Der in Söke als Anwalt tätige Memiş Enes Gümüş, kam mit seiner Frau, die Lehrerin ist, und seinen zwei Söhnen zum Zuckerfest nach Antalya, um sowohl Verwandte zu besuchen als auch den Urlaub zu genießen.
Um Antalya, das Zentrum der weltweiten Anziehungskraft, von den Bey-Bergen aus zu betrachten, machten sie sich auf den Weg, um mit der Tünektepe-Seilbahn in Konyaaltı Sarısu zu fahren.
Die Seilbahn mit ihren 36 Kabinen und einer Kapazität von 1200 Personen bietet ihren Besuchern in einer magischen Atmosphäre das Vergnügen, die Bucht von Antalya aus tausenden Metern Höhe zu betrachten, während sie in 9 Minuten vom Hafen bis auf den Gipfel des Taurusgebirges fährt.
Als ich letztes Jahr selbst mit meinen zwei Neffen im Alter von 12 und 7 Jahren mit der Seilbahn fuhr, erlebte ich sowohl die faszinierende Schönheit der Natur als auch das mulmige Gefühl der Unsicherheit, das man verspürt, wenn man in einer Seilbahn an einem dünnen Kabel über einem Abgrund hängt.
Als der 54-jährige Memiş Enes Gümüş zusammen mit seinen beiden Söhnen Fatih (14) und Lütfullah (17) sowie seiner Frau Kezban Gümüş in die Tünektepe-Seilbahn stieg, verspürte er vielleicht dieselbe Unruhe. Gegen 17.30 Uhr brach unter einem ohrenbetäubenden Lärm der fünfte Mast der Seilbahnstrecke. Die Kabine wurde umhergeschleudert und prallte gegen den Mast. Der untere Teil der Kabine, in der sich die Familie Gümüş befand, riss ab. Die 8 Personen in der schwer beschädigten Kabine stürzten aus einer Höhe von mehreren Metern auf die Felsen hinab. Vater Memiş Gümüş kam dabei ums Leben. Seine Kinder und seine Frau wurden verletzt ins Krankenhaus eingeliefert.
Die Eröffnung der auf 605 Metern Höhe gelegenen Seilbahn, die während der Amtszeit von Menderes Türel als Bürgermeister der Stadt Antalya realisiert wurde, wurde vom damaligen Ministerpräsidenten Binali Yıldırım vollzogen, und die Tünektepe-Seilbahn wurde als „die kostengünstigste Seilbahn der Türkei“ beworben.
Das neunminütige Glück der Besucher, die an jenem Abend in die Seilbahn stiegen, verwandelte sich in einen 23-stündigen Albtraum. Die 174 in den Kabinen eingeschlossenen Menschen verbrachten die Nacht in tausenden Metern Höhe, in der Luft hängend und in ständiger Angst vor einem Absturz. Unter den Passagieren befanden sich kleine Kinder, Mütter und ältere Menschen. Dieses Trauma wird ein Leben lang unvergessen bleiben. Dank des stundenlangen Rettungseinsatzes und der sorgfältigen Arbeit der Rettungskräfte und Feuerwehreinheiten konnten 173 Personen erfolgreich evakuiert werden. Man muss allen Such- und Rettungskräften, die unter schwierigen Bedingungen im Einsatz waren, von Herzen gratulieren.
Doch in der ersten Stellungnahme des AFAD-Vorsitzenden Okay Memiş zum Seilbahnunglück hieß es, der Seilbahnmast sei aufgrund eines Erdrutsches eingestürzt. Dem vorläufigen Bericht des von der Staatsanwaltschaft beauftragten Sachverständigengremiums zufolge stellte sich jedoch heraus, dass der Mast Nummer 5, der die Seilbahnlinie trägt, nicht durch einen Erdrutsch umgestürzt, sondern abgebrochen war!
Der Betrieb der Seilbahn untersteht der Stadtverwaltung von Antalya. Folglich liegen auch die Wartung und Inspektion in der Verantwortung der Stadtverwaltung von Antalya. Der stellvertretende Vorsitzende der CHP, Deniz Yavuzyılmaz, er erklärte, dass die Wartung der Seilbahn von einem Unternehmen durchgeführt wurde, das vom Ministerium für Industrie und Technologie zertifiziert ist.
Es geht um Menschenleben! Regierung und Opposition sollten sich nicht gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben.
In Antalya gibt es noch eine weitere Seilbahnlinie. Die Tahtalı-Seilbahn. Mit einer Länge von 4350 Metern ist sie eine der längsten Seilbahnlinien der Welt. Diemit Schweizer Technologie realisierte Seilbahn wird von der Olympos Teleferik A.Ş Doppelmayr/Garaventa ABB/Frey AG betrieben und gewartet, die sie auch erbaut hat. Die Überwachung erfolgt sowohl durch das Ministerium für Industrie, Wissenschaft und Technologie als auch durch das in Europa autorisierte Seilbahn-Prüfbüro ROTECH Deutschland. Das bedeutet, dass die Kontrolle von zwei Institutionen durchgeführt wird.
Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Artikels war die Rettungs- und Evakuierungsaktion bereits abgeschlossen, doch es bleiben viele Fragen offen. Die Seilbahn-Katastrophe muss mit akribischer Arbeit untersucht und die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.
Antalya ist nicht nur für die Türkei, sondern weltweit eine der attraktivsten Städte. Jedes Jahr empfängt sie Millionen von Touristen aus aller Welt. Antalya trägt eine große Verantwortung gegenüber den Besuchern, die aus allen Teilen der Welt anreisen.
Menschenleben sind zu wichtig, um sie dem Konflikt zwischen der Regierung und der Stadtverwaltung mit ihren unterschiedlichen Ideologien zu überlassen. Menschenleben stehen über der Politik. Das Wichtigste ist, Leben zu retten!
Wäre bei dem Seilbahnunglück ein Schweizer Staatsbürger ums Leben gekommen, hätte die internationale Gemeinschaft gehandelt, die Ermittlungen wären längst eingeleitet worden und der türkische Staat müsste hohe Entschädigungssummen an die Familie des Verstorbenen zahlen.
Leider hat das Leben keines türkischen Staatsbürgers, der in diesem Land lebt, einen Wert.
Beim Zugunglück in Çorum kamen 25 Menschen ums Leben.
Bei der Minenkatastrophe von Soma starben 301 Bergleute.
Nicht einmal die tatsächliche Zahl unserer Bürger, die beim Erdbeben vom 6. Februar ums Leben kamen, wurde bekannt gegeben.
Zuletzt die Ereignisse in İliç… Von den 9 Arbeitern, die unter den Erdmassen begraben wurden, konnte nur die Leiche eines einzigen geborgen werden.
Auch bei der Seilbahnkatastrophe werden wieder einige
von Schicksal sprechen und zur Tagesordnung übergehen.
Denn Menschenleben sind in der Türkei das Billigste überhaupt!
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