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Atatürk, der Wirtschaftsstaat und die vollständige Unabhängigkeit

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Mustafa Kemal Pascha sagte in seiner Eröffnungsrede auf dem Ersten Türkischen Wirtschaftskongress (17. Februar – 4. März 1923) in Izmir, noch vor der Unterzeichnung des Vertrags von Lausanne und vor der Ausrufung der Republik, Folgendes: 

„Wenn die Geschichte nach den Gründen für den Aufstieg und Fall von Nationen sucht, findet und zählt sie viele politische, militärische und soziale Ursachen auf. Zweifellos haben all diese Gründe Auswirkungen auf soziale Ereignisse. Doch was direkt mit dem Leben, dem Aufstieg und dem Fall einer Nation verbunden ist, ist deren Wirtschaft. Diese von der Geschichte und der Erfahrung bestätigte Wahrheit hat sich auch in unserem nationalen Leben und unserer nationalen Geschichte voll und ganz gezeigt. Wenn man die türkische Geschichte tatsächlich erforscht, wird deutlich, dass alle Gründe für Aufstieg und Fall nichts anderes als eine Wirtschaftsfrage sind. Meine Herren, all die Erfolge, Siege oder Niederlagen, das Verschwinden und die Katastrophen, die unsere Geschichte füllen – all dies steht in Beziehung und Zusammenhang mit unseren wirtschaftlichen Verhältnissen in den jeweiligen Epochen. Um unser neues Türkiye an den Platz zu bringen, den es verdient, müssen wir unserer Wirtschaft unbedingt Vorrang einräumen. Denn unsere Zeit ist nichts anderes als eine Ära der Wirtschaft.“ 

In späteren Abschnitten derselben Rede weist er auf folgenden Punkt hin: 

„Wie groß politische und militärische Siege auch sein mögen, wenn sie nicht durch wirtschaftliche Siege gekrönt werden, können die errungenen Siege nicht von Dauer sein und werden in kurzer Zeit verblassen. Daher ist es notwendig, unsere Wirtschaft und unsere wirtschaftliche Souveränität zu sichern, zu festigen und auszubauen, um die nützlichen Gewinne, die selbst unser stärkster und glänzendster Sieg erbracht hat und noch erbringen kann, zu sichern. Meine Herren, es ist nicht richtig anzunehmen, dass unsere neue Regierung, die so produktiv und so stark ist, ohne Feinde bleiben wird. Es wird diejenigen geben, die versuchen werden, diese schönen Fundamente zu zerstören, indem sie Bomben hineinlegen. Es wird Leute geben, die Anschläge auf ihr Leben und ihren Fortschritt verüben wollen. Unsere stärkste Waffe gegen all dies wird unsere Breite, Widerstandsfähigkeit und unser Erfolg in der Wirtschaft sein. Meine Herren, um die nationale Geschichte der Ära des Volkes, der nationalen Ära, in der wir uns befinden, schreiben zu können, werden unsere Stifte zu Pflügen werden. Meiner Meinung nach kann die Ära des Volkes durch den Begriff der Ära der Wirtschaft erklärt werden.“

Die Geschlossenheit von Atatürks Reden, seine Thesen zur Wirtschaft und die direkte Verbindung, die er zwischen wirtschaftlicher Unabhängigkeit und nationaler Unabhängigkeit herstellt, sind bemerkenswert.

In all seinen Reden zu diesem Thema gibt es eine Kontinuität. So erklärte er einen Monat vor dem Wirtschaftskongress von Izmir, in der Nacht vom 16. auf den 17. Januar 1923 in Izmit, im Gespräch mit Vertretern der Istanbuler Zeitungen, dass die Republik Türkiye ein „devlet-i iktisadiye“, also ein Wirtschaftsstaat, sein werde, und sagte: „Der neue türkische Staat wird seine Fundamente nicht mit dem Bajonett errichten, sondern mit der Wirtschaft, auf die sich selbst das Bajonett stützt. Der neue türkische Staat wird kein Erobererstaat sein. Aber der neue türkische Staat wird ein Wirtschaftsstaat sein.“ 

Wie zu sehen ist, gibt es laut Atatürk keine Unabhängigkeit ohne Wirtschaft. Wenn es keine wirtschaftliche Unabhängigkeit gibt, gibt es auch keine politische Unabhängigkeit. Ohne finanzielle Souveränität kann von nationaler Souveränität nicht die Rede sein.