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Neuer Imperialismus-3: Techno-Faschismus, Freiheit und Widerstand

Überlass die Wahl deiner Nachrichten nicht dem Algorithmus - entscheide selbst, was du liest. Füge 12punto zu deinen bevorzugten Quellen hinzu!

(Fortsetzung von Neuer Imperialismus-2)

Eine der bedeutendsten Transformationen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz ist die Entstehung einer neuen Eliteklasse, die wirtschaftliche und politische Macht vereint.

Diese Klasse wird in der Literatur als „Techno-Bourgeoisie“ bezeichnet: die oberste und privilegierteste Schicht der Bourgeoisie.

Die Techno-Bourgeoisie kontrolliert Daten und Algorithmen, agiert auf globaler Ebene und beeinflusst staatliche Politik direkt.

Sie kontrolliert nicht mehr nur die Produktionsmittel, sondern mittlerweile auch den Krieg selbst.

Die Rhetorik von Alex Karp, CEO von Palantir Technologies und Sprecher des technologischen Militarismus, bürdet dieser Klasse nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine moralische und politische Verantwortung auf.

Militärische Operationen, die durch KI-Systeme durchgeführt werden, zeigen, dass die Techno-Bourgeoisie zu einem direkten geopolitischen Akteur geworden ist. Dies vertieft die Spannung zwischen demokratischen Repräsentationsmechanismen und der Macht des Kapitals weiter.

Diese Klasse verwaltet nicht nur das Schlachtfeld, sondern auch das „Feld der Wahrnehmung“. Sie schauen auf den Bildschirm – doch der Bildschirm sagt Ihnen, worauf Sie schauen sollen.

(Technologische Militaristen von Palantir gemeinsam mit dem Staat Israel)

***

KI-gestützte Überwachungssysteme und algorithmische Kontrollmechanismen werden in einigen akademischen und politischen Kreisen unter dem Begriff „Techno-Faschismus“ diskutiert.

Dieses Konzept unterscheidet sich von klassischer autoritärer Herrschaft: Die Kontrolle wird nicht direkt durch Gewalt, sondern durch Daten, Prognosen und Steuerung etabliert.

Ständige Überwachung, die Lenkung individuellen Verhaltens, die algorithmische Unterdrückung von Opposition – das sind keine dystopischen Szenarien mehr, sondern Realitäten, die in Gaza und bei Operationen im Iran inszeniert werden.

Techno-Faschismus ist ein Begriff, der die neue Form autoritärer Kontrolle beschreibt, die insbesondere durch KI, Daten und Algorithmen etabliert wird.

Der klassische Faschismus festigt seine Macht durch Gewalt, Angst und direkte Unterdrückung – durch Soldaten, Polizei und Gefängnisse.

Der bulgarische antifaschistische Führer Georgi Dimitrow, den die Nazis 1933 für den Reichstagsbrand verantwortlich machten, forderte die deutschen faschistischen Führungskräfte Göring und Goebbels vor Gericht heraus und wurde freigesprochen.

Dimitrow definierte den Faschismus in jenen Jahren als die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten und imperialistischsten Elemente des Finanzkapitals.

Heute sind ihre Ebenbilder in manchen Ländern immer noch so!

Der Techno-Faschismus hingegen macht Unterdrückung unsichtbar. Die Kontrolle wird nicht durch direkte Gewalt, sondern durch Datensammlung, Verhaltenssteuerung und algorithmische Überwachung etabliert.

Gesichtserkennungskameras – Systeme, die aufzeichnen, wo Sie sind, wen Sie treffen und was Sie tun;

Social-Media-Algorithmen – Mechanismen, die bestimmen, was Sie sehen, welche Nachrichten Sie erreichen und welchen Meinungen Sie ausgesetzt sind;

Zielsysteme in Gaza – die algorithmische Kriegsführung, bei der eine KI entscheidet, wer eine Bedrohung darstellt, ist eine der Anwendungen, deren Nutzung der neue Imperialismus derzeit rasant verbreitet.

