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Das Schweigen der arabischen Länder zu Palästina

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Der Plan zur Vertreibung der Palästinenser, den Israel seit seiner Gründung im Jahr 1948 verfolgt, setzt sich ununterbrochen fort. Bei den israelischen Angriffen auf den Gazastreifen ab dem 7. Oktober kamen Hunderte Menschen ums Leben, und die Unzulänglichkeit der humanitären Hilfe hat diese Verluste noch verschärft. Die Palästinenser bezeichnen die Vertreibung und Zwangsmigration, die sie seit 1948 erleben, als „Nakba“, also als „Katastrophe“. Auch heute zeigt sich, dass Israels Ziel darin besteht, die Palästinenser erneut zur Flucht zu zwingen und so die Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates zu verhindern.

Obwohl die Palästinenser im Gazastreifen vor den israelischen Angriffen fliehen wollen, ist es umstritten, wie sehr die arabischen Länder angesichts dieses Dramas ihre Türen öffnen. Die von Ölinteressen und Instabilität umgebenen arabischen Staaten betrachten Gaza geradezu als einen „Feuerring“ und unternehmen keine konkreten Schritte gegen die Maßnahmen, die Israels Politik festigen. Trotz der Tragödie in Gaza blieb die Haltung Ägyptens und Jordaniens weit davon entfernt, dieses Drama zu lindern.

Die Sorgen Ägyptens und Jordaniens

Palästinenser, die aus Gaza fliehen wollten, fanden die Grenzen zu Ägypten und Jordanien verschlossen vor. Jordanien, das um seine Stabilität besorgt ist, wollte eine Wiederholung der Situation vermeiden, in der die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) zu einer bewaffneten Macht im eigenen Land wird – ein Szenario, das als „Schwarzer September 1970“ als tiefer Bruch in den Beziehungen zwischen der arabischen Welt und palästinensischen Organisationen in Erinnerung geblieben ist. Aus diesem Grund verschloss das Land seine Türen für eine neue Flüchtlingswelle mit der Begründung, dass bereits ein hoher Anteil an Palästinensern im Land lebe. 

Ägypten wiederum argumentierte, dass die erzwungene Migration von Zivilisten nach Ägypten ein Unterfangen sei, das den regionalen Frieden bedrohe. In dieser Haltung Ägyptens spielten der Kampf gegen die Muslimbruderschaft, die Sorge vor einer direkten Konfrontation mit der Hamas sowie Sicherheitsbedenken eine entscheidende Rolle. Die ägyptische Regierung, die 2007 die Tunnel nach Gaza schloss, fürchtet zudem, dass das 1979 mit Israel unterzeichnete Friedensabkommen gefährdet werden könnte und dass Israel ägyptisches Territorium angreifen könnte, falls sich dort palästinensische Flüchtlinge niederlassen.

Das Schweigen der arabischen Welt beschränkt sich nicht nur auf diese beiden Länder. Auch die Politik der Golfstaaten spiegelt ein ähnliches Bild wider.

Die Golfstaaten und der Normalisierungsprozess mit Israel

Saudi-Arabien, „Es wird keine Normalisierung mit Israel geben, bevor ein palästinensischer Staat gegründet ist“ Doch trotz dieser Aussage hat die Glaubwürdigkeit dieses Narrativs nach den Abraham-Abkommen abgenommen. Die Golfstaaten, die eine Investition in den Riviera-Plan im Gazastreifen unter US-Präsident Donald Trump in Erwägung zogen, stehen Investitionen in Gebieten, die von der Hamas kontrolliert werden, skeptisch gegenüber. Dass auch die Vereinten Nationen keine konkreten Schritte zur Lösung des Problems unternehmen, zeigt, dass die Rhetorik der „Solidarität mit Palästina“ oft rein symbolisch bleibt. 

Um dieses Schweigen und die Zurückhaltung richtig zu deuten, muss man den historischen Hintergrund betrachten, warum die arabische Welt die Palästina-Frage in den Hintergrund gedrängt hat.

Der Verlust der Priorität der Palästina-Frage in der arabischen Welt

Israel entstand während seines Gründungsprozesses als Nationalstaatsmodell, das Juden aus der Diaspora vereinte, und entwickelte sich im Laufe der Zeit durch eine Politik der territorialen Expansion zu einer regionalen Macht. Die arabischen Länder hingegen haben im historischen Verlauf große Veränderungen durchlebt. Der schwindende Einfluss des Sozialismus, die ideologische Transformation islamistischer Bewegungen und die Ablösung widerständiger Führungspersönlichkeiten wie Gamal Abdel Nasser durch Regierungen, die Konflikte mit dem Westen vermeiden, haben dazu geführt, dass die Palästina-Frage in der arabischen Welt an Priorität verloren hat.

Im Gegensatz zu den Beispielen im Westen sind Proteste gegen Israel in den arabischen Ländern mit ihren autoritären Regimen kaum zu sehen. Der Grund dafür kann darin gesehen werden, dass Volksbewegungen das Risiko bergen, in Zukunft auch die eigene Herrschaft infrage zu stellen. Die kritischste Sorge der arabischen Welt ist heute der soziale und wirtschaftliche Druck, den eine neue Flüchtlingswelle auslösen würde. 

Die Gleichgültigkeit der arabischen Welt gegenüber der Palästina-Frage ist nicht nur ein aktuelles Phänomen, sondern eine bekannte Tatsache, für die es im Laufe der Geschichte ähnliche Beispiele gab. Die Gründung der Islamischen Konferenz im Jahr 1969 ist ein wichtiges Indiz für diesen Prozess.

Von der Islamischen Konferenz bis heute: Rhetorik vorhanden, Sanktionen fehlen

Die Brandstiftung in der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem am 22. August 1969 bereitete den Boden für die Gründung der Organisation für Islamische Zusammenarbeit. Die 1972 offiziell gewordene Organisation hatte einen politischen, keinen religiösen Rahmen. Ihre Hauptziele waren der Schutz heiliger Stätten, die Unterstützung des palästinensischen Volkes und der Widerstand gegen den Kolonialismus. 

Bei den über Jahre abgehaltenen Treffen begann und endete die Tagesordnung stets mit Palästina. Diese Treffen konnten jedoch keine konkreten Erfolge für das palästinensische Volk erzielen. Bis heute gibt es keine einzige Sanktionsentscheidung gegen Israel. In der Vergangenheit war die Politik der arabischen Länder, „Nein zum Frieden, Nein zu Verhandlungen, Nein zur Anerkennung“ zusammengefasst, keine Bedrohung für Israel; im Gegenteil, die Wirkungslosigkeit dieser Politik hat Israels Position sogar noch gestärkt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die arabischen Länder zwar in ihrer Rhetorik stark erscheinen, jedoch keine konkreten Schritte gegen die Tragödie in Gaza unternehmen. Daher, das Schweigen und die diplomatische Unzulänglichkeit vertiefen die Verzweiflung des palästinensischen Volkes.