DER STEIN IST SCHWER AN SEINEM PLATZ-145. VERGESSEN WIR NICHT, LASSEN WIR ES NICHT VERGESSEN.
Historische Artefakte erzählen uns nicht nur von der Vergangenheit und lehren uns etwas über sie, sondern sie zeigen auch die Höhe, die die kreativen Künstler jener Zeit und das menschliche Talent erreicht haben.
Sie öffnen den Horizont des Menschen und helfen ihm, die Gegenwart besser zu begreifen.
Sie regen zum tiefen Nachdenken an.
Sie inspirieren zu neuen Werken.
Aus diesem Grund sieht man in Ländern mit einem hohen Entwicklungsstand, dass Kinder häufig in Museen oder in der Umgebung historischer Bauwerke unterrichtet werden.
Mit zunehmender Bildung wächst auch das Bewusstsein.
Das Leben erhält einen höheren Sinn.
Was flüstern die prächtigen Friese und Skulpturen des Zeus-Altars von Pergamon, der vor etwa 2200 Jahren erbaut wurde und dessen Teile Ende des 19. Jahrhunderts nach Deutschland verschleppt wurden, den Menschen zu, die sie im Pergamonmuseum/Gefängnis in Berlin betrachten!
Wie sehr erzählen sie den Menschen, die um die verlassenen Fundamente auf der Akropolis von Pergamon wandeln, von ihrer Sehnsucht nach den nach Berlin verschleppten Teilen!
Welcher schönheitsliebende Herrscher hat ihn in Auftrag gegeben, welche geschickten Hände haben ihn geformt, und welche rücksichtslosen Hände, die an nichts anderes als an ihren eigenen Vorteil dachten, haben ihn von seinem Platz gerissen und entführt!
Dass seine wahre Heimat Anatolien ist!
Eines der bedeutendsten dieser Werke sind die als „Telephos-Fries“ bekannten bebilderten Marmorreliefs, die die Wände des Innenhofs des prächtigen, als offenes Viereck konzipierten Zeus-Altars schmücken.
Konzeptionell einzigartig, künstlerisch bahnbrechend, sind sie ein Kunstwerk, das als Vorbild für die Schaffung eines städtischen Gedächtnisses dienen kann.
Die Telephos-Friese, skulpturale Reliefs, die die Gründungslegende von Pergamon mit ihren lehrreichen Geschichten wie in einem Comic in Marmor zeichnen, sind das Symbol für die Entstehung der Geschichte Bergamas.
Sie sind ein Teil jener prächtigen Hauptstadt, die die Persönlichkeit der Stadt Pergamon widerspiegelt, welche in jener Ära 150 Jahre lang Westanatolien beherrschte.
Es gibt weltweit nur sehr wenige oder gar keine Kunstwerke aus Marmor, die solch lange Geschichten erzählen, mit solch einzigartigem Geschick bearbeitet wurden und als thematisch zusammenhängende plastische Kunstwerke in Reihen angeordnet sind.
Die Wurzeln des Barockstils, der sich im Mittelalter über ganz Europa verbreitete und Dynamik, Tiefe und Übertreibung beinhaltete, basieren auf dem Bildhauerstil, der in Pergamon entstand, wo auch der Zeus-Altar geschaffen wurde.
Es ist nicht nachvollziehbar, dass ein Werk mit solch hohen künstlerischen Qualitäten, ein besonderer Teil einer Stadt, von seinem Fundort entfernt, an einen Ort gebracht wird, der keinerlei Bezug zu der Kultur und Zeit hat, in der es entstand, und dort weiterhin hartnäckig festgehalten wird.
Es ist, wenn man so will, psychologisch gesehen ein „krankhafter Zustand“!
Darüber hinaus ist es ein weiterer traumatischer Zustand, dass die Werke Anatoliens schamlos als Teil der eigenen Kultur unter dem Namen „Preußischer Kulturbesitz“ präsentiert und ausgestellt werden.
Der Marmor-„Kopf“, der von den Telephos-Friesen des Zeus-Altars abgetrennt wurde und vermutlich nach dem Vorbild eines jungen Mannes aus Pergamon gefertigt wurde, ist eines dieser verschleppten Stücke.

Dieses Werk, das auf die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. datiert wird, ist 17 cm hoch.
Der junge Mann blickt mit einer ästhetischen Verbindung zwischen seinem langen Gesicht, den geschürzten und gewölbten Lippen und den glatten Wangen sowie einem nachdenklichen und beeindruckenden Ausdruck von Unschuld in die Welt.
Das auf die Stirn fallende Haar und die leicht zusammengekniffenen Augen unterstreichen diesen Ausdruck.
Der Marmor scheint zu sprechen!
Darüber hinaus ist der Kalkflicken auf seinem Kopf, der Teil der Friese ist und vermutlich nachträglich angebracht wurde, ein Zeichen dafür, dass dieses Werk in den Händen deutscher Schmuggler auf die eine oder andere Weise beschädigt wurde.
Dass solche Werke nicht nur verschleppt, sondern unter dem Vorwand der Reparatur auch noch zerstörerischen Eingriffen unterzogen werden, ist ein Kulturverbrechen, das über bloße Schande hinausgeht.
Unsere Werke wurden angeblich mitgenommen, um sie zu schützen!
Dieser junge Mann aus Pergamon ist unter der Inventarnummer „Ident.Nr. T.I. 123“ im Berliner Museumsgefängnis inhaftiert.
Die Verantwortlichen für diesen beschämenden Zustand sind diejenigen, die ihn durch Schmuggel und dubiose Machenschaften von Bergama nach Berlin gebracht haben.
Es sind diejenigen, die ihn im Berliner Museumsgefängnis festhalten.
Es sind diejenigen, die unter dem Namen Reparatur daran herumwerkeln, es zerlegen und wieder zusammensetzen.
Der Schmuggel und Diebstahl historischer Artefakte und deren Festhalten ist keine moralische Last, die man tragen kann.
Dieser Zustand, der vor 150 Jahren durch das imperialistische Deutschland und seine Beamten verursacht wurde, muss durch moderne und aufgeklärte deutsche Behörden und Intellektuelle sowie durch internationale Solidarität beendet werden.
Die Brüder der Ameisen müssen zum Vorschein kommen!
DER ZEUS-ALTAR UND DIE WERKE VON PERGAMON GEHÖREN NICHT IN DAS KALTE UND NEBLIGE BERLIN, SONDERN IN DAS SCHÖNE BERGAMA. SIE MÜSSEN UNBEDINGT ZURÜCKKEHREN, SIE MÜSSEN NACH HAUSE KOMMEN!
(Quelle: http://www.smb-digital.de/eMuseum, Database-Antikensammlung)
Sefa Taşkın
28.06.2024
Dikili/Izmir
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