Techno-Faschismus ist eine neue Form autoritärer Ordnung, die das Individuum nicht physisch, sondern digital einsperrt, die es vorzieht, Freiheit zu lenken, anstatt sie einzuschränken, und die Daten anstelle von Gewalt nutzt.

(Techno-Wächter!)

***

Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz liegt das grundlegendste Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Freiheit.

Palantir und Karp, die techno-faschistische Tendenzen repräsentieren, priorisieren die Sicherheit. Doch hier muss man fragen, wessen Freiheit im Namen der Sicherheit geopfert werden soll.

Können algorithmische Entscheidungen wirklich kontrolliert werden?

Denn die Grundlage von Algorithmen ist Mathematik; und Mathematik arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten und Präzision.

Wie kann die Macht von Technologieunternehmen begrenzt werden?

Denn tiefgreifende Berechnungen sind meist unsichtbar.

Wie am Beispiel Palästinas zu sehen ist, wird das Gleichgewicht zwischen Freiheit und Sicherheit meist einseitig zugunsten der Sicherheit hergestellt; algorithmische Systeme machen diese Entscheidung unsichtbar.

Und am Horizont zeichnet sich eine noch tiefgreifendere Frage ab.

Einige Denker, allen voran der 1978 geborene Futurist Ray Kurzweil, KI-Direktor bei Google, prognostizieren, dass in den 2040er Jahren die „Singularität“ eintreten wird – die Verschmelzung von Mensch und Maschine, der Schwellenwert, an dem die KI die menschliche Intelligenz übertrifft, sich selbst weiterentwickelt und außer Kontrolle gerät.

Sollte dies geschehen, werden die Fragen von Macht, Sicherheit und Freiheit, die wir heute diskutieren, eine völlig neue Dimension annehmen. Dieses Thema verdient eine eigenständige Debatte.

(Singularität?)

***

An dieser Stelle muss man Anthropic erwähnen, das sich in den letzten Jahren einen ernsthaften Platz in der Welt der Künstlichen Intelligenz erarbeitet hat.

Schon der Name des Unternehmens trägt eine philosophische Haltung in sich: „Anthropic“, abgeleitet vom griechischen „anthropos“, also Mensch, bedeutet „zum Menschen gehörig“ oder „menschenzentriert“.

Diese Wahl ist kein Zufall; sie dürfte die in den Namen eingravierte Idee sein, dass sich KI unter menschlicher Kontrolle und im Einklang mit menschlichen Werten entwickeln sollte.

Während der Name Palantir Macht und Vorhersehung symbolisiert, stehen bei Anthropic Grenze und Verantwortung im Vordergrund. Zwei Namen, zwei gegensätzliche Sichtweisen.

Könnte Anthropic eine Alternative zu dieser sicherheitsorientierten Entwicklung sein?

(Das Logo von Anthropic)

***

Die Gründer von Anthropic im Jahr 2021, die US-amerikanischen Geschwister Dario und Daniela Amodei, die vermutlich italienische Wurzeln haben, hatten zuvor hochrangige Positionen bei OpenAI inne.

Dario war Forschungsdirektor, Daniela war operative Leiterin.

OpenAI, 2015 von den Techno-Feudalherren Elon Musk, Sam Altman und einigen Partnern gegründet, entwickelte sich nach einer großen Partnerschaft mit Microsoft im Jahr 2019 zunehmend in eine kommerzielle Richtung.

Sam Altman ist der CEO von OpenAI, dem Schöpfer von ChatGPT, einem der weltweit am häufigsten genutzten KI-Sprachmodelle.

Elon Musk hingegen verließ das Unternehmen 2018 und gründete daraufhin sein eigenes KI-Unternehmen xAI.

Die Trennung zwischen den beiden entwickelte sich in den letzten Jahren nicht nur zu einem kommerziellen, sondern auch zu einem ideologischen Konflikt.

Während Musk OpenAI vorwirft, seine Gründungsmission zu verraten, beschuldigte Altman Musk, das Unternehmen übernehmen zu wollen.

Ein konkreter Beweis dafür, dass die Techno-Bourgeoisie auch intern nicht frei von Widersprüchen ist.

