„Wir sprechen den betroffenen Menschen in der Region, insbesondere den Arbeitern, die nach dem Erdrutsch im Bereich der 'Çöpler-Goldmine' in İliç, Erzincan, am 13.02.2024 unter den Trümmern begraben wurden, sowie ihren Familien unser Mitgefühl aus und hoffen, dass die Such- und Rettungsarbeiten ohne weiteren Verlust von Menschenleben abgeschlossen werden können.
Wir sehen voraus, dass der Haufen, der Zyanid und andere gefährliche Stoffe enthält, sich weiter ausbreiten und eine Umweltkatastrophe im Becken verursachen wird. Wir fordern die zuständigen Behörden auf, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit das Ausmaß dieser Katastrophe nicht weiter zunimmt.
Seit Beginn des Betriebs der Goldmine wurden die durch die Mine verursachten Umweltrisiken und die Verschmutzung durch Mängel im UVP-Prozess (Umweltverträglichkeitsprüfung), eingereichte Klagen und Gutachten mehrfach aufgezeigt. Trotz des Unfalls im vergangenen Jahr, bei dem tonnenweise Zyanid in den Boden sickerte, wurde der Betrieb der Mine unter denselben Bedingungen fortgesetzt.
Dieser Prozess ist ein Indikator dafür, dass die Umweltrisiken der Tätigkeit in der Phase der Umweltverträglichkeitsprüfung nicht ausreichend berücksichtigt wurden und dass nach der Genehmigung keine notwendigen Kontrollen durch die zuständigen Institutionen erfolgten. Die Mängel in den Planungs-, Betriebs- und Kontrollprozessen solcher und ähnlicher Anlagen mit sehr hohem Umweltrisiko führen zu irreversiblen Folgen.
Der Umweltkontrollprozess, der auf dem Prinzip 'Der Verursacher zahlt' basiert, bewegt sich mit den verhängten Strafbeträgen und den (nicht) eingezogenen Bußgeldern auf einen Punkt zu, an dem derjenige, der zahlt, weiterhin verschmutzen kann. Wenn man die Einnahmen in den Bilanzen der Unternehmen in Sektoren mit hohem Umweltrisiko zusammen mit den verhängten Strafen, Subventionen sowie Steuerverbindlichkeiten, die sie entweder bezahlt haben oder aufgrund von Streichungen nicht zahlen mussten, betrachtet, wird das Ausmaß des Problems deutlich.
Damit sich ähnliche Vorfälle nicht wiederholen, müssen Bergbauaktivitäten unter Berücksichtigung von Umweltwerten und öffentlichem Interesse sowie im Rahmen wissenschaftlicher Fakten durchgeführt werden; Umwelt- und menschliche Gesundheit dürfen nicht dem Profitstreben geopfert werden.
Um das Ausmaß der Umweltkatastrophe in İliç aufzudecken, müssen unabhängige Experten vor Ort die notwendigen Untersuchungen durchführen und diese transparent mit der Öffentlichkeit teilen. Die Mine muss geschlossen und die Sanierungsarbeiten müssen abgeschlossen werden. Die Warnungen der fachlichen Berufsverbände, insbesondere unseres Dachverbandes TMMOB und der TTB, müssen berücksichtigt werden.
In Anbetracht der 10 Millionen Kubikmeter zyanidhaltigen Bodens und des dadurch verursachten Umweltmassakers handelt es sich hierbei um ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Verantwortlichen müssen die notwendigen Strafen erhalten.“