In den letzten Tagen gab es zwei Meldungen, die kurz hintereinander eintrafen.
Die erste betrifft Motorradkuriere.
Die Altersgrenze für den sogenannten SRC-Ausweis, der für Fahrer von gewerblichen Fahrzeugen obligatorisch ist, wurde auf 69 Jahre angehoben.
Das bedeutet, dass man nun bis zum Alter von 69 Jahren als Motorradkurier arbeiten kann.
Die zweite Nachricht betrachtete die Dinge aus einem anderen Blickwinkel.
Es kam heraus, dass ein Bürger über 65 Jahren das Recht auf kostenlose öffentliche Verkehrsmittel im Laufe eines Jahres tausende Male genutzt hat.
Gemäß der geltenden Regelung besitzen Bürger über 65 Jahren ohnehin eine Karte für die kostenlose Beförderung.
Das System stuft einen also ab diesem Alter in die „Altersgruppe für kostenlose Beförderung“ ein.
Lassen Sie uns nun kurz innehalten und nachdenken.
Im selben Land fällt jemand mit 65 Jahren in die Kategorie „alt“.
Aber bis zum Alter von 69 Jahren wird man als „arbeitsfähig“ genug angesehen, um auf einem Motorrad im Straßenverkehr Bestellungen auszuliefern.
Ist das nicht ein Widerspruch?
Das bedeutet, das Problem ist nicht das Alter.
Das Problem ist die wirtschaftliche Lage.
Die Definition von Alter ist in der Türkei nicht biologisch, sondern budgetär.
Ein 65-jähriger Bürger kann das ganze Jahr über tausende Male kostenlos den Bus nutzen.
Ein anderer Bürger im Alter von 69 Jahren liefert in derselben Stadt auf einem Motorrad Bestellungen aus.
Der eine gehört zur vom System „geschützten Altersgruppe“.
Der andere gehört zur vom System definierten „arbeitsfähigen Altersgruppe“.
Doch der Unterschied dazwischen beträgt nur vier Jahre.
Ein Großvater im Alter, in dem man eigentlich Enkelkinder verwöhnen sollte, trägt Pakete mit einer Thermotasche auf dem Rücken.
Das ist keine romantische Geschichte über Arbeitsmoral.
Das ist ein Abbild der wirtschaftlichen Realität.
Natürlich kann jeder arbeiten, der arbeiten möchte. Niemandem kann man das „Arbeiten“ verbieten.
Aber die Frage lautet:
Ist die Tätigkeit als Motorradkurier mit 69 Jahren eine Wahl oder eine Notwendigkeit?
Das Recht auf kostenlose Beförderung mag ein Indikator für einen Sozialstaat sein.
Aber wofür ist die Normalisierung aktiver Außendienstarbeit bis 69 ein Indikator?
Für den Arbeitskräftemangel?
Für unzureichende Renteneinkommen?
Oder ist es die stille Akzeptanz einer Politik des „Arbeite, solange du kannst“?
Das eigentliche Problem hier ist nicht die Altersgrenze.
Sondern die Definition dessen, woran sich das Alter bemisst.
Dasselbe System sagt einem Bürger sowohl: „Du bist jetzt alt“,
als auch: „Aber wenn du arbeiten kannst, mach weiter“.
Das ist keine Sozialpolitik;
das ist ein Reflex zum wirtschaftlichen Ausgleich.
Die Altersgrenze liegt bei 69.
Es gibt ein Tempolimit.
Aber die Lebenshaltungskosten kennen keine Grenze.
Und manche Großväter liefern Pakete aus, anstatt ihren Enkeln Märchen zu erzählen.
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