EIN STEIN IST DORT AM SCHWERSTEN, WO ER HINGEHÖRT-164. VERGESSEN WIR ES NICHT, LASSEN WIR ES NICHT IN VERGESSENHEIT GERATEN.
Geschichte ist nicht nur die Erzählung der Sieger, sondern auch die der Verlorenen.
Zivilisation wird manchmal am Gewicht eines Steins gemessen.
Wenn dieser Stein von seinem Platz entfernt wird, wird nicht nur ein Bauwerk zum Schweigen gebracht, sondern auch die Stimme einer Zivilisation.
Ende des 19. Jahrhunderts war eine Zeit, in der der Imperialismus nicht nur Länder, sondern auch Kulturen besetzte.
Jeder Fries, jedes Relief, jede Statue, die von Pergamon nach Berlin gebracht wurde, sind stille Zeugen dieser Besatzung.
Die Frage, die heute immer noch gestellt werden muss, lautet: Wer hat wessen Stein wohin „getragen“?
Wohin hat er ihn geklebt?
Dieser Artikel ist, wie andere zu diesem Thema auch, die Geschichte kultureller Plünderung, Ausbeutung und eines Gedächtnisses, das sich dem Vergessen widersetzt.
Er wurde geschrieben, um dieses Gedächtnis wachzuhalten.

(Einer der Friese des Zeus-Altars von Pergamon im „Gefängnis“ des Berliner Museums)
***
Der Zeus-Altar und die Skulpturen aus Pergamon, die zwischen 1864 und 1886 aus Pergamon nach Berlin verschleppt oder mit zweifelhaften Genehmigungen dorthin gebracht wurden, hatten – auch wenn sie im Laufe der Zeit viele Zerstörungen erlitten hatten – jahrhundertelang still in den Böden existiert, in denen sie geschaffen wurden.
Einige wurden von grausamen Christen, die von fanatischen Priestern wie Johannes von Ephesus angestachelt wurden, zerstört, zerbrochen, in Stücke gerissen, hierhin und dorthin geworfen oder zu Kalk verarbeitet.
Andere wurden von Byzantinern, die sich vor arabischen/umayyadischen Einfällen schützen wollten, als Verstärkungssteine in Burgmauern verwendet.
Wieder andere wurden während der Zerstörung Pergamons durch arabische/umayyadische Angriffe verwüstet.
Die Umayyaden hatten die Bewohner Pergamons niedergemetzelt. Sie ließen keinen Stein auf dem anderen in der Stadt.
Dies sind historische Ereignisse.
Damals gab es das Konzept des „historischen Kulturguts“ und dessen Schutz noch nicht. Auch das ästhetische Verständnis war ein anderes.
Die Christen wollten die Spuren des Heidentums/Polytheismus auslöschen, und die Umayyaden plünderten im Namen der „Verbreitung des Glaubens“ die Länder anderer Völker.

(Der Tod zweier Giganten aus den prächtigen, skulpturartigen Reliefs des Zeus-Altars von Pergamon. Berliner Museum/Gefängnis)
***
Die historischen Artefakte aus Pergamon erlebten die eigentliche Bedrohung ihrer Vernichtung und die wahrscheinlichen Schäden erst, als sie aus Pergamon, dem Boden ihrer Entstehung, herausgerissen und nach Deutschland, nach Berlin, gebracht wurden.
Welch große Zerstörungen mögen die Marmorstatuen und Inschriften wohl erlitten haben, als sie von den fachfremden und inkompetenten Männern des deutschen Schmugglers Carl Humann, der sich als Ingenieur ausgab, aus der Erde gegraben und aus den Stadtmauern herausgebrochen wurden?
Hat das diese besessenen Diebe etwa interessiert!
Der neureiche deutsche Imperialismus suchte nach einer kulturellen Identität.
Carl Humann war in Eile, die Artefakte aus Pergamon so schnell wie möglich wegzuschaffen.
Natürlich hatte er auch Bedenken!
Was, wenn strengere Maßnahmen ergriffen würden, um diesen Schmuggel zu verhindern! Was, wenn sie aufgehalten würden!
Das Osmanische Reich hatte diesen Raub bereits bemerkt und hoffte, diesem Treiben mit nacheinander erlassenen Verordnungen (Nizamname) Einhalt zu gebieten.
Wer weiß, was den Friesen des Zeus-Altars und den Skulpturen aus Pergamon widerfahren ist, als sie mit Ochsenkarren von Pergamon zum Pier von Dikili transportiert, von Dikili mit Booten nach Izmir gebracht und von Izmir nach Berlin verschifft wurden?
Die organisierte Schmugglerbande unter der Führung des vom deutschen Staat unterstützten Bandenchefs Carl Humann riss den Schatz an historischen Artefakten ohne mit der Wimper zu zucken und unter tausend Risiken aus dem Boden ihrer Entstehung und schmuggelte ihn in das kulturell wurzellose Europa.
Danach passierten in Berlin, wohin die Artefakte aus Pergamon gebracht wurden, schreckliche Dinge!
Sie blieben im Zweiten Weltkrieg unter Bomben. Das Museum, in dem sie gefangen gehalten wurden, wurde schlimmer als zerstört. Die Artefakte wurden in die Depots des Zoos verlagert.
Wer weiß, wie gut die skulpturartigen Reliefs von Zeus, Apollon, Athena und Poseidon zwischen Giraffen, Bären und Füchsen ausgesehen haben!
***