Das bedeutet, dass die Techno-Bourgeoisie auch untereinander Krieg führen kann.

Dario und Daniela Amodei, die anfangs Teil der OpenAI-Struktur waren, waren mit dieser Entwicklung unzufrieden. Sie waren der Ansicht, dass die derart schnelle und unkontrollierte Kommerzialisierung der KI ernsthafte Risiken birgt.

2021 verließen sie zusammen mit einer Gruppe von Mitarbeitern OpenAI und gründeten Anthropic.

Schon diese Gründungsgeschichte war an sich ein Statement: der Anspruch, KI nicht nur im Dienst des Kapitals, sondern im Dienst des Menschen zu halten.

Es ist nicht leicht zu behaupten, dass die Betonung von Anthropic auf KI-Sicherheit, ethischen Grenzen und menschenzentrierter Nutzung rein oberflächlich ist.

Doch inwieweit eine Struktur, die heute im Namen des menschlichen Nutzens auftritt, morgen von den Machtverhältnissen zwischen Kapital, Staat und Militär unabhängig bleiben kann, ist eine andere Debatte.

(Die Gründer von Anthropic, die Geschwister Dario und Daniela Amodei)

***

Anthropic, das sich auf seine Weise auf KI-Sicherheit und ethische Nutzung konzentriert, gibt an, mit der von ihm entwickelten Methode der „Constitutional AI“ (ein Ansatz, bei dem KI-Systeme durch die Festlegung fester Prinzipien und ethischer Regeln begrenzt werden) sicherzustellen, dass KI-Systeme mit menschlichen Werten kompatibel, kontrollierbar und sicher sind.

Das bekannteste Produkt des Unternehmens ist das „Sprachmodell“ namens „Claude“.

Dieser Name war kein Zufall. Höchstwahrscheinlich ist es eine Hommage der Anthropic-Gründer an Claude Shannon, den US-amerikanischen Mathematiker und Elektroingenieur, der den Grundstein für die moderne Informatik und digitale Kommunikation legte.

Shannon begründete 1948 mit seinem bahnbrechenden Artikel die „Informationstheorie“: Er definierte mathematisch, wie Daten kodiert, übertragen und gespeichert werden.

Jedes digitale System, das wir heute nutzen – Internet, Telefon, KI –, basiert auf seiner Theorie.

Einem KI-Modell den Namen von Shannon zu geben, der als „Vater der Informationstheorie“ bekannt ist, ist sowohl eine Ehrerbietung als auch ein Anspruch: Das digitale Erbe der Menschheit zum Nutzen des Menschen einzusetzen.

(Claude Shannon: Der Vater der „Informationstheorie“)

***

„Claude“ konkurriert heute mit Sprachmodellen wie ChatGPT (OpenAI – Sam Altman), Gemini (Google – Larry Page und Sergey Brin) und Grok (xAI – Elon Musk).

Viele Kreise finden Claude nützlicher als die anderen. Es wird jedoch auch gesagt, dass alle ihre jeweils unterschiedlichen Vorzüge haben. Am Ende liegt es in den Händen derer, die damit Handel treiben!

Doch wer kann garantieren, dass morgen nicht etwas Besseres auf den Markt kommt?

Wer kann garantieren, dass auch dieses nicht zum Futter für den unersättlichen Appetit des neuen Imperialismus wird oder sich mit dem System arrangiert?

Die Struktur in den Händen von Elon Musk, dem Eigentümer von Grok, ist in diesem Zusammenhang besonders bemerkenswert:

Während X (ehemals Twitter) die Daten von Milliarden Nutzern sammelt, verarbeitet xAI diese Daten; SpaceX und Starlink stellen die militärische Kommunikationsinfrastruktur bereit, während Tesla autonome Fahrzeug- und Robotertechnologie entwickelt.

Alles in einer Hand vereint.

Das sind die Techno-Feudalherren des neuen Imperialismus – neue Machtzentren, die gleichzeitig Daten, Waffen, Kommunikation und Entscheidungsmechanismen kontrollieren.

