Scharfe Kritik von Kumpas-Opfern an Kılıçdaroğlus FETÖ-Anspielung: 'Sollte kein politisches Instrument sein'
Die FETÖ-Anspielungen von Kemal Kılıçdaroğlu, der in der CHP erneut zum Parteivorsitzenden ernannt wurde, gegen Özgür Özel und dessen Führungsteam haben für Diskussionen gesorgt. Opfer der Balyoz- und Ergenekon-Verfahren reagierten empört auf diese Äußerungen.
Nach einer Entscheidung über die Nichtigkeit der vorherigen Parteiführung ist der Vorsitz der CHP wieder an Kemal Kılıçdaroğlu übergegangen. Bei einer Feier zum Fest der Unterbrechung des Fastens (Bayram) in der Parteizentrale nach seinem Amtsantritt zielte Kılıçdaroğlu auf Özgür Özel und dessen Team ab und erklärte: "Ich entschuldige mich bei euch dafür, dass ich die FETÖ-Agenten seinerzeit nicht rechtzeitig erkannt habe. Ich entschuldige mich bei euch dafür, dass ich diese Toren, die hinter verschlossenen Türen auf Hilfe von externen Kräften hofften, an meiner Brust genährt habe."
Diese Äußerungen stießen in der Öffentlichkeit auf ein breites Echo, wobei insbesondere der Verein zur Unterstützung und Solidarität der Kumpas-Opfer (KUMPASDER), der von ehemaligen Soldaten gegründet wurde, die in den Balyoz- und Ergenekon-Schauprozessen gegen die türkischen Streitkräfte angeklagt waren, scharfe Kritik äußerte.
"FETÖ-VORWURF SOLLTE KEIN POLITISCHES INSTRUMENT SEIN"
In der von KUMPASDER veröffentlichten Erklärung hieß es: "Während versucht wurde, die unschuldigen und sündenfreien Soldaten von Mustafa Kemal bei lebendigem Leib in Beton zu gießen, beobachten wir mit einem bitteren Lächeln, wie diejenigen, die deren Ehefrauen und Angehörigen keine Termine gaben, auf Briefe nicht antworteten und ihre Abgeordneten davor warnten, sich mit ihnen gemeinsam zu zeigen, heute ihre politischen Gegner der 'FETÖ-Zugehörigkeit' bezichtigen."
Der Verein betonte, dass die FETÖ-Problematik ein gemeinsames Anliegen des Landes sein sollte, und äußerte seine Besorgnis darüber, dass dieses Thema in letzter Zeit zum Gegenstand gewöhnlicher politischer Auseinandersetzungen gemacht werde. In der Erklärung wurde weiter ausgeführt: "Während die politischen Unterstützer der FETÖ verborgen bleiben, bedeutet das Stempeln jedes Beliebigen als 'FETÖ-Anhänger', der Organisation quasi neue Atemwege zu eröffnen. Wir kennen diese Struktur, die ihre Gestalt nach Belieben ändern kann, nur zu gut."
"WIR HABEN NICHT VERGESSEN, WER DIE SCHAUPROZESSE UNTERSTÜTZT HAT"
Im weiteren Verlauf der Erklärung wurde auf die erlittenen Ungerechtigkeiten in den Schauprozessen hingewiesen und folgende Einschätzung vorgenommen:
"Wir wurden in dem Prozess ab 2007 zum Opfer gemacht, als die Türkei im Einklang mit den Interessen der USA und dem BOP-Projekt transformiert werden sollte. Wir waren den Schauprozessen ausgesetzt, die von den Fetullah-Strukturen organisiert wurden, welche sich mit der Unterstützung der politischen Macht in vielen Ebenen des Staates organisiert hatten. Wir wissen, dass diese Mentalität und ihre Überreste heute noch in verschiedenen Ebenen existieren."
KUMPASDER wies darauf hin, dass das Rechts- und Justizsystem durch die FETÖ weiter korrumpiert wurde, und erklärte: "Während die Justiz eigentlich hätte repariert werden müssen, beobachten wir mit Bedauern, dass die damals angewandten unmoralischen und rechtswidrigen Methoden nun gegen andere angewendet werden." Zudem wurde angemerkt, dass man die aktuellen FETÖ-Vorwürfe von jenen, die den Kumpas-Opfern in der Vergangenheit keine Unterstützung zukommen ließen und sich weigerten, deren Stimmen Gehör zu verschaffen, nicht für aufrichtig halte.
"DIE WAHRHEIT KANN NICHT VERTUSCHT WERDEN"
Zum Abschluss der Erklärung des Vereins wurde betont: "Die Agenda unseres Landes ändert sich sehr schnell und vieles mag in Vergessenheit geraten. Aber wir haben niemals vergessen, wer während der FETÖ-Schauprozesse an unserer Seite stand, wer uns allein ließ oder wer nur auf eine Gelegenheit wartete, uns zu begraben. Auch wer in der Nacht des 15. Juli was getan hat, ist in unserem Gedächtnis präsent."
KUMPASDER drückte zudem seine Dankbarkeit gegenüber jenen aus, die in der Zeit, als die Schauprozesse gegen die Türkei gerichtet waren, Solidarität mit ihnen zeigten. Es wurde unterstrichen, dass Vorwürfe im Zusammenhang mit der FETÖ in der politischen Arena mit Vorsicht und Verantwortungsbewusstsein behandelt werden müssen.
Nachrichtenquelle: 12punto
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