„Die Natur ist ein Spiegel, und zwar der hellste aller Spiegel“, sagt Dostojewski.
Seit einigen Wochen war ich abseits der politischen Tagesordnung mit den Dreharbeiten für einen neuen Dokumentarfilm beschäftigt, der sich mit der „Wasser“-Krise befasst, die wir in naher Zukunft erleben werden.
Ich konnte nur selten in die sozialen Medien schauen. Die Agenda vor Ort unterscheidet sich stark von der in der Stadt!
Die Landwirte hungern. Sie können von der Landwirtschaft nicht mehr leben. In der Türkei ist die Zahl der Landwirte in den letzten 10 Jahren um 55 Prozent zurückgegangen. Mit dem Anstieg der Inflation auf über 70 Prozent sind die für Landwirte kritischen Betriebsmittelpreise massiv gestiegen. Die Förderung der Landwirtschaft ist gering. Wenn dann noch die Auswirkungen der Klimakrise und der Dürre hinzukommen, befinden sie sich in einer Phase schwerster wirtschaftlicher Not.
Dass der Staat das Wasser nur noch in begrenzten Mengen bereitstellt, ist ein neues Problem!
Wir haben an den Staudämmen gedreht. Wir haben mit eigenen Augen gesehen, wie stark der Wasserstand gesunken ist.
Die Aussage des Landwirtschaftsministers, dass „wir im Jahr 2030 kein Wasser mehr haben werden“, ist korrekt. Wenn Ihnen die Wasserkrise so wichtig ist, warum erlauben Sie dann immer noch beharrlich den Anbau von Mais in der Konya-Ebene, der am meisten Wasser verbraucht?
Die 600 großen und kleinen Erdlöcher (Obruk), die in der Konya-Ebene entstanden sind, sind das Ergebnis der verfehlten Agrarpolitik dieses Landes!
Die Sicherheit der Landwirte, die im Bezirk Karapınar in Konya Mais anbauen, und ihrer Familien ist in Gefahr. Jederzeit kann ein neues Erdloch entstehen.
Es könnte sogar ihre Dörfer verschlingen. Aufgrund des Grundwassers, das zur Bewässerung von Zuckerrüben und Mais abgepumpt wird, ist in der Konya-Ebene selbst in 130 Metern Tiefe kein Wasser mehr zu finden.
Als ich bis an den Rand der Erdlöcher ging, musste ich an den Film „Kurak Günler“ (Dry Days) denken.
Wie wunderbar hat er doch die Heuchelei im Land, die Tatsache, dass kein Erfolg ungestraft bleibt, und den Verfall des menschlichen Gefüges im Land beschrieben.
Die Erdlöcher sind geradezu eine Metapher für die heutige Türkei..
Das menschliche Leben ist zum wertlosesten Gut geworden! Die Justiz funktioniert nicht, das Recht ist am Ende, die Wirtschaft ist zusammengebrochen, unser nationales Vermögen wurde verkauft, die Landwirtschaft steht kurz vor dem Aus.
Die Bildung ist am Boden, die Arbeiter können kaum noch atmen, die Preise sind explodiert, die Rentner kämpfen ums Überleben.
Die Jugend sucht nach Gelegenheiten, das Land zu verlassen.
Wenn nicht auf Neuwahlen gedrängt wird, wird der Appetit der Unersättlichen die Türkei wie ein riesiges Erdloch verschlingen!
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