Finden Sie Nachrichten im folgenden Datumsbereich
und und
und und
und und
Löschen
Euro
Arrow
54,0135
Dollar
Arrow
44,7763
Pfund Sterling
Arrow
62,7568
Gold
Arrow
6150,8149
BIST 100
Arrow
10.729

Sudan: Das endlose Schachspiel im Herzen Afrikas

Überlass die Wahl deiner Nachrichten nicht dem Algorithmus - entscheide selbst, was du liest. Füge 12punto zu deinen bevorzugten Quellen hinzu!

Der Sudan, gelegen im Herzen des afrikanischen Kontinents, ist in den letzten Jahren wieder in den Mittelpunkt der Weltagenda gerückt. Das Land, das mal unter der Überschrift „humanitäre Krise“, mal als „Kampf für Demokratie“ erwähnt wird, ist in Wahrheit Schauplatz einer stillen, aber tiefgreifenden Abrechnung globaler Mächte. Die Entwicklungen im Sudan sind weitgehend Reflexionen des Wettbewerbs um Energie und Einfluss in Afrika.

Unabhängig, aber nicht frei

Als der Sudan 1956 seine Unabhängigkeit erlangte, galt er als Hoffnungsträger für die Zukunft Afrikas. Doch wie bei vielen afrikanischen Ländern brachte die „politische Unabhängigkeit“ keine wirtschaftliche Unabhängigkeit mit sich. Die Kolonialherren hatten sich vom Kontinent zurückgezogen, doch an ihre Stelle traten multinationale Unternehmen, extern unterstützte Politiker und wirtschaftliche Abhängigkeitsverhältnisse. So setzte sich der Kolonialismus in veränderter Form fort.

Heute gleicht der Sudan mit seinen über 500 Stämmen, Dutzenden ethnischen Gruppen und Hunderten Sprachen einem Mikro-Afrika. Diese Vielfalt wurde ebenso zur Quelle der Stärke wie zur Quelle der Fragilität des Landes. Als sich ethnische, religiöse und regionale Spaltungen mit Interessenkonflikten um natürliche Ressourcen verbanden, wurde der Sudan in einen ständigen Kreislauf aus Bürgerkriegen gezogen.

Der Sudan von heute: Ein Land der endlosen Krisen

Die aktuelle Krise im Sudan hängt nicht nur mit dem Wettbewerb externer Akteure zusammen, sondern auch eng mit der tiefen Spaltung der Machtzentren innerhalb des Landes. Der Sturz von Omar al-Baschir im Jahr 2019 hatte Hoffnung auf einen „Neuanfang“ geweckt. Doch die militärisch-zivile Übergangsregierung brach in kurzer Zeit zusammen. Wirtschaftskrise, Nahrungsmittelknappheit, ethnische Konflikte und der Machtkampf innerhalb der Armee stürzten das Land erneut ins Chaos. 

Seit 2023 ist der Sudan Schauplatz eines umfassenden Bürgerkriegs zwischen der sudanesischen Armee unter dem Kommando von General Abdelfattah al-Burhan und den Rapid Support Forces (RSF) unter der Führung von Mohammed Hamdan Dagalo (Hemedti). Der Vormarsch der RSF in al-Faschir, der Hauptstadt von Nord-Darfur, bildete einen strategischen Wendepunkt im Krieg. Nach UN-Angaben sind Tausende Menschen ums Leben gekommen, 12 Millionen Menschen wurden vertrieben und 18 Millionen Menschen sind von einer Hungersnot bedroht.

Die Bürgerkriege im Sudan gehören zu den längsten und blutigsten Konflikten nicht nur in Afrika, sondern weltweit. Diese über ein halbes Jahrhundert andauernden Kriege haben zum Tod von Millionen Menschen und zur Vertreibung von Millionen weiteren geführt. Jede Krise, die heute im Sudan erlebt wird, ist vom Schatten dieses schmerzhaften historischen Erbes geprägt.

Öl, Gold und Wasser: Der Fluch des Reichtums

Das Schicksal des Sudans ist eng mit seinen natürlichen Ressourcen verknüpft. Ölreserven von etwa 2 Milliarden Barrel, reiche Gold- und Uranvorkommen sowie die Wasserressourcen des Nils machen das Land sowohl wirtschaftlich attraktiv als auch zum Ziel regionaler Konkurrenz.