(Das Team, das Anthropic erschuf)

***

Es wird deutlich, dass die Trennung zwischen Palantir und Anthropic nicht technischer Natur ist, sondern vorerst in ihren unterschiedlichen Perspektiven, vielleicht sogar philosophischer Natur liegt.

Palantir positioniert Technologie als Werkzeug, das die Verteidigungs-, Geheimdienst- und operativen Kapazitäten des Staates erhöht; es befürwortet eine enge Verflechtung mit dem Staat.

Anthropic hingegen argumentiert, dass KI in erster Linie sicher und mit menschlichen Werten kompatibel sein muss; es betont mit „AI Safety“ (einem Ansatz zur Entwicklung von KI, ohne der Menschheit zu schaden, und zur Aufrechterhaltung der Kontrolle), dass Technologie innerhalb ethischer Rahmenbedingungen entwickelt werden sollte.

Während Palantir Datenanalyseplattformen direkt für öffentliche, sicherheitsrelevante und militärische Bereiche entwickelt, produziert Anthropic KI-Systeme für allgemeine Zwecke im zivilen Bereich.

Laut Behauptungen, die im US-amerikanischen Wall Street Journal veröffentlicht wurden, werden die Programme von Palantir vom US-Verteidigungsministerium und von föderalen Strafverfolgungsbehörden (ICE gegen Einwanderer) weit verbreitet eingesetzt.

In einigen Berichten wird behauptet, dass die von Anthropic entwickelten Modelle bei der Operation zur „Entführung von Präsident Maduro“ in Venezuela eingesetzt worden sein könnten.

Andererseits verbieten die gemeldeten Nutzungsregeln von Anthropic die Verwendung von Claude zur Erleichterung von Gewalt, zur Entwicklung von Waffen oder zur Durchführung von Überwachungsaktivitäten.

(Künstliche Intelligenz!)

Das in den USA erscheinende Wall Street Journal schrieb zudem, dass der Vertrag von Anthropic mit dem Pentagon, der ein Volumen von bis zu 200 Millionen Dollar erreichen könnte, aufgrund dieser Bedenken storniert werden könnte. (Quelle: euronews.com, 14. Februar 2026)

Palantir und Anthropic sind die sichtbarsten Akteure von heute. Doch der Wettbewerb in der IT-Welt ist so schnell, das Rennen um Innovationen so intensiv, dass diese Namen morgen durch ganz andere Unternehmen ersetzt werden könnten.

Was sich nicht ändern wird, sind nicht die Akteure, sondern die Logik des Systems: Wer die Maschinen beschleunigt, wer den Algorithmus entwickelt, wer die Daten kontrolliert, der hält die Macht in seinen Händen.

Einer Erzählung zufolge besaß der Prophet Salomo, der zugleich ein Herrscher war, ein von Gott verliehenes, sechseckiges Siegel mit übernatürlichen Kräften, mit dem er die Macht in seinen Händen hielt.

Ein altes türkisches Sprichwort, das auf dieser Geschichte basiert, besagt: „Wer das Siegel hat, ist Salomo.“

Dieses Sprichwort behält auch heute seine Gültigkeit für die neuen Imperatoren, die Algorithmen, Daten und Waffen in ihren Händen halten.

Palantir ist härter, Anthropic ist weicher. Doch letztlich sind beide Teil des techno-feudalen Netzwerks, des neuen Imperialismus.

In letzter Instanz ist die entscheidende Macht wieder das Kapital.

Das unverzichtbare Produkt: Profit.

Wer kann garantieren, dass das heute human erscheinende Anthropic morgen nicht in eine andere Richtung abdriftet?

Denn entscheidend ist heute nicht mehr nur wirtschaftliche Macht, sondern kognitive Macht – die Macht, den Geist, die Wahrnehmung und den Willen des Menschen zu lenken.

Wer die Fabrik übernimmt, kontrolliert die Produktion.

Wer den Algorithmus übernimmt, kontrolliert die Entscheidungsmechanismen.

(Die Wegweiser des digitalen Kapitalismus produzieren Theorie)

***

Gibt es denn niemanden, der diesem Bild widerspricht?

Natürlich gibt es den. Und zwar mit sehr starken Stimmen.

