Der US-Sondergesandte für Syrien, Tom Barrack, erklärte kürzlich, dass die mit dem Sykes-Picot-Abkommen gezogenen Grenzen für „Israel bedeutungslos“ seien. Laut Barrack könnten die Israelis „gehen, wohin sie wollen, wann sie wollen“ und „tun, was nötig ist“, um ihre Grenzen zu schützen. Diese Rhetorik verdeutlicht, dass unter US-Unterstützung internationale Rechtsnormen missachtet werden. Denn es erscheint in naher Zukunft wenig wahrscheinlich, dass Israel von seiner Haltung abweicht, die seit seiner Gründung auf einer Politik der territorialen Expansion basiert.
Tatsächlich lässt sich seit dem 7. Oktober 2023 beobachten, dass Israel nicht nur im Gazastreifen, sondern auf regionaler Ebene eine strategische Politik verfolgt, die über die Sykes-Picot-Grenzen hinausgeht und darauf abzielt, eine neue Landkarte des Nahen Ostens zu zeichnen. Um die Entwicklungen in der Region zu verstehen, ist ein erneuter Blick auf den Yinon-Plan von 1982 wichtig. Dieser Plan sah den Weg zur Sicherung Israels in der ethnischen und konfessionellen Zersplitterung der arabischen Staaten in der Region.
Die heutigen Entwicklungen stützen somit die Behauptungen, dass die geopolitische Vision des Yinon-Plans, die Region in Stücke zu zerlegen, nach wie vor wirksam ist. In diesem Rahmen ist die Frage, „welche Staaten als Nächstes an der Reihe sind“, zu einem zentralen Diskussionsthema geworden, das die Richtung der regionalen Dynamiken bestimmt.
Das Gaza-Abkommen: Widersprüche und Zukunft des Vertrags
Der am 7. Oktober 2023 begonnene Gaza-Krieg endete mit einem Waffenstillstandsabkommen, das am 9. Oktober 2025 unter Vermittlung von Ägypten, der Türkei und Katar zwischen Israel und der Hamas unterzeichnet wurde. Dieses Abkommen ist im Wesentlichen ein aus der Not geborener Frieden, bei dem die Parteien aus unterschiedlichen Gründen an den Verhandlungstisch zurückkehrten. Während Israel und die USA ihr auf der internationalen Bühne beschädigtes Image reparieren wollten, wurde dieser Waffenstillstand für die Hamas zum einzigen Weg, ihr Überleben zu sichern.
Das Gaza-Abkommen zeichnet sich inhaltlich als ein Text aus, der den Interessen Israels nähersteht. Der Druck der USA und die Drohung der vollständigen Vernichtung Gazas zwangen die Hamas zur Unterzeichnung. Wie die Parteien, insbesondere Israel, die Vertragsartikel interpretieren werden, wird jedoch über das Schicksal des Prozesses entscheiden. Historische Erfahrungen haben wiederholt gezeigt, dass Waffenstillstände in ähnlichen Situationen nicht in einen dauerhaften Frieden münden.
Zu den umstrittensten Punkten des Abkommens gehören: die Kontrolle über Gaza, die Entwaffnung der Hamas sowie die Grenz- und Sicherheitskontrollen durch Israel. An diesem Punkt bleibt der israelisch-palästinensische Konflikt auch heute eine „unlösbare Gleichung“. Wenn die Palästinenser Einigkeit zeigen können, werden sie sowohl die internationale Unterstützung stärken als auch eine abschreckende Wirkung gegen mögliche Verstöße Israels erzielen. Im Gegenzug erscheint es unwahrscheinlich, dass Israel einen umfassenden Rückzugsplan akzeptiert. Dies schwächt das Sicherheitsgefühl der palästinensischen Bevölkerung und überschattet die Dauerhaftigkeit des Friedens.
Die Rolle der USA und globale Auswirkungen
Die bedingungslose Unterstützung Israels durch die USA hat langfristig sowohl ihrer Innen- als auch ihrer Außenpolitik geschadet. Dass US-Präsident Donald Trump als jemand dargestellt wurde, der den Friedensnobelpreis verdient hätte, war eine ironische Reflexion des Prozesses. Dabei haben weder die USA noch Israel oder Palästina das Problem gelöst. Es ist offensichtlich, dass dieses Abkommen kurzfristig keinen Frieden bringen und den Hass nicht beenden kann. Dennoch gibt es in der gegenwärtigen Situation keine andere Option, als abzuwarten und die Entwicklungen zu beobachten.
Obwohl das Sykes-Picot-Abkommen heute 109 Jahre zurückliegt, wird die Region erneut umgestaltet. Doch diesmal zeichnen nicht Stifte auf dem Papier die Landkarte neu, sondern Energieressourcen und Stellvertretermächte. Die Rolle, die 1916 Großbritannien und Frankreich innehatten, wird heute von den USA und Israel übernommen. Beide versuchen, ihren Einflussbereich in der Region auszuweiten und eine Ordnung zu etablieren, die ihren eigenen Interessen entspricht. Das Sykes-Picot von heute findet nicht nur vor Ort, sondern auch in der Technologie und auf diplomatischem Parkett statt.
Fazit
Das Gaza-Abkommen ist nicht nur ein Waffenstillstand, sondern auch ein Test für die fragile Zukunft des Nahen Ostens. Die vor einem Jahrhundert gezogenen künstlichen Grenzen bestimmen nach wie vor das Schicksal dieser Geografie. Die neuen Grenzen und Allianzen, die Israel gemäß seinen eigenen Interessen formt, führen zu einer Perpetuierung der Krisen in der Region und überschatten den Frieden.
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