Hinter dem 2003 in Darfur ausgebrochenen Krieg steckte nicht nur „ethnische Spannung“, sondern auch die Aufteilung der Einnahmen aus Öl und Gold. Aus dieser Perspektive betrachtet, war der Ressourcenreichtum des Sudans kein Segen, sondern die Hauptquelle der Instabilität.

Der Sudan ist wie ein Spiegel, der das Schicksal Afrikas reflektiert: Ein Land mit reichen Ressourcen, aber arm; eine hoffnungslose Gesellschaft trotz junger Bevölkerung; eine politisch fragile Struktur trotz strategischer Lage…

Der endlose Verteilungskampf im Sudan

Das langjährige koloniale Erbe in Afrika setzt sich in veränderter Form fort. Heute haben Akteure wie China, Russland, die USA, die EU, der Iran, Indien, Israel und die VAE einen neuen Kampf um Einfluss auf dem Kontinent begonnen. Eines der Zentren dieses Wettbewerbs ist der Sudan.

Der Iran betrachtet den Sudan als Tor nach Afrika.

Russland möchte sich mit Goldreserven und Plänen zum Bau eines Stützpunktes am Roten Meer wirtschaftlich und militärisch in der Region etablieren.

China setzt seine Infrastruktur- und Bergbauinvestitionen im Sudan im Rahmen der „Belt and Road“-Initiative fort.

Indien versucht, seine Beziehungen zum Sudan im Hinblick auf die Energiesicherheit zu stärken.

Die Europäische Union zielt darauf ab, das sudanesische Öl und die Migrationsströme unter Kontrolle zu bringen.

Die USA sind besorgt über den wachsenden Einfluss Chinas und Russlands; aus diesem Grund beleben sie ihre diplomatischen Initiativen in Afrika wieder.

Israel sieht den Sudan über die Verbindung von Nil und Rotem Meer als strategischen Partner.

Die VAE leisten den Parteien im Sudan finanzielle und militärische Unterstützung mit dem Ziel, ihren regionalen Einfluss zu erhöhen.

Aus diesem Grund ist der Sudan zu einer der heißesten Fronten des globalen Machtwettbewerbs in Afrika geworden.

Türkeis Afrika-Vorstoß und die Insel Suakin

Für die Türkei ist der Sudan ein besonderer Teil der strategischen Gleichung in Afrika. Die Überlassung der Insel Suakin, einem osmanischen Erbe, an die Türkei hatte die Beziehungen zwischen beiden Ländern 2017 auf eine strategische Ebene gehoben. Doch dieser Schritt hatte in Ägypten, Saudi-Arabien und den VAE für Unbehagen gesorgt. Denn Suakin liegt mitten im Herzen des Roten Meeres, am Knotenpunkt der Handelswege.

Die Afrika-Öffnung der Türkei ist nicht nur Teil einer wirtschaftlichen, sondern auch einer historischen, kulturellen und diplomatischen Strategie. Doch jeder Regierungswechsel im Sudan hat die Türkei dazu veranlasst, ihre Position in der Region zu überdenken. Insbesondere der Einsatz der aus der Türkei gelieferten Bayraktar-SİHAs im Bürgerkrieg macht es für Ankara erforderlich, das Gleichgewicht der Neutralität sorgfältig zu wahren.

Fazit

Die Krise im Sudan ist nicht nur ein lokaler Bürgerkrieg, sondern eine der härtesten Reflexionen des Kampfes um Energie, Handel und Einfluss in Afrika. Der Gewinner dieses Schachspiels steht noch nicht fest, aber es ist offensichtlich, dass das sudanesische Volk der Verlierer ist.

Die Tragödien, die das sudanesische Volk erlebt, verdienen ebenso viel internationale Aufmerksamkeit wie die Ereignisse in Gaza und anderen Konfliktgebieten der Welt. Um zu verhindern, dass noch mehr Menschen Opfer des Konflikts werden, ist es von großer Bedeutung, dass die internationale Gemeinschaft ihre Vermittlungsbemühungen verstärkt und ein dauerhafter Waffenstillstand zwischen den Parteien erreicht wird.