Der von Karp und Palantir vertretene Ansatz – die engere Integration des Technologiezentrums der Welt, des Silicon Valley (Kalifornien, USA), mit der Verteidigungsindustrie und die rasche Erhöhung der KI-basierten militärischen Kapazitäten – stößt auf heftige Kritik aus verschiedenen Kreisen.

Weltbekannte Menschenrechtsorganisationen wie „Amnesty International“ und „Human Rights Watch“ argumentieren, dass die Systeme von Palantir die Massenüberwachung in Bereichen wie Einwanderungsverfolgung, Polizeiarbeit und Grenzsicherheit verstärken und dass dies grundlegende Menschenrechte verletzen könnte.

Die US-amerikanische Akademikerin Shoshana Zuboff, Autorin des Buches „Überwachungskapitalismus“, und der belarussische Technologiekritiker Evgeny Morozov argumentieren, dass die Verbindung von Daten und staatlicher Macht die demokratische Kontrolle untergräbt; sie behaupten, dass diese Unternehmen zu einem „militärischen Arm des Überwachungskapitalismus“ geworden sind. Ihrer Meinung nach ist dies eine neue Form des Techno-Faschismus.

(George Orwells „1984“ und Shoshana Zuboffs „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus: Der Kampf für eine menschliche Zukunft an der neuen Front der Macht“)

Stuart Russell, Professor für Künstliche Intelligenz an der Universität Berkeley und einer der bedeutendsten Namen auf diesem Gebiet, spricht sich gegen die Entwicklung autonomer Waffensysteme aus und betont, dass die Übertragung der Entscheidung über Leben und Tod an Algorithmen ethisch inakzeptabel sei.

Politiker wie die britische Abgeordnete Caroline Lucas äußern, dass der Einfluss von Palantir auf öffentliche Daten die demokratische Souveränität schwäche.

Die US-amerikanische KI-Forscherin Meredith Whittaker und die äthiopisch-amerikanische Expertin für KI-Ethik Timnit Gebru argumentieren, dass Technologieunternehmen nicht zu einem Sicherheitsapparat des Staates werden sollten.

Auch die britische Zeitung The Guardian und das US-amerikanische Technologie-Magazin The Verge halten den Ansatz von Palantir-Karp für militaristisch und riskant.

Viele Denker, Juristen und Wissenschaftler weltweit warnen eindringlich vor diesem Thema.

All diese Stimmen treffen sich in einer gemeinsamen Sorge: Das Verschwimmen der Grenzen zwischen Technologie, Staat und Kapital definiert nicht nur die Natur des Krieges, sondern auch die Grenzen der Demokratie neu.

Demokratie?

Man erinnert sich unweigerlich an das 1948 vom britischen Schriftsteller George Orwell geschriebene Buch „1984“, das wie ein Albtraum über den Menschen hereinbricht.

„Großer Bruder“ beobachtet bereits jeden.

Und das tut er mittlerweile von innerhalb der Bildschirme.

Wie klar waren doch die Slogans der von Orwell beschriebenen Welt: „Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke.“

Ist Techno-Faschismus etwas anderes?

(Techno-Faschismus?)

***

Und wir kommen zur kritischsten Frage.

Quo Vadis – wohin steuert die Welt?

Im vorherigen Artikel, Neuer Imperialismus-2, hatten wir die berühmte Metapher aus Stanley Kubricks Film „2001: Odyssee im Weltraum“ verwendet: Der tötende Knochen hat sich in einen „Algorithmus“ verwandelt.

Die Fabrik wurde zum „Rechenzentrum“. Der Imperator zum „Programmierer“.

Doch die Frage bleibt dieselbe: Wer hält diese Macht in seinen Händen und in wessen Namen nutzt er sie?

Heute ist die Antwort auf diese Frage klarer als je zuvor.

Die Zielsysteme von Palantir in Gaza, die zehn Millionen Dollar, die der Mitbegründer des Unternehmens und Kapitalgeber Peter Thiel im Wahlkampf an den heutigen US-Vizepräsidenten J.D. Vance gespendet hat, die kriegerischen Thesen in Karps Buch – das ist nicht geheim. Es wird offen ausgesprochen, es wird offen angewendet.

