Razzia in Kadıköy: Straßen abgeriegelt, Lokale versiegelt
Nach einer großangelegten Razzia in Kadıköy, bei der Hunderte Polizisten, gepanzerte Fahrzeuge und Drohnen im Einsatz waren, wurden zahlreiche Lokale versiegelt. Die Razzien, die sich bis in die Privatwohnungen der Betreiber erstreckten, werfen die Frage auf: Ist das eigentliche Ziel das soziale Leben in Kadıköy?
Die Nachwirkungen der massiven Razzia, die am Abend des 25. April in Kadıköy unter Einsatz zahlreicher Polizeikräfte, gepanzerter Fahrzeuge und Drohnen durchgeführt wurde, halten an. Obwohl die offizielle Begründung „Drogenhandel“ lautete, wecken die Versiegelung von Lokalen und die Durchsuchung selbst unbeteiligter Passanten die Sorge, dass das eigentliche Ziel der Operation die freie soziale Struktur und der Lebensstil von Kadıköy sein könnten.
Es fällt auf, dass die Operation, die von der Generalstaatsanwaltschaft Istanbul-Anatolien geleitet wurde und bei der 107 Personen festgenommen und über 90 inhaftiert wurden, in den Mainstream-Medien lediglich als oberflächliche Sicherheitsmeldung behandelt wurde.
Im Hintergrund jedoch deuten die in den sozialen Medien verbreiteten Bilder von versiegelten Türen und die Berichte der Lokalbesitzer darauf hin, dass es sich um weit mehr als einen gewöhnlichen Kriminalfall handelt.
KEINE 'VERBRECHERSCHMIEDE', SONDERN DIE LUNGE ISTANBULS
Kadıköy ist eines der wichtigsten kulturellen und sozialen Zentren Istanbuls, das noch nicht von Luxuskonsum und Einkaufszentren-Kultur vereinnahmt wurde und in dem Jugendliche und Familien von morgens bis spät in die Nacht sicher ihre Zeit verbringen. Dass ein derart bedeutender Lebensraum mit Hunderten von Polizisten und Spezialeinheiten gestürmt wurde, als würde man eine 'Verbrecherfestung' einnehmen, führt zu der Einschätzung, dass die Region bewusst kriminalisiert werden soll.
Die Art und Weise der Razzien und die ins Visier genommenen Punkte bilden die Grundlage für die Vorwürfe eines „Eingriffs in den Lebensstil“:
Der Einsatz von gepanzerten Fahrzeugen und Polizeihunden bei Razzien in Unterhaltungslokalen, kleinen Geschäften und auf dem Basar stempelte nicht nur die Betreiber, sondern auch vorbeigehende und in den Lokalen sitzende Bürger zu potenziellen Straftätern.
Obwohl der offizielle Grund „Drogenhandel“ war, schürten die Kontrollen auf „illegalen Alkohol“ in den Lagern der Lokale mittels Barcode-Scannern Zweifel daran, ob die eigentliche Absicht der Operation darin bestand, den Unterhaltungssektor unter Druck zu setzen.
Nicht nur die Geschäftsräume wurden durchsucht, sondern auch die Privatwohnungen der Betreiber. Die anschließende Versiegelung vieler beliebter Lokale und die damit verbundene Einstellung ihrer Geschäftstätigkeit haben einen erheblichen Druck auf die Gewerbetreibenden in Kadıköy ausgeübt.
Nachrichtenquelle: 12punto
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