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Gerechtigkeit bei der Besteuerung?

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Die ersten Aufstände in Anatolien waren Aufstände gegen steuerliche Ungerechtigkeit. Die Geschichte hat zu allen Zeiten die Verzweiflung, die Schreie und gelegentlich auch die Aufstände von Menschen bezeugt, die unter ungerechten, willkürlichen und unfairen Steuern litten und Unterdrückung erfuhren.

Einst waren willkürlich erhobene Steuern ohne die Zustimmung der Bürger in Kraft. Das Volk rief: 'Keine Besteuerung ohne Repräsentation'. Dieser Ruf war die Stimme des Volkes. Despotische Regierungen konnten sich dem Volk nicht widersetzen, und so siegte der Kampf der Bevölkerung.

Dies war ein Sieg der Freiheit und der Demokratie. Steuergerechtigkeit ist eine Grundvoraussetzung für das Budgetrecht und damit für die Demokratie und den demokratischen Rechtsstaat.

Gemäß Artikel 73 unserer Verfassung ist jeder verpflichtet, Steuern entsprechend seiner finanziellen Leistungsfähigkeit zu zahlen, um die öffentlichen Ausgaben zu decken.

Die gerechte und ausgewogene Verteilung der Steuerlast ist das soziale Ziel der Finanzpolitik und eine grundlegende Aufgabe des Staates.

Damit Steuergerechtigkeit herrschen kann, muss jeder Steuern im Verhältnis zu seiner Macht, also seiner finanziellen Stärke, zahlen. Es gibt drei Wege, um eine gerechte und ausgewogene Leistungsfähigkeit zu erreichen.

Progressivität; das heißt, wer viel verdient, zahlt viel, wer wenig verdient, zahlt wenig. In unserem Land funktioniert dies jedoch umgekehrt. Wer wenig verdient, zahlt viel, und wer viel verdient, zahlt wenig. Wie das? Unternehmen mit hohen Gewinnen zahlen durch Befreiungen, Ausnahmen, Investitionsabzüge, Exportvergünstigungen, Steuerausgaben und Steueramnestien, die alle ein bis anderthalb Jahre erlassen werden, nur geringe Steuern.

Die Steuern, die sie nicht zahlen, nutzen sie zudem bis zur Steueramnestie als zinsloses Darlehen.. In unserem Land werden 56 Prozent der Einkommensteuer von Lohnempfängern und Arbeitnehmern ohne jegliche Verluste oder Hinterziehung direkt an der Quelle einbehalten und bis zum 26. des Folgemonats abgeführt. Unternehmen hingegen zahlen ihre Einkommensteuer erst 15 Monate später. Wenn man zudem bedenkt, dass die Steuerverluste und -hinterziehungen in unserem Land höher sind als das tatsächliche Steueraufkommen, wird deutlich, wie gravierend die Ungerechtigkeit bei der Besteuerung für Lohnempfänger ist.

Die Einkommensteuer ist sowohl für Lohnempfänger, die von ihrer Arbeit leben, als auch für Handelsunternehmen progressiv gestaltet. Dies führt zu einer ungerechten Struktur für Arbeitnehmer. Die erste Stufe der Einkommensteuer liegt bei 15 Prozent, die zweite bei 20 Prozent, die dritte bei 27 Prozent, die vierte bei 35 Prozent und die fünfte bei 40 Prozent.

Für Unternehmen beträgt die Körperschaftsteuer 25 Prozent. Das zweite Prinzip zur Gewährleistung der Steuergerechtigkeit ist das Trennungsprinzip. Das bedeutet, dass Einkünfte aus Arbeit und Kapital unterschiedlich besteuert werden sollten. Dies impliziert, dass Arbeitseinkommen niedrig und Kapitaleinkommen hoch besteuert werden müssten, doch in der Praxis wird genau das Gegenteil angewandt. Lohnempfänger mit den niedrigsten Einkommen rutschen bereits nach fünf Monaten von der 15-Prozent-Steuerstufe in die 20-Prozent-Stufe. Aus diesem Grund kommt es ab dem sechsten Monat zu einem Rückgang der Löhne um fast zweitausend TL.

Bei der Besteuerung des Arbeitnehmereinkommens sollte kein progressiver, sondern ein linearer Steuersatz angewendet werden. Dieser lineare Satz sollte bei 10 Prozent liegen. Auf diese Weise würde für Lohnempfänger zumindest teilweise Steuergerechtigkeit erreicht werden.

Eine dritte Methode zur Gewährleistung der Steuergerechtigkeit ist der Grundfreibetrag (Sonderabzug), der jedoch leider vor zwei Jahren von der Regierung abgeschafft wurde. Dabei handelt es sich um den Teil des Einkommens, der zur Deckung des Lebensunterhalts einer Person und ihrer Familie dient und steuerfrei bleiben sollte. Bei uns wurde dies als Sonderabzug praktiziert.

Ein weiteres Element in einem demokratischen Rechtsstaat ist normalerweise die Unterscheidung zwischen indirekten und direkten Steuern. Indirekte Steuern werden auf Ausgaben erhoben, direkte Steuern auf Einkommen. Wenn in einem Land der Anteil der indirekten Steuern hoch ist, herrscht dort Steuerungerechtigkeit. In unserem Land machen indirekte Steuern 75 Prozent und direkte Steuern 25 Prozent aus.

75 Prozent der Steuern werden von der armen Bevölkerung getragen. In der Europäischen Union hingegen liegen die indirekten Steuern bei 25 Prozent und die direkten Steuern bei 75 Prozent.