(US-Präsident Donald Trump, sein Stellvertreter Mike Pence und Peter Thiel, einer der Schöpfer und Theoretiker des kriegerischen Unternehmens Palantir Technologies, schütteln sich die Hände. Trump Tower-New York. 14.12.2016. Getty Images)

Der neue Imperialismus verschleiert sich nicht mehr; er legitimiert sich.

Dies ist vielleicht die gefährlichste Schwelle.

Menschen leisten Widerstand, wenn sie Unterdrückung bemerken. Wenn Unterdrückung normalisiert, legitimiert oder gar beklatscht wird – wird Widerstand unmöglich.

Technologie ist nicht neutral. Aber Menschen müssen auch nicht neutral sein.

Wenn diejenigen, die den Algorithmus schreiben, darüber entscheiden, wer leben darf, dann müssen diejenigen, die dem widersprechen wollen, ebenfalls etwas tun – Gesetze, Manifeste, Widerstandscodes oder zumindest sollten solche Zeilen geschrieben werden.

(US-Präsident Donald Trump, sein Stellvertreter Mike Pence, die neuen Feudalherren; Amazon-Gründer Jeff Bezos, Google-Gründer Larry Page, die ehemalige CEO von Facebook Meta Sheryl Sandberg, die CEO von Oracle Safra Katz, Apple-CEO Tim Cook, Palantir-Mitbegründer Peter Thiel: Schlüsselpersonen der Trump-Administration, die Regierenden; Wilbur Ross, Reince Priebus, Rob Portman, Steve Mnuchin, Katrina Pierson, Stephen Miller, Sean Spicer, Gary Cohn; Treffen im New Yorker Trump Tower. 14.12.2016. Getty Images)

Man muss sich dieser neuen Ordnung, die der neue Imperialismus geschaffen hat, bewusst sein.

Die Arbeiter in Blaumännern, die Angestellten, die Landwirte, die kleinen und mittleren Industriellen von heute, ja sogar Politiker und Angehörige der traditionellen Sicherheitsapparate; jeder, der nicht zur „Techno-Bourgeoisie“ gehört, muss sich bewusst sein, was auf ihn zukommen könnte.

Wohin steuert die Welt?

Vielleicht steuert die Welt nirgendwohin; lediglich dieselben Machtverhältnisse werden unter neuen Formen reproduziert.

Wie es zu Beginn von Shakespeares „Timon von Athen“ heißt: „Die Welt dreht sich weiter“.

***

(Bewusstsein, Hinterfragen, Widerspruch..!)

Die Welt wird in einem noch nie dagewesenen Ausmaß durch Algorithmen und Daten, die für Profit in tödliche Werkzeuge verwandelt wurden, unter die Kontrolle des neuen Imperialismus gebracht.

Der neue Imperialismus will nicht mehr nur Länder, Energieressourcen oder Märkte beherrschen; er will auch den Geist, das Verhalten und die Wahrnehmung der Realität steuern.

Deshalb ist der Kampf nicht nur wirtschaftlicher oder militärischer Natur. Er findet auch auf der Ebene von Wissen, Bewusstsein und menschlichem Willen statt.

Zu sehen, was vor sich geht, weiterhin Fragen zu stellen und Bewusstsein zu schaffen, sind heute noch immer die wichtigsten Möglichkeiten, die wir haben.

Denn wie in jeder Epoche ist auch in dieser die größte Macht der Herrschenden nicht nur ihre Waffen; es ist das Aufhören der Menschen zu denken.

Deshalb muss sich Widerstand nicht nur auf der Straße, sondern auch im Wissen, im Recht, in der Wissenschaft, in der Kunst und im Gewissen des Menschen organisieren.

Denn wer den Algorithmus schreibt, der wird auch die Zukunft bestimmen.

(Fortsetzung folgt: Neuer Imperialismus-4. Singularität – Ist der Algorithmus der letzte Imperator?)

Sefa Taşkın

17.05.2026

Karşıyaka/İzmir