Erste Reaktion von Dervişoğlu auf die Anklageschrift zur IBB
Der Vorsitzende der İYİ-Partei, Müsavat Dervişoğlu, hat seine erste Stellungnahme zur 3.742 Seiten umfassenden Anklageschrift im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die Stadtverwaltung von Istanbul (IBB) abgegeben. Dervişoğlu äußerte die Ansicht, dass der Prozess politisiert sei, und bewertete zudem die Gerüchte über eine mögliche 'Schließung' der CHP.
Der Vorsitzende der İYİ-Partei, Müsavat Dervişoğlu, beantwortete nach der Fraktionssitzung seiner Partei im türkischen Parlament die Fragen von Journalisten. In seiner Bewertung der Anklageschrift, die im Rahmen der Ermittlungen gegen die Stadtverwaltung von Istanbul erstellt wurde, erklärte Dervişoğlu, dass das Dokument erst kürzlich veröffentlicht wurde und sagte: „Es ist nicht möglich, eine 3.900 Seiten starke Anklageschrift zu kommentieren, ohne sie geprüft zu haben. Unsere juristischen Experten arbeiten derzeit daran.“
Dervişoğlu erinnerte daran, dass er bereits zuvor Kritik an der Art und Weise der Durchführung der Ermittlungen geübt hatte, und äußerte: „Dieser Prozess trägt die Merkmale eines politisierten Ermittlungsverfahrens. Von außen betrachtet ist es offensichtlich, dass es einen politischen Aspekt hat. Auch in der Öffentlichkeit hat sich diese Meinung gefestigt.“
„ES SIEHT AUS WIE EINE ANKLAGESCHRIFT, DIE AUF DIE CHP ABZIELT“
Dervişoğlu wies darauf hin, dass die politische Dimension der Ermittlungen auch die CHP ins Visier nehme. „Diese Anklageschrift wird an einer Stelle auch Anschuldigungen gegen die Republikanische Volkspartei (CHP) enthalten. Daher erweckt sie den Eindruck, dass es sich um ein Bestreben handelt, die CHP zur Zielscheibe zu machen“, sagte er.
Dervişoğlu betonte, dass der Prozess detailliert untersucht werden müsse: „Ich möchte noch keine Kommentare auf Basis oberflächlicher Informationen abgeben. Sobald die Prüfung abgeschlossen ist, werden wir unsere Bewertung mit der Öffentlichkeit teilen.“
„POLITISCH MOTIVIERTE VERFAHREN SIND ZUR ÜBERZEUGUNG GEWORDEN“
Dervişoğlu äußerte, dass in der Türkei die feste Überzeugung entstanden sei, dass einige Ermittlungen aus politischen Gründen geführt würden: „Es entsteht das Gefühl, dass manche Gerichtsverfahren auf Wunsch bestimmter Kreise durchgeführt werden. Dies wandelt sich in der Gesellschaft zu einer vorherrschenden Meinung“, erklärte er.
„EINE SCHLIESSUNG DER CHP KÖNNTE AUF DIE TAGESORDNUNG KOMMEN“
Bezüglich der Diskussionen über eine mögliche Schließung der CHP erinnerte Dervişoğlu an ähnliche Versuche in der Vergangenheit und sagte: „Das könnte gemacht werden. Sicherlich haben sie das im Hinterkopf. Die Republikanische Volkspartei hat gerade erst eine Krise der Nichtigkeit hinter sich. Daher könnte es aus ihrer Sicht natürlich sein, dass sie sich eine neue Krise herbeiwünschen.“
Dervişoğlu warnte vor Versuchen, die der Demokratie schaden könnten: „In der Türkei herrscht die Überzeugung, dass Recht, Gesetz und Gerechtigkeit mit Füßen getreten werden. Die Demokratie kann das nicht verkraften. Wenn wir gemeinsam an die Zukunft dieses Landes denken, müssen wir genau analysieren, an welchem Punkt die Demokratie Schaden nehmen wird.“
ERKLÄRUNG DER STAATSANWALTSCHAFT ZUR „SCHLIESSUNGSBEHAUPTUNG“
Die Generalstaatsanwaltschaft von Istanbul reagierte mit einer schriftlichen Erklärung auf die Behauptungen, dass in der Anklageschrift die Schließung der Republikanischen Volkspartei gefordert werde.
In der Erklärung wurde betont, dass die Berichte in einigen Medienorganen, wonach „die Schließung der CHP gefordert wurde“, rein „desinformationsorientiert“ seien.
In der Erklärung der Staatsanwaltschaft heißt es:
„Unser diesbezügliches Schreiben besteht lediglich aus der gesetzlich vorgeschriebenen Meldung der im Rahmen der Ermittlungen festgestellten finanziellen Unregelmäßigkeiten an die Generalstaatsanwaltschaft beim Kassationshof. Die Berichte, dass die Schließung der CHP gefordert wurde, entsprechen nicht der Wahrheit. Die Öffentlichkeit sollte solchen Veröffentlichungen keinen Glauben schenken.“
Nachrichtenquelle: 12punto
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