Vor allem an den Küsten des südlichen Marmarameers hat der Schleim (Müsilaj) seine Wirkung verstärkt. Mit den Erdbeben begann er vermehrt an die Oberfläche zu treten.
Der Schleim im Marmarameer ist nicht nur eine Umweltkatastrophe; er ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, der Politik und der Mentalität. Für diejenigen, die es sehen wollen, ist die Botschaft eigentlich sehr klar: Die Natur beginnt, so zu werden wie wir.
Der Schleim ist nicht nur ein Umweltproblem. Er ist das an die Wasseroberfläche getretene Abbild jahrelang aufgestauter Versäumnisse, des Schweigens und des Wegsehens.
Dieser Schmutz ist nicht nur der des Meeres, sondern auch der Bodensatz der Gesellschaft. Wie Abfälle, die jahrelang ungeklärt ins Meer geleitet wurden, sprechen auch wir, ohne zu klären, konsumieren, ohne nachzudenken, und treffen Entscheidungen ohne Kalkül. Alles, was wir in uns angestaut haben, erbricht nun das Marmarameer. Der Schleim ist nicht nur im Meer, sondern auch in der Politik, in den Städten und sogar auf den Bildschirmen!
Überall ist es trüb, klebrig und geruchsintensiv. Je größer die Kluft zwischen dem Gesagten und dem Getanen wird, desto mehr wächst der Schleim. Die Wahrheiten sinken auf den Grund, während leere Worte an der Oberfläche schäumen.
Auch das Erdbeben-Thema ist eine andere Art von Schleim. Bei jedem Beben heißt es, man habe „daraus gelernt“, doch danach folgen wieder derselbe Beton, dieselbe Nachlässigkeit, dasselbe Wegsehen.
Es sind nicht die Verwerfungslinien, die gebrochen sind, sondern unser Verständnis von Verwaltung. Nicht die Erdkruste ist eingestürzt, sondern die Vernunft. Jeder Entscheidungsträger, der statt auf die Wissenschaft auf Profit hört, ist Teil der Katastrophe, die sich auf diesem Boden ansammelt. Was im Beton verrottet, ist nicht nur das Eisen, sondern das Gewissen. Je mehr die Natur warnt, desto mehr decken wir es zu. Genau wie jene weiße Schicht, die die Wasseroberfläche bedeckt, decken wir alles zu; die Probleme, die Verantwortlichen und sogar die Fragen selbst.
Vielleicht sollten wir zuerst den Schleim in unseren Köpfen beseitigen. Uns bleibt nur noch sehr wenig Zeit, um die Trübung zwischen uns und der Realität aufzulösen.
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