(Der Zustand des Zeus-Altars und des Berliner Museums nach dem Zweiten Weltkrieg, 1945.)
Die Bilder des Berliner Museums/Gefängnisses aus jenen Tagen sind herzzerreißend. Das Gebäude, in dem unsere Artefakte angeblich geschützt wurden, unterschied sich nicht von einer Ruine.
Und unsere Artefakte? Der anatolische Marmor? Diejenigen, die durch Bomben beschädigt wurden? Was ist aus ihnen geworden?
Nach dem Krieg kam die Sowjetarmee, die Berlin aus den Händen des faschistischen Hitler befreite, und beschlagnahmte das Museum/Gefängnis.
Sie lud die Artefakte aus Pergamon in Waggons. Sie transportierte sie mit Zügen nach Petersburg (damals Leningrad).
Die Pergamoner blieben 13 Jahre in Petersburg. Wer weiß, wo und unter welchen Bedingungen?
Wurden sie in Kisten aufbewahrt oder irgendwohin geworfen? Wurden sie als Kriegsbeute betrachtet?
Sollen wir es Exil nennen oder Gefangenschaft?
1958 wurden sie durch eine politische Entscheidung wieder nach Berlin zurückgeschickt.
Die Sowjetunion gab die Artefakte, darunter den Pergamon-Altar, offiziell an die damalige Regierung der DDR zurück.
Nach Angaben des italienischen Juristen Prof. Andrea Gattini nahm Prof. Wilhelm Unverzagt, der seit 1931 Direktor des Berliner Museums/Gefängnisses war, die Artefakte entgegen.
Doch unter den übergebenen Stücken fehlten – man höre und staune – drei Kisten voller Artefakte, die 1945 nach Petersburg gebracht worden waren. Sie waren nicht zurückgeschickt worden oder waren verschwunden.
Obwohl Prof. Unverzagt dies bemerkt haben muss, muss er geschwiegen haben oder wurde irgendwie zum Schweigen gebracht. Der berühmte Wissenschaftler gab keinen Ton von sich.
Welch ein Zufall, dass ihm genau ein Jahr später von der ostdeutschen Regierung ein Ehrenpreis verliehen wurde.
Anschließend wurden die eingetroffenen Artefakte in das nach der Zerstörung im Krieg reparierte Berliner Museum/Gefängnis gebracht, der Altar wurde neu zusammengesetzt, eine Rekonstruktion wurde durchgeführt.
Die deutschen Behörden, die leidenschaftlich gerne Buch führten und Archive anlegten, müssen seit dem Tag des Raubes Fotos von den Artefakten aus Pergamon gemacht haben.
Nur einen sehr kleinen Teil davon teilten sie mit der wissenschaftlichen Welt und der Weltöffentlichkeit.
Vor allem aber gaben sie dem Staat der Republik Türkei keinerlei Informationen oder Daten.
Sie öffneten ihre Archive nicht. Sie hielten das Inventar, das sie erstellt hatten, geheim. Sie veröffentlichten nicht alle Dokumente und Fotos! Sie übersetzten ihre Publikationen nicht ins Türkische!
Die Türken würden das ohnehin nicht verstehen!
Außerdem behaupteten sie lautstark, sie hätten diese rechtmäßig gekauft.
***

