen des ersten US-Schiffes gegenüber den USA äußerte.

„Was hat der amerikanische Flugzeugträger in Israel zu suchen, was will er dort? ... Er wird dort den gesamten Gazastreifen und seine Umgebung bombardieren und dem Erdboden gleichmachen, um sehr schwere Massaker zu begehen.“ und er sagte: „Herr Amerika, was hat Amerika damit zu tun; was haben das Mittelmeer, Israel und Palästina mit Amerika zu tun? Was hast du dort zu suchen? ..“

Erdoğans diese Fragen wurden indirekt zuerst von den US-Medien und anschließend vom israelischen Verteidigungsminister Yoav Gallant beantwortet.

US-Medien berichteten, dass die Entsendung der Flotten ins Mittelmeer zwar als „vorübergehend“ deklariert sei, eine langfristige Präsenz der USA im Nahen Osten jedoch auf der Tagesordnung stehe.

Der israelische Verteidigungsminister Gallant erklärte nach einer Sitzung des Kriegskabinetts, an der auch US-Außenminister Antony Blinken teilnahm: „Dieser Krieg wird lang und kostspielig sein, aber wir werden gewinnen.“ Er fügte hinzu:

„Jeder weiß, was es bedeutet, wenn die amerikanische Flagge im Mittelmeer weht.“

WAS WAR DIE EIGENTLICHE AGENDA DES NATO-GIPFELS?

Was mag wohl diese „Bedeutung“ sein, die jeder kennt?!

Ich denke dabei an den NATO-Gipfel im Juli in Vilnius, bei dem vordergründig über den Beitritt Schwedens beraten wurde, sowie an die „geheime“ Agenda dieses Gipfels. Und zwar:

Es stellte sich heraus, dass auf dem NATO-Verteidigungsministertreffen in Brüssel am 15. und 16. Juni, also vor dem Gipfel, der umfassendste regionale Verteidigungsplan seit Ende des Kalten Krieges erörtert wurde. Dieser Plan wurde jedoch aufgrund einiger Vorbehalte der Türkei nicht offiziell verabschiedet, sondern die Entscheidung wurde dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs überlassen.

Über diese streng geheimen und nie öffentlich diskutierten Pläne wurde bekannt, dass sie in Bezug auf unser Land lediglich Vorschläge enthielten, „unter Verweis auf das Montreux-Abkommen auch griechische Namen für die Bosporus- und Dardanellen-Meerengen zu verwenden und zudem bei den Koordinaten bezüglich Zypern die TRNZ nicht zu erwähnen“.

Dabei reichten schon diese spärlichen Informationen aus, um zu zeigen, dass die USA und die NATO sowohl im Mittelmeer als auch im Schwarzen Meer ernsthafte und neue Pläne verfolgen.

Tatsächlich gab NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg nach dem Treffen der Verteidigungsminister im Juni folgende Erklärung ab:

„Regionale Pläne werden eines der wichtigsten Themen des Gipfels von Vilnius sein. Diese Pläne wurden von unserem militärischen Oberkommando und dessen Teams ausgearbeitet. Zum ersten Mal seit dem Kalten Krieg werden solche Pläne erstellt. Es handelt sich um Pläne, die mit dem Einsatz spezieller Streitkräfte verbunden sind, die für bestimmte Regionen und Missionen vorgesehen sind, in denen die NATO stärker geschützt werden soll. Es sind Pläne, die mehr Truppen und mehr Ressourcen beinhalten.“

Anschließend berichtete der Sicherheitsberater, Autor, Aktivist und Gründer von NATO Watch, Ian Davis, auf dem Portal Responsible Statecraft, dass „zum ersten Mal seit dem Kalten Krieg tausende Seiten geheimer Militärpläne, die detailliert beschreiben, wie das Bündnis auf einen russischen Angriff reagieren würde, den politischen Führern der NATO zur Genehmigung vorgelegt werden“.

Überraschenderweise hat jedoch auch die Nachrichtenagentur Anadolu diese Pläne detailliert dargelegt und zusammenfassend folgende Informationen geliefert:

„Diese geheimen Pläne wurden für drei Regionen erstellt. Die erste umfasst den Atlantik und Nordeuropa unter der Führung des NATO Joint Force Command in Norfolk, USA; die zweite umfasst die Region Mitteleuropa, die sich vom Baltikum bis zu den Alpen erstreckt und in der Verantwortung des NATO-Stützpunkts im niederländischen Brunssum liegt; die dritte umfasst die Region vom Mittelmeer bis zum Schwarzen Meer, für die der NATO-Stützpunkt im italienischen Neapel verantwortlich ist.

Die Pläne legen fest, welche Streitkräfte in diesen Regionen zu Lande, zu Wasser, in der Luft, im Weltraum und im Cyberraum wann und wie stationiert werden und wie im Falle einer Bedrohung zu verfahren ist. Im Rahmen dieser Pläne strebt die NATO an, eine Truppe von etwa 300.000 Soldaten innerhalb von maximal 30 Tagen an die Ostflanke zu verlegen.“

Es war offensichtlich, dass die dritte Region, die sich vom Mittelmeer bis zum Schwarzen Meer erstreckt, unser Land insbesondere im Hinblick auf die Ägäis, das Mittelmeer und das Montreux-Abkommen betrifft.

Nach Beginn des Palästina-Israel-Krieges ist es offensichtlich, dass wir alle künftigen Entwicklungen – insbesondere die Stationierung von US-amerikanischen und britischen Kriegsschiffen im östlichen Mittelmeer sowie die Erklärung, dass „alle NATO-Verbündeten in Solidarität mit Israel stehen“ – im Rahmen dieses „regionalen Verteidigungsplans“ der NATO bewerten müssen.

Unsere Fragen lauten:

Hat die Regierung auf dem Gipfel in Vilnius, während sie die Aufmerksamkeit des türkischen Volkes vollständig auf den NATO-Beitritt Schwedens lenkte, diesen geheimen Plänen der NATO zugestimmt oder nicht?

Falls sie zugestimmt hat: War die „Sicherheit Israels“ Teil dieser Pläne?

Falls ja: Warum zeigt sie sich dann überrascht und verärgert über die aktuelle Rücksichtslosigkeit Israels und des Imperialismus?

Müyesser YILDIZ
20. Oktober 2023