(Die Artefakte aus Pergamon wurden 1958 aus Russland zurückgebracht und im Berliner Museum/Gefängnis untergebracht)
Um die Marmorreliefs an den Wänden des im reparierten Museum/Gefängnis neu errichteten Zeus-Altars wieder an ihren Platz zu setzen, nutzten sie die Fotos und Zeichnungen des Altars, die ihnen aus der Zeit davor vorlagen.
Sie müssen die Teile des Zeus-Altars einzeln katalogisiert haben.
Beim Einbau dieser Artefakte konnten die durch Bomben zerstörten oder auf dem Weg verloren gegangenen Teile natürlich nicht an ihre bekannten Plätze gesetzt werden.
Aber ihre Plätze konnten doch nicht leer bleiben!
So oder so hatte die Weltöffentlichkeit ihren früheren Zustand aufgezeichnet und kannte ihn!
Die deutschen Behörden konnten auch nicht sagen: „Sie wurden durch Bomben zerstört oder sind auf dem Weg verloren gegangen!“
Was ist zu tun!
Die zerstörten Teile des Altars anhand der vorhandenen Fotos nachzubilden und an ihre früheren Plätze zu setzen, war eine Lösung!
Wie?
Das vorhandene Foto aus dem Jahr 1959 ist ein frappierendes Beispiel dafür.
Auf dem Foto ist zu sehen, wie die aus Russland zurückgekehrten Teile des Zeus-Altars und die Friese im Museum/Gefängnis montiert und an ihre bekannten Plätze gesetzt werden.

(Die Teile des Zeus-Altars werden im Berliner Museum/Gefängnis wieder an ihren Platz gesetzt.)
Beim Bau der südlichen Wange der Treppe des Zeus-Altars ist die auf Tonplatten (Fries) – wahrscheinlich anhand alter Bilder – neu hergestellte Ton-Imitation (Abguss) deutlich zu erkennen.
Dabei waren die Originale aus Marmor!
Wo sind die Originale? Weg!
Dutzende solcher Friese und Statuen müssen „verschwunden“ sein!
Wenn behauptet wird: „So etwas ist nie passiert, die Friese sind nicht verloren gegangen, das sind keine Imitationen, sondern die Originale“, dann: Herausforderung angenommen!
Dieser Zustand kann heutzutage mit modernen Techniken und elektronischen Geräten Stück für Stück überprüft werden.
Die Zerstörungen, die die Artefakte, die infolge der Machenschaften deutscher Schmuggler nach Berlin gebracht wurden, in Berlin oder auf dem Weg dorthin erlitten haben, können offengelegt werden.
All dies sind Indikatoren für die Schäden, die den Artefakten aus Pergamon in Berlin im Namen des Schutzes historischer Kulturgüter zugefügt wurden.
Dies ist mehr als ein Kulturverbrechen, es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Die Zeit vergisst die begangenen Übeltaten nicht!
Es muss sich bei Pergamon und der Menschheit entschuldigt werden.
DER ZEUS-ALTAR UND DIE ARTEFAKTE AUS PERGAMON GEHÖREN NICHT IN DAS KALTE UND NEBLIGE BERLIN, SONDERN IN DAS SCHÖNE PERGAMON. SIE MÜSSEN UNBEDINGT ZURÜCKKOMMEN, SIE MÜSSEN NACH HAUSE ZURÜCKKEHREN!
(Quellen: https://www.preussischer-kulturbesitz.de/en/priorities/provenance-research-and-issues-of-ownership/wartime-losses/cultural-assets-relocated-to-russia-as-a-result-of-the-war.html?
Andrea Gattini, Restitution by Russia of Works of Art Removed from German Territory at the End of the Second World War. EJIL, European Journal of International Law. 1996. S. 79. Fußnote 41. /// Ich danke meinem geschätzten Freund Prof. Ülgen Zeki Ok, der uns auf diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht hat.)
Sefa TAŞKIN
12.10.2025
Karşıyaka-Bergama/Izmir
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